Zurück in die Heimat: Südharzer Pendlertag wirbt um Rückkehr

Nordhausen.  Ein Pendlertag am 5. September in der Stadtbibliothek Nordhausen will die beruflichen Chancen im Landkreis Nordhausen für Rückkehrer aufzeigen.

Solche Schilder könnten für manchen Südharzer bald der Vergangenheit angehören.

Solche Schilder könnten für manchen Südharzer bald der Vergangenheit angehören.

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Über 9400 Südharzer Fachkräfte sind es, die derzeit in andere Landkreise oder Nachbarbundesländer auspendeln. Allein nach Göttingen treibt es mehr als 1700 Menschen täglich zur Arbeit. Das ergeben Zahlen der Agentur für Arbeit von Ende Juni. Von über 30.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist das immerhin fast jeder Dritte, der seinen Wohnort der Arbeit wegen verlässt.

Wenn es nach Landrat Matthias Jendricke (SPD) und der Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung (ThAFF) geht, soll sich das nun aber Stück für Stück ändern.

Zwar hat sich die Zahl der Auspendler in den vergangenen Jahren bereits verbessert – 2010 beispielsweise zog es noch 9799 Pendler für den Lohnerwerb aus dem Südharz –, doch mit einem Pendlertag am Samstag, dem 5. September, will das Landratsamt zwischen 10 und 14 Uhr um weitere Pendler und rückkehrbereite Fachkräfte buhlen, wie Jendricke am Mittwoch ankündigte. Informiert werden soll hier über Chancen des regionalen Arbeitsmarktes wie auch über Tipps zur Jobsuche und Hinweise zur Gestaltung einer ansprechenden Bewerbung.

Vielleicht bietet die Coronakrise eine Chance

Die Coronakrise, die dieser Tage für gehörige Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt sorgt, will Jendricke dabei auch als Chance verstanden wissen. „Seinen Job wechselt doch im Regelfall nur jemand, der sich nicht mehr hundertprozentig wohl fühlt.“ Die aktuelle Situation mit Kurzarbeit oder Heimarbeitsmodellen könne ein solches Umdenken auslösen, könne den Blick zurück auf die Heimat lenken, so der Kreischef, der zudem auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage hofft. Bereits jetzt ließen erste Daten einer IFO-Studie aus dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung wieder erste positive Zeichen aus Unternehmen erkennen.

Voriges Jahr sei die Veranstaltung ein Erfolg gewesen: 25 Interessierte mit konkretem Beratungsbedarf hätten Informationen eingeholt, erinnert sich Maximilian Schröter vom Regionalmanagement im Landratsamt. Dass die ThAFF und das Regionalmanagement so viel Mühe in eine vergleichsweise niedrige Zahl an Interessierten stecken, hat für Jendricke einen triftigen Grund: „Eine Fachkraft, die in jungen Jahren zur Ausbildung die Region verlassen hat, bringt heute vielleicht schon den Partner und Kinder mit zurück.“ Gehe dieses Konzept auf, so sei der Pendlertag „ein Baustein für eine positive demografische Entwicklung“.

Analoge und digitale Beratung

Bereits zum zweiten Mal organisiert das Regionalmanagement den Pendlertag gemeinsam mit der Agentur für Fachkräftegewinnung, doch zum ersten Mal geschieht dies unter Corona-Bedingungen. Der Veranstaltungsort ist daher in die Stadtbibliothek verlegt.

Zudem, so Schröter, handele es sich erstmals um einen „Hybrid aus analoger wie digitaler Beratung“. Neben dem persönlichen Gespräch könnten sich Interessierte daher auch via Videokonferenz, Telefon oder per E-Mail kompakt über ihre berufliche Zukunft im Südharz informieren, lädt Schröter.

Alle Informationen online unter: www.thaff-thueringen.de/pendlertage

Zahlen zur Pendlersituation:

123.954 Thüringer pendeln laut Zahlen der Arbeitsagentur zum Arbeiten in andere Länder.

Die meisten pendeln nach Bayern (34.074 Pendler), Hessen (20.971), Sachsen (21.802) und Niedersachsen (13.756).

Aus dem Landkreis Nordhausen pendeln derzeit 9412 Beschäftigte in andere Regionen.

Häufige Zielregionen sind Niedersachsen (1989) oder das Eichsfeld in Thüringen (1796).

Zugleich pendeln 6877 Beschäftigte aus anderen Gegenden in den Südharz.

Herkunftsregionen sind zum Beispiel der Kyffhäuserkreis (1599 Einpendler) oder der Landkreis Mansfeld-Südharz (1217).