Dramatische Situation im Thüringer Gastgewerbe: Jedes vierte Unternehmen plant Aufgabe

Erfurt.  Wie existenzbedrohend sich die Corona-Krise auf das Thüringer Gastgewerbe auswirkt, verdeutlicht eine aktuelle Umfrage. Der Hotel- und Gaststättenverband kritisiert fehlende Hilfen.

Seit dem 2. November 2020 ist das Gastgewerbe zum zweiten Mal nahezu vollständig von einer Schließung betroffen (Symbolbild).

Seit dem 2. November 2020 ist das Gastgewerbe zum zweiten Mal nahezu vollständig von einer Schließung betroffen (Symbolbild).

Foto: André Heß

Laut einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Thüringen bangen 77,2 Prozent der gastgewerblichen Unternehmer im Freistaat um ihre Existenz, ein Viertel plant bereits die Betriebsaufgabe. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Von März bis Dezember 2020 beklagen die Unternehmer einen Umsatzrückgang von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der gesamte Einbruch 2020 beträgt mehr als 40 Prozent, was rund 550 Millionen Euro entspricht.

Kritik an Praxis bei finanziellen Hilfen

Dass die finanziellen Hilfen auf sich warten lassen, kritisiert Hauptgeschäftsführer Dirk Ellinger. Sie müssten unbürokratisch und schneller erfolgen. „Es ist für die Unternehmer nicht hinnehmbar, wenn es Wochen dauert bis überhaupt ein Antrag gestellt werden kann, weil die Software nicht da ist.“ Entgegen der politischen Versprechungen seien die Gelder bis auf Abschlagszahlungen noch nicht in den Betrieben angekommen. Diese seien nunmehr im dritten Monat ohne nennenswerte Einnahmen, die Kosten würden jedoch unvermindert weiterlaufen und müssten auch entsprechend vorfinanziert werden.

Zudem gebe es Fälle, in denen der Anspruch auf Unterstützung verwehrt wird, „weil Zuschusshöhen angeblich überschritten sind. „Beispielsweise wird ein genommener KfW Schnellkredit, der zurückzuzahlen ist, so behandelt, als wäre ein direkter Zuschuss erfolgt.“ Damit, so Dirk Ellinger, „wird politische Glaubwürdigkeit massiv verspielt.“

Thüringer Gastgewerbe droht Pleitewelle

Seit dem 2. November 2020 ist das Gastgewerbe zum zweiten Mal nahezu vollständig von einer Schließung betroffen. „Gerade für die kleinen Familienbetriebe, welche 87 Prozent ausmachen, bedeutet die aktuelle Situation eine massive Existenzgefährdung, weil die Rücklagen schon lange aufgebraucht sind.“

Laut Ellinger droht mittlerweile 25 Prozent der Thüringer Unternehmen im Gastgewerbe eine Pleite. Insolvenzen als Folge der leeren Kassen seien unvermeidlich. Im Gastgewerbe im Freistaat gibt es nach jetzigem Stand noch 4900 Unternehmen, in denen rund 35 000 Mitarbeiter beschäftigt sind.