Dioxin schadet auch den Thüringer Bauern

Der Dioxinskandal erschüttert auch die Bauern in Thüringen. Der Preisverfall für Schweinefleisch betrug phasenweise bis zu einem Viertel - auf ohnehin niedrigem Niveau. Deshalb mahnt der Bauernverband, die Verantwortlichen hart zu bestrafen, die Diskussion über das Thema aber zu versachlichen.

Das Programm von Ilse Aigner (CSU) muss erst einmal umgesetzt werden, wünscht sich der Thüringer Bauernverband. Foto: dapd

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Erfurt. Der Skandal um Dioxin im Futtermittel hat auch in Thüringen seine Spuren hinterlassen. "Es hat einen deutlichen Markteinbruch gegeben", sagte Walter Pfeifer, stellvertretender Landesgeschäftsführer des Thüringer Bauernverbandes im Gespräch mit dieser Zeitung. Er wünsche sich deshalb eine Versachlichung der Debatte. Erst einmal müsse das Konzept von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) umgesetzt werden, damit derartige Verunreinigungen nicht mehr passieren könnte.

Der Preis sei etwa beim Schweinefleisch zuletzt um 25 Prozent zurückgegangen. Noch zur Weihnachtszeit hätten Bauern pro Kilogramm Schweinefleisch 1,48 Euro von den Schlachtebetrieben bekommen. Letzte Woche habe der Preis bei 1,12 Euro gelegen. "Wenn nun pro Schwein 40 bis 50 Euro weniger herauskommen, fehlt dem Bauern plötzlich ein Drittel", sagte Pfeifer.

Exportmärkte wurden teils geschlossen

Als zusätzliches Problem habe sich erwiesen, dass zum Beispiel Russland seinen Markt kurzfristig geschlossen hat. Nun hätten allerdings russische Experten Entwarnung gegeben und das Fleisch wieder als "verkehrsfähig" eingestuft. Auch deshalb stabilisiere sich die Lage der Bauern allmählich.

"Schlimm ist, dass einzelne Unternehmer die ganze Landwirtschaft in Verruf bringen", sagte der Verbandsvertreter. Man könne nicht einfach so der Massentierhaltung die Schuld für das Geschehene geben. Hinter dem Skandal stecke vielmehr kriminelle Energie, die hart zu bestrafen es nun gelte.

Hysterische Beiträge, wie sie in den letzten Wochen zahlreich zu hören und zu lesen gewesen seien, trügen nicht zum Kampf gegen das Problem bei. Forderungen, wie auf der "Wir-haben-es-satt"-Demonstration für die Hinwendung zur rein ökologischen Landwirtschaft seien unrealistisch. "Sie brauchen ja am Ende auch Verbraucher, die die nötigen Preise für diese Produkte zahlen."

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