Unmut bei Putzkräften über neue Verträge zur Schulreinigung

Landkreis  Landratsamt schrieb nach Jahrzehnten Gebäudereinigung neu aus. Firmen verweisen auf Weiterentwicklung der Branche

Mehr Leistung in weniger Arbeitszeit, das stößt vielen Reinigungskräften im Landkreis bitter auf.

Mehr Leistung in weniger Arbeitszeit, das stößt vielen Reinigungskräften im Landkreis bitter auf.

Foto: Daniel Volkmann

Weil sie in weniger Zeit mehr leisten müssen als bisher, regt sich bei einigen Reinigungskräften im Unstrut-Hainich-Kreis Ärger. „Wir sollen Arbeiten übernehmen, die bisher die Hausmeister gemacht haben. Hilfe durch betriebsfremde Personen ist strikt verboten. Das sollen wir in einer Stunde weniger pro Tag, also 20 Stunden weniger im Monat schaffen“, schildern Angestellte ihre Sicht der Situation im Gespräch mit unserer Zeitung. Nun wollen sie die Öffentlichkeit auf ihre Lage aufmerksam machen.

Der Hintergrund des Unmuts ist die groß angelegte Neuvergabe der Reinigungsarbeiten in sämtlichen Schulgebäuden des Landkreises. 80 Objekte sind es inklusive der Nebengebäude. Mit Beginn der Sommerferien Ende Juni obliegt die Reinigung teilweise neuen Firmen. Das vorhandene Personal kann zu den neuen Arbeitgebern wechseln, derzeit werden die Verträge verschickt.

Was die Putzkräfte umtreibt, sind die Anforderungen, die ihnen in Form eines Leistungskatalogs mitgeteilt wurden. In dieser Übersicht ist detailliert aufgeführt, welche Räume auf welche Art und wie häufig zu reinigen sind. Was seit Jahren in knapper Form ausgereicht habe, liegt nun in fünf eng bedruckten A4-Seiten vor. Die Putzfrauen und -männer bekommen zu spüren, was das Landratsamt selbst einräumt: Der Kreis hatte teilweise seit fast 20 Jahren an den Schulen mit denselben Firmen Verträge abgeschlossen. Im Zuge der neuen Ausschreibung wurden alle Gebäude neu vermessen, denn aktuelle Flächenpläne hätten kaum vorgelegen. Auf Basis dieser Daten entwickelte das Beratungsunternehmen „Bebra Gesellschaft für Verwaltungsentwicklung“ besagten Leistungskatalog.

Reinigungsfirmen werden regelmäßig geprüft

Hinzu kommt, dass sich das Reinigungshandwerk weiter entwickelt hat. Unsere Zeitung sprach mit den Geschäftsführern einer der drei Firmen, die künftig die Schulreinigung übernehmen werden. Sie stehen zu ihrer Arbeit, wollen den Firmennamen dennoch nicht als einzige in der Zeitung veröffentlicht haben.

„Vor 10 bis 15 Jahren galt in der Branche ein Durchschnitt von 120 Quadratmeter gereinigter Fläche pro Stunde pro Person. Heute liegt der Durchschnitt bei 270 bis 300 Quadratmetern“, erklären sie. Es treffe also zu, dass künftig mehr Leistung verlangt wird. Aber bessere Reinigungstechniken und -geräte erlaubten schnellere Arbeit. „Es gibt Richtlinien für die Gebäudereinigung. Auf deren Einhaltung achtet der Innungsverband. Unser Unternehmen wird regelmäßig geprüft“, versichern die Firmenvertreter.

An einem Punkt reiben sich die Reinigungskräfte besonders. Zur Grundreinigung der Klassenzimmer, also der besonders gründlichen Reinigung während der Ferien, müssen sämtliche beweglichen Möbel hinausgetragen werden. So schreibt es der Leistungskatalog vor. Dazu zählen unter anderem Schreibtische und kleine Schränke. Dabei sollen laut den Vorgaben nun keine Schüler oder Hausmeister mehr helfen. „Wie sollen wir das schaffen“, fragen die meist älteren Reinigungsfrauen.

Die Grundreinigung sei für die Angestellten keine Pflicht. Zudem stünden die Frauen nicht alleine, es gebe auch Männer in der Reinigungsmannschaft, sagt die Chefin der Reinigungsfirma. Sie räumt darüber hinaus ein, dass es einen Unterschied zwischen den theoretischen Vorgaben und der Praxis gebe. Natürlich könnten die Putzkräfte gegebenenfalls auf die Unterstützung der Hausmeister und Schüler zurückgreifen, so wie es ohnehin seit Jahren zum Ferienbeginn in den Schulen gehandhabt werde.