Fracking: Grünen fordern Umweltverträglichkeitsprüfung

Der kanadische Konzern BNK hat seine Pläne für die Erdgassuche in Thüringen präzisiert und sich im Norden des Bundeslandes drei große Areale gesichert. Fracking heißt das Verfahren, mit dem das Unternehmen arbeiten möchte und das inzwischen auch in Thüringen Umweltschützer kritisieren, weil durch die Technik giftige Chemikalien ins Erdreich gelangen könnten.

Beim Fracking wird mit Hilfe von Chemikalien Erdgas aus hunderten Metern Tiefe an die Erdoberfläche geholt. Archiv-Foto: AFP

Beim Fracking wird mit Hilfe von Chemikalien Erdgas aus hunderten Metern Tiefe an die Erdoberfläche geholt. Archiv-Foto: AFP

Foto: zgt

Erfurt. Nein, Frank Augsten befürchtet nicht, dass in Thüringen demnächst Flammen aus dem Wasserhahn schlagen. Dafür seien die gesetzlichen Vorgaben in Deutschland zu hoch, ist der Grünen-Landtagsabgeordnete überzeugt. Derartige Videos, in denen zu sehen ist, wie Menschen ihr Leitungswasser mit einem Feuerzeug entzünden, kursieren zwar bereits im Internet - allerdings stammen die Aufnahmen aus den USA. Doch das so genannte Fracking, um das es dabei geht, sorgt inzwischen auch im Freistaat für Sorge, weil durch diese Technik giftige Chemikalien ins Erdreich gelangen könnten, wie Umweltschützer kritisieren.

Im vergangenen Monat hatte der kanadische Konzern BNK seine Pläne für die Erdgassuche in Thüringen präzisiert. Das Unternehmen hat sich im nördlichen Landesteil drei große Areale mit einer Gesamtfläche von 5000 Quadratkilometern gesichert. Noch in diesem Jahr sollen die geologischen Vorarbeiten beginnen. Erste Erkundungsbohrungen seien für 2014 geplant. Im günstigen Fall Ende 2016 könne Erdgas gefördert werden (wir berichteten).

Um an die Gas führenden Schichten zu kommen, müssen Grundwasserleiter durchbohrt werden. Unten im dichten Schiefergestein werden die Bohrungen abgelenkt und Wasser sowie Chemikalien eingepresst, um Risse zu erzeugen.

In anderen Bundesländern gehen die Menschen inzwischen aus Angst vor Umwelt- und Gesundheitsschäden gegen Fracking auf die Straße. Augsten berichtet davon, dass in Niedersachsen Landwirte ihr Brunnenwasser nicht mehr benutzen könnten, weil es durch den beim Bohren benötigten toxischen Cocktail verunreinigt sei.

Eintreten für die Bürgerinteressen

Die Landtags-Grünen fordern nun die Landesregierung auf, über eine Bundesratsinitiative zu erreichen, dass für diese Art der Erdgasförderung auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben wird, die zurzeit nach geltendem Recht nicht notwendig ist. Vor dem Hintergrund, dass das Land der Erkundung aufgeschlossen gegenüber stehe, argumentieren sie, sei ein deutlicheres Eintreten für die Bürgerinteressen erforderlich. "Beim Einsatz der Fracking-Technologie ist schließlich mit einer potenziellen Beeinträchtigung des Grundwassers zu rechnen", sagt Augsten. Und in Gebieten mit sensibler Grundwassersituation oder in Trinkwassergewinnungsgebieten müsse gänzlich auf potenziell wassergefährdende Technologien wie Fracking verzichtet werden.

BNK betont indes, dass es bei dem Prozess zu "keinem Kontakt mit trinkwasserführenden Schichten" komme.

Gothaer Umweltamt gegen Fracking-Methode

Zweites Wismut in Thüringen verhindern: Linke geben Gerstunger Erklärung ab

Zu den Kommentaren