Bangen bei Friseurkette Klier: Arbeitsplätze in Thüringer Salons gefährdet

Erfurt/Wolfsburg.  Die Friseur-Kette Klier kann die Umsatzeinbußen aus der Zeit des Lockdowns nicht ausgleichen: Die Firma hat nun Insolvenz beantragt. Mindestens 24 Filialen gibt es im Freistaat.

Deutschlands größte Friseurkette Klier Hair Group (KHG) hat einen Insolvenzantrag gestellt. Vielen Beschäftigten sei der erneute Wechsel in die Kurzarbeit angekündigt worden (Symbolbild).

Deutschlands größte Friseurkette Klier Hair Group (KHG) hat einen Insolvenzantrag gestellt. Vielen Beschäftigten sei der erneute Wechsel in die Kurzarbeit angekündigt worden (Symbolbild).

Foto: Jens Büttner / dpa

Die – nach eigenen Angaben – größte Friseurkette in Deutschland ist insolvent. Man habe beim zuständigen Amtsgericht Wolfsburg einen Insolvenzantrag gestellt, bestätigte das Unternehmen Friseur Klier am Dienstag. Es betreibt allein in Deutschland 1400 Salons mit 9200 Mitarbeitern.

Bereits im September hatte die Klier-Gruppe ein Schutzschirmverfahren zur Sanierung beantragt. Begründet wurde dieses damit, dass auch die staatlichen Überbrückungshilfen die Umsatzausfälle des Lockdowns im Frühjahr nicht hätten ausgleichen können. Damals waren die Friseursalons mehrere Wochen geschlossen.

Wechsel in Kurzarbeit angekündigt

Nun hat das Gericht das Insolvenzverfahren eröffnet und die Gläubiger aufgefordert, ihre Forderungen anzumelden. Eine Versammlung der Gläubiger wurde für den 25. Februar 2021 angesetzt.

Die Mitarbeiter haben in den Monaten September, Oktober und November das Konkurs-Ausfallgeld erhalten, das nun ausgelaufen sei, bestätigte Sonja Austermühle von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf Anfrage.

Nun sei vielen Beschäftigten der erneute Wechsel in die Kurzarbeit angekündigt worden. Allerdings erhalte sie auch Informationen von Mitgliedern in der Firma, die von erschreckenden Situationen berichten. „Da wurden ohne Vorankündigung plötzlich Filialen geschlossen, die Mitarbeiter bekamen die Kündigungen überreicht und teilweise hat man ihre persönlichen und privaten Arbeitsmaterialien einfach entsorgt“, so Austermühle.

Mindestens 24 Filialen in Thüringen

Betriebsräte gebe es in der Klier-Gruppe lediglich in drei Regionen Deutschlands – das betreffe Teile von Berlin-Brandenburg, Teile von Niedersachsen und das Umfeld von Hamburg. Dort werde man nun schnellstmöglich Verhandlungen über einen Interessensausgleich und Sozialpläne aufnehmen.

Sie hoffe, dass möglichst viele Salons und damit auch möglichst viele Arbeitsplätze bei der anstehenden Sanierung erhalten werden können, versicherte Austermühle. Ohne die Schließung von Filialen und den Abbau von Stellen werde ein Neustart aber sicherlich nicht gelingen.

Ein genauer Überblick über die Zahl der Filialen der Klier-Gruppe in Thüringen und die sich daraus ergebenden Beschäftigtenzahl gibt es bislang nicht. Laut der Online-Präsenz des Unternehmens sind es aber mindestens 24 Filialen im Freistaat, darunter allein fünf in Erfurt und jeweils drei in Gera und in Weimar. Aber auch in Jena, Altenburg, Saalfeld, Rudolstadt, Eisenberg, Hermsdorf, Greiz, Eisenach, Suhl, Gotha, Nordhausen und Sondershausen suchen Kunden Filialen der Kette auf.

Wirtschaftsminister Tiefensee fordert vernünftigen Sozialplan

„Die Insolvenz bedeutet nicht notwendig das Aus für Klier, sie kann sogar zu einem Neustart des Unternehmens beitragen“, zeigt sich Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) überzeugt. Allerdings sei zu hinterfragen, ob ein Geschäftsmodell, das auf besonders billige Angebote setzt, auf Dauer tatsächlich tragfähig ist.

„Gute Handwerksleistungen haben ihren Preis, damit das qualifizierte Personal angemessen entlohnt werden kann“, sagte Tiefensee. Er fordert einen vernünftigen Sozialplan, falls es zur Schließung von Filialen kommt.

„Der Vorteil für die Beschäftigten ist: Handwerk ist in der Region verwurzelt, der Markt für Friseurdienstleistungen ist stabil und gute Friseure werden weiterhin gebraucht“, meint Wolfgang Tiefensee.

Das könnte Sie auch interessieren: