TA-Reporter: Lehrling aus Martinroda kann ohne Kindergeld kaum leben

Martinroda (Ilmkreis). Patrick Wolf wuchs in einer Pflegefamilie auf und lebt nun in einer eigenen Wohnung. Ihm fehlt jetzt die Unterstützung.

Patrick Wolf macht in Martinroda eine Lehre zum Kfz-Mechaniker. Foto: Christian Gehrke

Patrick Wolf macht in Martinroda eine Lehre zum Kfz-Mechaniker. Foto: Christian Gehrke

Foto: zgt

Patrick Wolf macht sich gerade die Hände schmutzig. Er arbeitet fleißig in einer Autowerkstatt in Martinroda. Und trotzdem musste er schon zur Tafel in Ilmenau und sich dort Essen abholen. Denn das Geld des 18-jährigen Kfz-Lehrlings reicht für einen Monat nicht aus.

Der Grund für die Probleme: Patrick Wolf bekommt kein Kindergeld. Der junge Mann war als Kleinkind von den Eltern getrennt worden und ist in einer Pflegefamilie in Martinroda aufgewachsen. Im September vergangenen Jahres zog er in eine eigene Wohnung. Jetzt muss Patrick Wolf das Kindergeld selbst beantragen. Doch das scheint schwierig. Ihm fehlen bisher 184 Euro im Monat. "Ohne die Hilfe der früheren Pflegefamilie und meiner Freunde würde ich nicht auskommen", sagt er.

Für einen Antrag auf Kindergeld musste Patrick Wolf seine leiblichen Eltern, die er nicht kannte, ausfindig machen. Er sagt: "Erst brauchte die Familienkasse nur meine Mutter, dann aber auch meinen Vater."

Das Jugendamt recherchierte und fand die leiblichen Eltern. Jetzt ist der Antrag auf dem Weg zu ihnen. Wenn sie die Unterschrift leisten, bearbeitet die Familienkasse den Antrag weiter. Patrick Wolf könnte dann sein Kindergeld bekommen. Doch der ganze Ablauf dauert. Das bestätigt sogar die Familienkasse selbst. "Wir haben hier viel zu tun. Die Sachbearbeitung kann sich hinziehen", sagte eine Mitarbeiterin des Servicetelefons der Familienkasse.

Unverständnis beim Arbeitgeber

Doch Patrick Wolf braucht das Geld, um zu existieren. "Es kam schon eine Mahnung vom Vermieter", berichtet er.

Unsere Zeitung fragte erneut bei der Familienkasse nach. Die Mitarbeiter empfehlen Patrick Wolf, zu den leiblichen Eltern Kontakt aufzunehmen, um den Ablauf zu beschleunigen. Außerdem soll er einen zusätzlichen Antrag stellen, damit das Geld nicht auf das Konto seiner leiblichen Eltern fließt, sondern auf sein eigenes. Patrick Wolf sagt dazu: Wie viele Anträge muss ich dann noch stellen?"

Unverständnis auch bei seinem Arbeitgeber. Seine Chefin Sabine Koch sagt: "Die leiblichen Eltern von Patrick haben mit ihm nichts mehr zu tun. Was soll der Aufwand?" Sie ist mit Patrick Wolf zufrieden. Er mache gute Arbeit, habe in letzter Zeit viel gelernt. "Wenn er die Ausbildung schafft, kann er sich noch weiter als Mechatroniker qualifizieren", sagt Chefin Sabine Koch.

  • Der TA-Reporter fährt am Montag nach Großbreitenbach.

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