Unter Strom: Die Betreiber feiern ihre neue Leitung durch den Thüringer Wald

Altenfeld  Mehr als ein Jahrzehnt lang ist um dieses Projekt gestritten worden - seit Donnerstag ist die Starkstromtrasse durch den Thüringer Wald nun auch offiziell in Betrieb gegangen. Umweltministerin Siegesmund blieb der Party fern. Das dürfte nicht nur an ihrem vollen Kalender liegen.

Monteure arbeiten in Altenfeld im Ilm-Kreis an einem Strommast unweit des dortigen Umspannwerks. Die Südwest-Kuppelleitung, wie die Hochspannungsleitung offiziell heißt, verläuft in einer breiten Schneise durch den Thüringer Wald bis hin zur Landesgrenze nach Bayern. Seit Donnerstag steht die 380-Kilovolt-Leitung laut dem Betreiber unter Strom.

Monteure arbeiten in Altenfeld im Ilm-Kreis an einem Strommast unweit des dortigen Umspannwerks. Die Südwest-Kuppelleitung, wie die Hochspannungsleitung offiziell heißt, verläuft in einer breiten Schneise durch den Thüringer Wald bis hin zur Landesgrenze nach Bayern. Seit Donnerstag steht die 380-Kilovolt-Leitung laut dem Betreiber unter Strom.

Foto: Martin Schutt/dpa

Die Thüringer Strombrücke, wie die 380-Kilovolt-Leitung bei den Energieexperten heißt, verbindet das Umspannwerk in Bad Lauchstädt bei Halle mit dem Umspannwerk in Redwitz in Oberfranken. Windstrom aus dem Norden in den Süden zu den dortigen Verbrauchern zu transportieren, dafür sei die neue Trasse nötig, argumentieren die Netzbetreiber. Die Gegner des Leitungsbaus hatten diese Begründung allerdings immer wieder infrage gestellt.

Natürlich habe man die seit dem Herbst 2016 existierende Freileitung im zurückliegenden Winter schon einmal genutzt, um bei Bedarf das deutsche Hochspannungsnetz zu entlasten, räumt man beim Netzbetreiber 50Hertz in Berlin ein. Dort gaben der Vorsitzende der Geschäftsführung von 50Hertz, Boris Schucht, und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident, Reiner Haseloff (CDU) gestern das symbolische Startsignal für die Leitung. Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) hatte ihre Teilnahme an der Veranstaltung aus terminlichen Gründen abgesagt.

Während im Winter lediglich ein System genutzt wurde, sind jetzt laut 50Hertz beide Systeme im Regelbetrieb. Zwischenzeitlich sei der Strom auf der Trasse wiederholt abgeschaltet worden, um restliche Arbeiten zu erledigen.

Klagen bis vor das Bundesverwaltungsgericht

Gekämpft haben die Thüringer vor allem um den Abschnitt der Freileitung zwischen dem Umspannwerk in Vieselbach bei Erfurt über Altenfeld im IlmKreis bis hin zur bayerischen Landesgrenze. Zahlreiche Bürgerinitiativen wurden gegründet, Politiker und Touristiker gemeinsam wollten den Bau über den Kamm des Thüringer Waldes verhindern. Die Stadt Großbreitenbach und private Grundstücksbesitzer klagten bis vor das Bundesverwaltungsgericht gegen den Bau der Leitung. Sie zerstöre die Landschaft und schade dem Tourismus in der Region, lautete ihre Begründung. Allerdings sahen die Richter in Leipzig die Sache anders. Die Kuppelleitung sei von nationaler Bedeutung, heißt es unter anderem in der Begründung für die Ablehnung der Klage.

Der Netzbetreiber 50Hertz begrüßte die mit dem Urteil verbundene Rechtssicherheit und setzte den Weiterbau durch den Thüringer Wald fort.

„Natürlich wäre es besser gewesen, die Infrastrukturmaßnahmen Autobahn, ICE-Strecke und Thüringer Strombrücke gemeinsam zu planen, als dreimal neu anzusetzen. Und jetzt nimmt Bayern nur zwei von vier Leitungssystemen ab. Das hätte man in der Frühplanung anders machen können, das war nicht rund“, kritisierte Anja Siegesmund das Projekt auf Anfrage unserer Zeitung.

Dabei sei die klimaschonende Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien doch eine gesamtdeutsche Aufgabe. „Unter dem Strich kann jetzt aber erneuerbarer Strom in großer Menge über weite Strecken von Nord nach Süd transportiert werden. Auch Thüringer Windstrom kann jetzt besser nach Bayern transportiert werden“, zeigte sich die Umweltministerin überzeugt.

Damit würden weiter die Voraussetzungen verbessert, Kohlekraftwerke aus dem Netz zu nehmen und trotzdem die Stromnetze stabil zu halten. Insgesamt sparten die Netzbetreiber damit erheblichen Kosten bei der Netzregelung ein, was auch dem Verbraucher zugute kommt. „Darüber hinaus bleibt der Ansporn, wir brauchen mehr regionale und damit dezentrale Energieversorgung, das verringert dann den Bedarf an weiteren Übertragungsnetzen“, sagte Siegesmund.

Ein Seitenhieb auf die beiden geplanten Gleichstromübertragungsleitungen aus dem Norden in den Süden, die als Erdkabel ebenfalls durch Thüringer verlaufen sollen. Vor allem der Südlink, den der Netzbetreiber Tennet plant, sorgt für heftige Erregung und für Widerstand. Ein Leitungsbau durch den Hainich und die Rhön komme nicht infrage, erklärt die Thüringer Landesregierung. Der Freistaat habe mit der Thüringer Strombrücke seinen Anteil zur Energiewende erbracht, erklärte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Er kündigte an, alle rechtlichen und politischen Möglichleiten gegen den Bau auszuschöpfen. Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke) hat einen anderen Trassenkorridor vorgelegt.

Das könnte Sie auch interessieren:

In Gera wird über die Stromleitung „Südostlink“ gestritten

Widerstand in Langenwetzendorf gegen Starkstromtrasse wächst

Resolution gegen Starkstromtrasse in Eisenach verabschiedet

Zu den Kommentaren