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Gelbe Hyperriesen

Erfurt  Das Weltall steckt voller Überraschungen. Vieles, was Astronomen jahrhundertelang dachten zu wissen, kann heute dank moderner Teleskope und Satelliten als nicht mehr gültig zu den Akten gelegt werden. Diesmal: Gelbe Hyperriesen.

Eine Widefield-Aufnahme der Sternenkonstellation Kassiopeia, bekannt auch als das „Himmels-W“. In diesem Gebiet verläuft auch die Milchstraße, weshalb man hier viele Deep-Sky-Objekte, wie Sternenhaufen und -nebel sehen kann.

Eine Widefield-Aufnahme der Sternenkonstellation Kassiopeia, bekannt auch als das „Himmels-W“. In diesem Gebiet verläuft auch die Milchstraße, weshalb man hier viele Deep-Sky-Objekte, wie Sternenhaufen und -nebel sehen kann.

Foto: imago stock&people

Sie sind sehr selten anzufinden in den Weiten des Universums: Gelbe Hyperriesen. Das sind sehr massereiche Sterne, welche im Vergleich zu unserer Sonne mindestens 40 Mal so schwer sind. Das es nur so wenige Exemplare gibt, liegt an ihrer sehr kurzen Lebensdauer. Denn Sterne von solcher Größe und mit so einem Gewicht gehen sehr verschwenderisch mit ihren Ressourcen im Kern um. Innerhalb von nur wenigen Millionen Jahren haben sie ihren Brennstoff verbraucht und explodieren am Ende ihres Lebens als Supernova. Übrig bleibt dann davon entweder ein Neutronenstern, ein bis zu 20 Kilometer großes Objekt mit einem wahnwitzig schnellen Drehimpuls, oder ein Schwarzes Loch.

Am Nachthimmel kann man im Sternbild Kassiopeia, bekannt auch als das „Himmels-W“, einen solchen Gelben Hyperriesen sehen. Rho Cassiopeiae befindet sich gut 10.000 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt. Um sich seine Größe annähernd vorstellen zu können, kann man sich vor Augen halten, dass die lebensfreundliche Zone (Habitable Zone) eines Planeten rund 450 Astronomische Einheiten von Rho Cassiopeiae entfernt liegen müsste. Als Astronomische Einheit bezeichnet man den Abstand der Erde bis zur Sonne, was rund 150.670.700 Kilometern entspricht. Ein Gelber Hyperriese hat etwa 500.000 Mal mehr Leuchtkraft als unserer Sonne.

Im Jahr 2000 konnten Wissenschaftler verfolgen, wie Rho Cassiopeiaes Oberflächentemperatur innerhalb weniger Monate von 7000 auf 4000 Grad abkühlte. Da Gelbe Hyperriesen als sehr instabil gelten, gehen die Forscher davon aus, dass Rho hier einen Teil seiner Gashülle, mit etwa 10 Prozent der Masse unserer Sonne, abgestoßen hat. Da sich dieser Gelbe Hyperriese 10.000 Lichtjahre von uns entfernt befindet und sein Licht so lange braucht bis es bei uns ankommt, vermuten die Wissenschaftler aber eher, dass es Rho Cassiopeiae schon gar nicht mehr gibt. Wenn das Licht seiner Supernova die Erde erreicht, wird es so hell an dessen Stelle am Himmel leuchten, dass man es sogar am Tag sehen wird.

Weitere Folgen aus der Serie „Alles ist anders im Universum“

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