Batteriehersteller soll Hunderte Jobs ins Erfurter Güterverkehrszentrum bringen

Erfurt  Es wird mit einigen hundert Arbeitsplätzen in dem Lager gerechnet. Die Neuansiedlung in der Lesara-Halle verschärft aber zugleich das Verkehrsproblem.

Von dieser Halle im Erfurter Güterverkehrszentrum aus sollen Batterien für E-Autos nach ganz Europa transportiert werden.

Von dieser Halle im Erfurter Güterverkehrszentrum aus sollen Batterien für E-Autos nach ganz Europa transportiert werden.

Foto: Holger Wetzel

Die Ansiedlung des chinesischen Batterieherstellers Contemporary Amperex Technology (CATL) im Erfurter Güterverkehrszentrum (GVZ) wird in der Landeshauptstadt begrüßt. „Der Leerstand der Lesara-Halle wird beseitigt, und zugleich profiziert Erfurt von der CATL-Großansiedlung am Erfurter Kreuz“, sagt Wirtschaftsdezernent Steffen Linnert (SPD).

Das Thüringer Wirtschaftsministerium hatte am Donnerstag bestätigt, dass CATL die einstige Lesara-Halle im GVZ als europäisches Zentrallager für sein in Bau befindliches Werk am Erfurter Kreuz anmieten wird. In dem zwei Milliarden Euro teuren Werk sollen Batterien für Elektro-Autos hergestellt werden.

Die Nutzung der drei Hektar großen, zweistöckigen Halle im Erfurter Gewerbegebiet spart dem chinesischen Unternehmen Zeit gegenüber einem Lager-Neubau. Die Halle, deren 45 Millionen Euro teurer Bau mit zehn Millionen Euro vom Freistaat unterstützt worden war, steht seit der Insolvenz des Online-Bekleidungshändlers Lesara Anfang 2019 leer.

Die neue Nutzung ist laut Steffen Linnert ein Beispiel dafür, wie die Landeshauptstadt vom Industriestandort Erfurter Kreuz im Ilmkreis profitiert. „Als Finanzdezernent bin ich traurig, dass die Gewerbesteuern im den Ilmkreis fließen“, meint Linnert. „Aber als Wirtschaftsdezernent freue ich mich über die Arbeitsplätze.“

Allgemein wird mit einigen hundert Arbeitsplätzen in dem Lager gerechnet, von dem aus die am Erfurter Kreuz hergestellten Lithium-Ionen-Batterien zu Autofabriken in ganz Europa transportiert werden sollen. Da es sich bei den Batterien um sensible Waren handelt, gehen Beobachter von höherwertigen Logistik-Arbeitsplätzen aus.

Auch der Gewerbeverein des GVZ begrüßt die neue Ansiedlung. „Es ist gut, dass da etwas passiert“, sagt der Vereinschef Roland Brückner über das Logistikzentrum. Allerdings warnt er davor, dass altbekannte Probleme im Gewerbegebiet durch den neuen Nachbarn verschärft werden könnten.

„Wenn Catl die Halle als Lager nutzt, wird der Stellplatzmangel noch akuter“, meint Brückner. Insbesondere Lkw-Fahrer, die Batterien zum Weitertransport abholen, müssten im GVZ ihre Ruhezeiten abhalten. Zudem werde sich der Verkehr am zentralen Kreisverkehr in Spitzenzeiten noch mehr stauen.

„Die Buslinie muss straffer werden“, sagt Brückner und fordert, auch den nahen Bahnhof Vieselbach besser in den ÖPNV zum GVZ einzubinden. Schließlich müsse dafür gesorgt werden, dass der Brandschutz im Gewerbegebiet der erhöhten Gefährdung durch die Batterien entspreche.

Dezernent Linnert verweist darauf, dass der Lkw-Stellplatzmangel an Hauptverkehrsstraßen ein bundesweites Problem sei, das aus der Verlagerung von Lagerkapazitäten auf die Straße resultiere und auch nur durch den Bund zu lösen sei. „Es müsste viel mehr Verkehr auf die Schiene“, sagt Steffen Linnert. Die Stadt habe eine eigentlich zum Verkauf vorgesehene Gewerbefläche im GVZ für einen Lkw-Parkplatz reserviert und hoffe, dass ein bereits gefundener Investor in diesem Jahr mit dem Bau beginnt.

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