Filinchen aus Apolda könnte bald schon in Mexiko und Thailand zu haben sein

Apolda. Filinchen aus Apolda ist in gewisser Weise in vieler Leute Münder. Möglicherweise wird man solches bald auch von Konsumenten in Mexiko, Thailand und Südafrika sagen können. Dorthin nämlich streckt die Firma Gutena laut Geschäftsführer Michael Heinemann ihre Fühler aus, um neue Absatzmärkte zu erschließen. Denn der Markt in Deutschland sei umkämpft, das Ringen mit den Handelsketten hart.

Die 60-jährige Ria-Liane Wettig ist eine von vier neuen Mitarbeitern der Firma Gutena, die diese trotz ihres Alters eingestellt hat. Foto: Sascha Margon

Die 60-jährige Ria-Liane Wettig ist eine von vier neuen Mitarbeitern der Firma Gutena, die diese trotz ihres Alters eingestellt hat. Foto: Sascha Margon

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Damit die kleine Firma auch künftig bestehen kann, braucht sie unter anderem motiviertes Personal. 2014 stellte man vier neue Mitarbeiter im Alter von über 55 Jahren ein. Dafür konnte der Chef am Donnerstag die Auszeichnung "Unternehmen mit Weitsicht" aus den Händen von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) und Michael Leiprecht, Leiter des Jobcenters, entgegennehmen. Leiprecht betonte, dass es wichtig sei, älteren Arbeitnehmern eine Chance zu geben. Deren Erfahrung sei unverzichtbar. Solche Einstellungen seien obendrein gut, weil die Älteren nicht so stark vom positiven Trend auf dem Arbeitsmarkt profitierten.

Heinemann betonte, dass es sich bei den Neueinstellungen nicht um einen Akt der Wehmut oder der Nächstenliebe handele, sondern man diese Kollegen - 43 Beschäftigte insgesamt - benötigt. Schließlich arbeite man angesichts der top Auftragslage in drei Schichten rund um die Uhr. Es sei durchaus nicht einfach, passendes Personal zu finden. Mit den älteren Generationen - diszipliniert, fleißig, vorbildlich - habe man bislang stets gute Erfahrungen gemacht, so Heinemann. Er lobte ebenso die Jugendlichen, die zu Lebensmitteltechnikern ausgebildet werden und leistungswillig seien.

Seitens der Ministerpräsidentin hieß es, dass "die Investition ins Erfahrungswissen von älterem Fachpersonal eine Investition in die Zukunft ist". Die Auszeichnung wurde nach 2013 nun zum zweiten Mal vergeben.

Dass es Gutena traf, freute Lieberknecht aus zwei Gründen. Erstens: Bereits zur Einweihung des Standortes war sie mit dabei, wovon ein Foto zeugt, dass sie und Heinemann zeigt.

Und zweitens sei das Knusperbrot "ein Produkt für alle Generationen". Bereits im Alter von drei Jahren habe sie in Apolda Filinchenbruch genießen können, den ihre Mutter besorgte, so Lieberknecht. Auch heute fehle es im Heim in Ramsla, wo drei Generationen leben, bei keinem Frühstück. Noch immer habe sie eine alte grüne Blechdose zur Aufbewahrung des Brotes zu Hause. Dass sie eine neue nutzen könne, sagte ihr Michael Heinemann schmunzelnd zu. Im üppigen Präsentkorb für sie lag eine drin. Im Herbst soll es zudem eine neue Dose geben; 400.000 Stück sind vorgesehen.

Die Idee zum Knusperbrot "Filinchen" hatte der Bäcker und Konditor Oskar Kompa. Er gründete 1946 in Apolda einen Handwerksbetrieb, der anfangs "ganz normale" Back- und Konditoreiwaren herstellte.

Nun gibt es ein weiteres neues Produkt, das laut Heinemann besonders für den abendlichen Genuss geeignet ist. Einst fing man mit sechs Filinchensorten an, momentan sind es 13. Die Produkte sind bundesweit vertreten, wobei es regionale Unterscheide gibt. Recht viel gegessen werde Filinchen in Mittel- und Süddeutschland; im Norden sei der Zuspruch etwa geringer. Übrigens: Zu DDR-Zeiten soll es ausgerechnet in Berlin kein Filinchen gegeben haben, weil die Produktionskapazität erschöpft war.

Längere Zeit waren die Rohstoffpreise bei Getreide, Zucker und Butter mit Blick auf die Einkaufspreise ein Sorgenkind, so Heinemann. Inzwischen sei die Lage etwas entspannter. Hart verhandeln müsse man stets bei den Verpackungen, sprich den notwendigen Folien.

Investition in Standort Apolda vorgesehen

Weil man durchs Hochwasser bedingt bei der sächsischen Schwesterfirma Neukircher Zwieback in jüngster Zeit vorrangig investieren musste, sei die Weiterentwicklung des Produktionsstandortes Apolda verschoben worden, was sich nun ändere. Erste Gespräche gab es diesbezüglich mit der Thüringer Aufbaubank. Konkretes soll es im Herbst oder im Frühjahr zu erfahren sein.

Die Einführung des Mindestlohns ist für die Firma Gutena nach Einschätzung des Geschäftsführers Michael Heinemann kein Problem. Schon jetzt bezahle man nach Tarif, so dass man fast die Löhne wie im Westen erreicht habe, versicherte er der Ministerpräsidentin.

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