Unternehmen in Ostthüringen: Junge Firma aus Bollberg mit Erfolgsgeschichte

Bollberg  Viele kleinste, kleine oder mittlere Firmen leisten Erstaunliches für die Volkswirtschaft. Manchmal sind sogar heimliche Gewinner, sogenannte Hidden Champions, darunter. Die OTZ stellt wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor. Heute: Die Bollberger Firma H & E Bohrtechnik.

Thomas Heidler (53), Geschäftsführer der H & E Bohrtechnik GmbH aus Bollberg. Sein Unternehmen hat sich bundesweit einen guten Ruf erarbeitet.    

Thomas Heidler (53), Geschäftsführer der H & E Bohrtechnik GmbH aus Bollberg. Sein Unternehmen hat sich bundesweit einen guten Ruf erarbeitet.    

Foto: Andreas Schott

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die Thomas Heidler (53) mit seinem erst Ende 2005 gegründeten Unternehmen aus dem Saale-Holzland-Kreis vorweisen kann. Als angestellter Bauleiter wagte der gelernte Rohrleitungsbauer und studierte Bautechniker mit 40 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. Drei Mitarbeiter zählte die damals noch in Trockenborn ansässige Firma, die sich später in Reichenbach ansiedelte.

Heute sind 28 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt, die bundesweit Aufträge im horizontalen Spülbohrverfahren ausführt.

Das Spektrum umfasse unter anderem Bohr- und Tiefbauarbeiten in einer geschlossenen Bauweise für Kabeltrassen, Trink-, Abwasser- und Gasleitungen in einer Bohrgröße von bis zu 500 Millimetern. „Nötig ist dafür nur, eine Start- und eine Zielgrube im Erdreich zu öffnen. Strecken von bis zu 400 Metern können wir bewältigen“, sagt der Geschäftsführer. Gewässerkreuzungen und Flussdurchquerungen seien kein Problem. Vorteile biete das Verfahren beim innerstädtischen Bauen. Straßen oder Gehwege müssen nicht geöffnet werden, die Bauzeit sei wesentlich kürzer. Zudem sei die Verlegetechnik umweltschonend und verursache nur am Ausgangs- und am Endpunkt punktuelle Schäden, so Heidler.

Seit 2008 hat Thomas Heidler seine Firma zu einem Komplettanbieter für Tiefbauleistungen entwickelt. Von der Ortsbegehung, der Erkundung der Trasse, der Bohrplanung, dem Verlegen und Schweißen der Rohre sowie der Entsorgung überschüssiger Bohrsuspensionen bis hin zu Verkehrssicherungsmaßnahmen reiche der Service. Damit sei die Grundlage für die positive Entwicklung gelegt worden, weil die Firma damit ein Alleinstellungsmerkmal für sich verbuchen konnte, sagt Heidler.

Großen Wert, so der Geschäftsführer, lege man bis heute auf den Entwicklungsbereich. Hohe Qualitätsarbeit bei effizienten Arbeitsverfahren abzuliefern, die zudem umwelt- und ressourcenschonend erfolgen, sei der Anspruch. Diese mündeten bisher in acht Forschungsprojekte und ein Patent, so Heidler.

Komplettanbieter für Tiefbauleistungen

Bei der patentierten Forschungsarbeit handele es sich um einen Quellton (Bentonit), der beim horizontalen Spülbohrverfahren zur Stabilisierung der Bohrwände benötigt werde. „Dazu kommen bei dem verwendeten Wasser-Betonit-Gemisch je nach Bodenbeschaffenheit noch abgestimmte Zuschlagstoffe in einem festgelegten Mischungsverhältnis dazu. Gemeinsam mit einem Informatiker haben wir dafür eine Maschine entwickelt, in der das Mischungsverhältnis während des Bohrvorgangs verändert werden kann“, erläutert Heidler.

Von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier erhielt die Bohrtechnik GmbH für diese Entwicklung im Juni den Innovationspreis des Mittelstandes für das Jahr 2018 überreicht.

Schon 2017 konnte sich die Firma über den bundesweit vergebenen Mittelstand-Oscar freuen. „Das ist immer eine Würdigung für alle Mitarbeiter“, betont Thomas Heidler, der trotz der Erfolgsgeschichte seiner ­Firma bodenständig geblieben ist.

Seit 2017 nimmt die H & E Bohrtechnik am Nachhaltigkeitsabkommen Thüringen teil.

Und dass sich Heidler stetig Gedanken macht, wie man Prozesse effizienter gestalten und mit Materialien schonender umgehen könne, davon künden weitere Projekte. Seit August steht eine von Heidler und Technikern konzipierte Recyclinganlage auf dem Firmengelände. Dort werden Sande und Kies herausgefiltert, die in der Bohrspülung (Wasser-Ton-Gemisch) enthalten sind. Der gewonnene Erdstoff wird entsorgt und die Bohrspülung kann erneut verwendet werden, erzählt er. Das spare Kosten für die Firma und sei umweltschonender. 400.000 Euro hat das Unternehmen, mit dem es Vorreiter für so eine technische Anlage sei, dafür investiert und zudem einen neuen Arbeitsplatz geschaffen. Derzeit sei ein weiteres Forschungsprojekt mit der TU Ilmenau und der Uni Jena angelaufen. „Ja, es gibt halt immer was zu verbessern. In diesem Fall geht es um Effizienz im Arbeitsprozess, der weiter optimiert werden soll“, umschreibt Heidler das Projekt.

Seit 2012 hat die Firma im Bollberger Gewerbegebiet ihren Firmensitz. Der Platz in Reichenbach habe nicht mehr gereicht, deshalb habe man neu gebaut, informiert Heidler.

Und der Geschäftsführer ‚baut‘ natürlich auf seine Mitarbeiter, von denen ein Drittel von Anfang in der Firma sei. Heidler trägt Kostenanteile für seine Mitarbeiter. So unter anderem die Kindergartengebühr, leistet eine Zuzahlung für die betriebliche Altersversorgung und übernimmt die Differenz der von Krankenkassen nicht getragenen Zahnarztrechnung. Einmal im Jahr lädt er Mitarbeiter zu einem Ausflug ein. Heidler engagiert sich für Vereine und soziale Einrichtungen.

OTZ-Serie im Internet: www.otz.de/unternehmen-in-ostthueringen

Das Unternehmen

  • Name: H & E Bohrtechnik GmbH
  • Standort: Gewerbepark 6, 07646 Bollberg
  • Geschäftsführer: Thomas Heidler
  • Umsatz: 4,5 Millionen Euro im Jahr 2017
  • Beschäftigte: 28 Mitarbeiter
  • Auszubildende: ein jungen Mann aus Afghanistan, der im ersten Lehrjahr zum Rohrleitungsbauer ausgebildet wird
  • Technologie: HorizontalSpülbohrverfahren, um Gas,- Fern- oder Trinkwasserleitungen, Abwasserdruckleitungen oder Kabelrohre zu verlegen
  • Internet: www.hue-bohrtechnik.de

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