Experte: "Sechs Flughäfen wären ausreichend für Deutschland"

Experte Dieter Faulenbach da Costa fordert Konzentration auf große Airports. Erfurts Flughafenchef verweist auf Kosten.

Anfang des Monats startete die Germania ihre Direktverbindung Erfurt-Funchal. Die EU gibt den Flughafen-Verantwortlichen und der Politik auf, binnen 10 Jahren die Wirtschaftlichkeit des Flughafens zu erreichen. Danach sind Betriebsbeihilfen untersagt, legte die EU jetzt fest. Foto: Alexander Volkmann

Anfang des Monats startete die Germania ihre Direktverbindung Erfurt-Funchal. Die EU gibt den Flughafen-Verantwortlichen und der Politik auf, binnen 10 Jahren die Wirtschaftlichkeit des Flughafens zu erreichen. Danach sind Betriebsbeihilfen untersagt, legte die EU jetzt fest. Foto: Alexander Volkmann

Foto: zgt

Die EU will Beihilfen für Flughäfen neu regeln, das Ende des Wildwuchses in Deutschland?

Ich hoffe das, denn von den 60 Flughäfen, die wir in Deutschland haben, sind 54 überflüssig.

Welche sechs bleiben?

Es geht nicht darum, Flughäfen um jeden Preis zu erhalten, es müssen auch neue Standorte gesucht werden, außerhalb der Ballungszentren. Wir brauchen einen Flughafen im Osten, der die bisherigen in Berlin, Leipzig, und Dresden ersetzt. Natürlich benötigen wir je einen Flughafen im Osten, Norden, Westen, Südwesten und im Süden. Die kämen bei einem von der Luftfahrtbranche geschätzten Passagieraufkommen von 300 Millionen im Jahr 2020 auf durchschnittlich 50 Millionen Fluggäste, damit können Flughäfen wirtschaftlich betrieben werden.

Der Frankfurter Flughafen ist der größte Deutschlands...

... ja, aber in einem Ballungsgebiet. In der Nachtschutzzone des Flughafens Frankfurt leben rund 100"000 Menschen. Der Airport muss 600 Millionen Euro für Lärmschutz aufwenden. Andere Länder machen es uns vor und verlegen Flughäfen aus den Städten heraus. In Ma-drid kann man das sehen. Lediglich 3000 Menschen würden in einer vergleichbar großen Nachtflugzone des Flughafens Hahn im Hunsrück leben.

Der aber Verluste schreibt?

Das gilt doch für alle Flughäfen in Deutschland. Die schwarzen Zahlen an einigen großen Airports entstehen doch nur dadurch, dass man die Kosten für Investitionen herausrechnet. Bezieht man diese mit ein, ist zum Beispiel München defizitär.

Trotzdem hat Hessen in Kassel noch einen Flughafen gebaut?

Der aber kaum Flugbetrieb hat und von den meisten Fluggesellschaften als überflüssig angesehen wird. Wenn ich die Investitionskosten für den Flughafen Kassel-Calden zur Zahl der Mitarbeiter betrachte, wird dort jeder Arbeitsplatz mit 48"000 Euro jährlich subventioniert.

Haben die Pläne der EU-Kommission Auswirkungen auf die Billigflieger?

Natürlich, der Durchgriff dieser Airlines auf die Gelder der Steuerzahler wird erschwert.

Kosten steigen mit den Auflagen

Immer neue Auflagen - vor allem in Sicherheitsfragen – treiben auch die Kosten an den Flughäfen in die Höhe. Das ist auch am Flughafen Erfurt-Weimar so, wie dessen Chef Uwe Kotzan versichert. Er verweist auf drei Kostenblöcke, die die EU betrachtet. So seien Zuschüsse für hoheitliche Aufgaben - darunter fallen etwa die Kosten für die Fluglotsen, den Einsatz der Bundespolizei und die Luft- und sonstigen Sicherheitskontrollen - von den geplanten Einschränkungen nicht betroffen. Hinzu kommen die Ausgaben für die sogenannten Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichen Interesse. Das sind die Kosten dafür, dass man die Infrastruktur für Urlaubs- und Geschäftsflieger ebenso vorhält, wie jene für den Fracht-Expressverkehr. Im eigentlichen Geschäft des Flughafens, beim Beladen, Betanken und Abfertigen der Flugzeuge, arbeite man kostendeckend. "Dafür bekommen wir keine Zuschüsse", sagte Uwe Kotzan.