„Für die Umwelt oder einfach nur schön“: Eulenstein Baustoffe aus Pößneck

Pößneck.  Viele Ostthüringer Firmen leisten Erstaunliches. Die OTZ stellt wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor. Heute: Ernst Eulenstein Baustoffe aus Pößneck

Werden in Pößneck und Umgebung neue Wasserleitungen verlegt, dann kann es gut sein, dass sie vom Baustoffhandel Ernst Eulenstein besorgt wurden. Dem 100 Jahre alten Pößnecker Familienbetrieb steht seit 1991 Peter Metzner vor.

Werden in Pößneck und Umgebung neue Wasserleitungen verlegt, dann kann es gut sein, dass sie vom Baustoffhandel Ernst Eulenstein besorgt wurden. Dem 100 Jahre alten Pößnecker Familienbetrieb steht seit 1991 Peter Metzner vor.

Foto: Marius Koity

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„Wir waren immer ein kleiner Betrieb“, sagt Peter Metzner. „Dieser Tatsache ist es zu verdanken, dass wir sämtliche politischen Systeme seit 1920 überlebt haben“, erklärt der Unternehmer.

Peter Metzner steht für die vierte Generation an der Spitze des Pößnecker Baustoffhandels Ernst Eulenstein. Die Firma wurde am 3. Januar 1920 gegründet und 100 Jahre später wurde mit einem Festakt im Pößnecker Schützenhaus auf die bewegte Geschichte des Familienbetriebes zurückgeblickt.

Den Grundstein hatte Ernst Eulenstein gelegt, der nach dem I. Weltkrieg aus der Gast- in die Bauwirtschaft gewechselt war und den Betrieb bis 1936 führte. Erich Metzner, die zweite Generation, arbeitete von Anfang an in der Firma mit, um sie 1936 zu übernehmen und bis 1972 zu führen.

Über die DDR-Zeiten half dieBetonteileproduktion

1941 stieg Rudi Metzner, die dritte Generation, ein, um dem Unternehmen ab 1963 zunächst gemeinsam mit seinem Vater und dann selbstständig bis 1990 vorzustehen. Seit dem 1. Januar 1991 ist Peter Metzner der Chef.

Rudi Metzner, 95, ist in Pößneck für seine Umtriebigkeit bekannt. Sohn Peter dankte ihm während des Festaktes, dass er die Firma „sauber über den Kommunismus“ geführt habe. Und ausdrücklich würdigte der heutige Chef die Leistungen der Ehefrauen im Hintergrund, namentlich jene von Emma Eulenstein sowie von Martha, Ilse und Jana Metzner.

Heute weitestgehend auf den Verkauf von Baumaterialien aller Art sowie Werkzeug für Haus, Hof und Garten konzentriert, hatte die Firma jahrzehntelang auch als Kohlenhandel einen Namen. Über die DDR-Zeiten half dem Betrieb vor allem die Betonteileproduktion.

„Von 1963 bis 1990 haben wir Platten für Fertigteilgaragen hergestellt, die stehen heute noch überall in den neuen Bundesländern“, sagt Peter Metzner. Möglicherweise versehen auch die Betonfutternäpfe noch ihren Dienst, die seine Firma in den 1950ern goss.

Bei dem mit 18 Mitarbeitern zeitweilig größten Privatbetrieb im DDR-Kreis Pößneck seien sogar Fertigteile für militärische Objekte bestellt worden. Mit Augenmaß sei es seinem Vater Rudi gelungen, der Firma die Verstaatlichung zu ersparen, stellt Peter Metzner fest, der nach dem Ingenieurstudium in Leipzig bis 1986 als Projektleiter im Wasserleitungsbau wirkte.

Seine Firma handelt heute beispielsweise mit tonnenschweren Schächten für Be- und Entwässerungsanlagen oder Fertigteiltreppen für Einfamilienhäuser. Braucht man eine zehn Millimeter große Profilverbindungsschraube, sei das ebenso kein Problem.

„Wir haben ständig 18.000 Artikel auf Lager“, sagt Peter Metzner beim Rundgang über sein etwa zwei Hektar großes Gelände zwischen der Bundesstraße B 281 und dem Unteren Bahnhof in Pößneck. „Manche Leute stehen früh um 6, wenn wir öffnen, schon da, und sie bekommen sofort das Teil, das sie brauchen.“ Natürlich kommt man da gern wieder.

Vertrieb Ostthüringer Erzeugnisseist Ehrensache

Knapp 90 Prozent seines Umsatzes macht der Baustoffhandel Ernst Eulenstein mit gewerblichen Kunden aller Art, die übrigen zehn Prozent mit Häuslebauern. Nicht nur in Pößneck und Umgebung werden die Rohre, der Kies oder die Ziegel verbaut, die Peter Metzner für seine Kunden besorgt. Über einen Pößnecker Hochbauer sei man auch an Infrastrukturprojekten der Bundesregierung in Afghanistan und in Mauretanien beteiligt gewesen.

Das seien Ausnahmen gewesen, gibt Peter Metzner zu verstehen. Der Baustoffhandel Ernst Eulenstein, der kaum Geld für Werbung ausgibt, lebt eher von Kunden, die der Chef und seine Mitarbeiter beim Vornamen beziehungsweise seit Jahrzehnten kennen.

„Ob Frau oder Mann – bei uns weiß jeder Mitarbeiter, wovon er spricht“, nennt Peter Metzner ein weiteres Erfolgsgeheimnis seines Geschäftes, welches weitestgehend Markenware führt. Darunter sind reichlich Erzeugnisse von Herstellern aus Ostthüringen – eine Ehrensache für den Baustoffhandel Ernst Eulenstein und eine wirtschaftliche Notwendigkeit angesichts ständig steigender Transportkosten.

Nun ist Peter Metzner auch in seiner Freizeit Entscheider – seit 1990 sitzt er ununterbrochen für die CDU im Pößnecker Stadtrat. Welchen Einfluss hat denn die Politik auf seinen Betrieb?

„Jede Veränderung ist für meine Branche günstig“, sagt der Unternehmer. „Ob Rückbau, Aufbau oder Umbau, ob es der Umwelt dienen oder einfach nur schön sein soll – wir sind immer dabei.“

In den Geschäftszahlen seiner Firma schlage sich natürlich auch die europäische Geldpolitik nieder. Zwar schreibe man lange nicht so hohe Umsätze wie in den ersten Jahren nach der Wende oder in der Zeit des Pößnecker Landesgartenschau-Booms. Vom Trend zum Betongold profitiere man sehr wohl.

„Bei uns ist alles bezahlt und wir kommen ganz gut hin“, fasst Peter Metzner die Lage seines Geschäftes zusammen. „Meine Arbeit macht mir viel zu viel Spaß, um jetzt schon ans Altenteil zu denken“, antwortet der 62-Jährige auf die Frage zur nächsten Generation im Betrieb.

Für Peter Metzner gilt, was schon seinen Vater Rudi am besten beschrieben hat: Die Firma ist sein Leben.

Das Unternehmen

Name: Ernst Eulenstein Baustoffe, Inhaber: Peter Metzner e. K.

Standort: Im Tümpfel 12, 07381 Pößneck

Umsatz (2019): 2,5 Millionen Euro

Leistungen: Lieferung von Baustoffen, aller Art für gewerbliche und private Abnehmer.

Beschäftigte: acht Mitarbeiter

Internet: www.e-eulenstein.de

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