Kammer feiert Geburtstag: 120 Jahre im Einsatz fürs Handwerk

Gera.  Die Handwerkskammer Ostthüringen feiert am Wochenende ihr 120-jähriges Bestehen. Die Corona-Krise habe zu massiven Umsatzeinbrüchen in den Betrieben geführt.

Die Handwerkskammer Ostthüringen sitzt in der Handwerkstraße 5 in Gera.

Die Handwerkskammer Ostthüringen sitzt in der Handwerkstraße 5 in Gera.

Foto: Tino Zippel

Am Sonntag begeht die Handwerkskammer Ostthüringen ihr 120-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass haben wir fünf Fakten zur Kammer zusammengetragen:

Gutachterliche Tätigkeit stand am Anfang: Als „Gemeinsame Handwerkskammer zu Gera“ wurde die Einrichtung am 18. Oktober 1900 gegründet. Organisiert werden sollte die Interessenvertretung des gesamten Handwerks in Ostthüringen damals vom Haus des Handwerks auf dem Puschkinplatz 4 in Gera aus. Zu den klassischen Aufgaben gehörte zunächst die gutachterliche Tätigkeit und die Berichterstattung.

Neugliederung des Kammerbezirkes: Heeresaufträge für die hiesigen Handwerker standen in den Zeiten des Ersten Weltkrieges im Mittelpunkt des Wirkens der Kammer. Handwerker mussten an die Front, es machte sich ein latenter Arbeitsmangel im Handwerk breit. Zum 1. April 1923 wurden die -- bis dahin bestehenden fünf -- Handwerkskammer in Gera, Weimar, Meiningen, Arnstadt und Gotha aufgelöst. An ihre Stelle rückten neue Regionalkammern mit Sitz in Gera, Meiningen und Weimar. Der Kammerbezirk der Geraer Einrichtung umfasste danach die Landkreise Altenburg, Gera, Greiz, Schleiz, Saalfeld sowie die Stadtkreise Altenburg, Gera und Greiz. Im Jahr 1926 wurde das Verwaltungsgebäude der Handwerkskammer Gera in der Gartenstrasse, der heutigen Handwerkstrasse eingeweiht.

Arbeitskräftemangel durch den Krieg: In der Zeit des Nationalsozialismus erfolgte eine „Säuberung“ der Leitungsebene der Kammer, die Führungspositionen wurden mit Mitgliedern der Nazipartei besetzt. Geprägt waren die folgenden Kriegsjahre vor allem durch einen Mangel an Arbeitskräften in den Handwerksbetrieben der Region. Zudem verschärfte sich im Laufe der Zeit die Rohstoffversorgung der Betriebe, die im letzten Kriegsjahr weitgehende zusammengebrochen war.

Kammergebäude durch Fliegerbombe zerstört: Wie in ganz Deutschland war auch in Gera der Alltag im Jahr 1945 geprägt durch Hunger und Zerstörung. Während eines alliierten Luftangriffes wurde im letzten Kriegsjahr das Kammergebäude in der Handwerkstraße, in dem sich heute die Hauptverwaltung der Handwerkskammer für Ostthüringen befindet, durch eine Fliegerbombe getroffen und stark beschädigt. Nach dem Wiederaufbau wurde das Haus 1947 erneut in Betrieb genommen, musste aber nur sechs Jahre später auf Veranlassung der SED geräumt werden, die es jahrelang als Kreisleitungs-Gebäude nutzte.

Neuorganisation nach der deutschen Wiedervereinigung:1989 erfolgte eine Umstrukturierung der Handwerkskammer für Ostthüringen. Angesichts enormer Herausforderungen beim Start in die soziale Marktwirtschaft war man für Unterstützung aus den alten Bundesländern dankbar. So bot die Handwerkskammer für Oberfranken mit Sitz in Bayreuth ihre Hilfe an. Daraus entstand eine langjährige und noch bis heute bestehende Partnerschaft. 1990 erfolgte in Gera der Wiedereinzug in des Verwaltungsgebäude in der Handwerkstraße.

Bei der Beratung der Mitgliedsbetriebe stand in den ersten Jahren das Thema Existenzgründung im Mittelpunkt. Zudem gründete die Kammer ihre Bildungsstätten in Zeulenroda (1991), Rudolstadt (1995) und in Gera-Aga (1997). Heute nimmt die Kammer die Interessen von rund 9400 Handwerksunternehmen der Region Ostthüringen und der darin arbeitenden Meister, Gesellen, Lehrlinge und mithelfenden Familienangehörigen wahr. „Es ist erstaunlich, wie sich die Handwerkskammer über die Jahre veränderte. Von der Gründung im durch Monarchie geprägten Deutschen Reich bis zur Gegenwart, in der wir von der zunehmenden Digitalisierung begleitet werden, ist viel passiert“, blickt Hauptgeschäftsführer Hans Joachim Reiml zurück. Die aktuelle Corona-Krise habe zu massiven Umsatzeinbrüchen in den Betrieben geführt. Doch nach jeder Krise seien wieder Zeiten der Blüte und des Aufschwungs gekommen, so Reiml.

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