250 Jobs in Nordhausen gefährdet: Warnstreik gegen Werksschließung

Nordhausen.  Mehr als 120 Eaton-Beschäftigte streiken gegen die geplante Produktionsverlagerung nach Polen.

Über 120 Beschäftigte des Nordhäuser Eaton-Standorts streikten am Donnerstag.

Über 120 Beschäftigte des Nordhäuser Eaton-Standorts streikten am Donnerstag.

Foto: Jan-Niklas Reiche

Vor Aufträgen kann das Werk sich kaum retten, und auch die Produktion brummt – trotzdem sollen bei Eaton in Nordhausen am Ende des Jahres die Lichter ausgehen. Die Nachricht der Schließung schockierte im August die gesamte Belegschaft und bringt am Donnerstag zum Warnstreik mehr als 120 Beschäftigte vor die Werkstore. „Die Konzernleitung verlagert die Produktion nur aus Kostengründen, also aus reiner Profitgier, nach Polen,“ erklärt der Geschäftsführer der Nordhäuser Industriegewerkschaft (IG) Metall, Alexander Scharff. Das Aktienunternehmen habe noch 2018 von einem erfolgreichen Jahr gesprochen und den Gläubigern über 2,7 Milliarden Euro Dividende ausgezahlt.

Eaton bleibt mit der möglichen Schließung in Nordthüringen kein Einzelfall. Auch der Autozulieferer Continental mit dem Standort in Mühlhausen sowie die Norma-Group im Eichsfeld kündigten ein Ende der Produktion an. Der Druck auf die gesamte Branche ist durch den Dieselskandal und eine stärkere Bedeutung von regenerativen Autoantrieben immens gestiegen. Die wirtschaftlichen Einbrüche durch die Coronapandemie beförderten die schon vorhandenen Problemfelder.

Trotzdem bleiben Scharff und die IG Metall kämpferisch: „Wir werden der Geschäftsleitung mit einem Konzept Möglichkeiten aufzeigen, wie wir das Werk in Nordhausen erhalten möchten. Den Verlust von rund 250 Arbeitsplätzen können wir nicht einfach so hinnehmen.“ Dass auch die Belegschaft hinter diesem Ziel steht, sei durch den Warnstreik einmal mehr deutlich geworden.

Oberbürgermeister Kai Buchmann (parteilos) und Landrat Matthias Jendricke (SPD) zeigten sich als Vertreter der Lokalpolitik solidarisch mit den Streikenden. Gemeinsam mit dem Thüringer Wirtschaftsministerium, der Landesentwicklungsgesellschaft und der IG Metall plane die Politik in der nächsten Woche Gespräche über eine Modernisierung oder Neuausrichtung der Produktionsverfahren. Ob das Werk in Nordhausen dadurch zu retten ist, bleibt unklar.