Bald Corona-Tests für Schulabgänger - GEW bezeichnet Präsenzunterricht als "großen Fehler"

Erfurt.  Die GEW Thüringen sieht den Präsenzunterricht für Abschlussklassen als "großen Fehler". Die Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum bezeichnete es als unvernünftig und gesundheitsgefährdend.

Die GEW forderte die Landesregierung auf, alle Möglichkeiten, Kontakte zu vermeiden, zu nutzen und die Gesundheit von Lehrern und Erziehern nicht länger aufs Spiel zu setzen.

Die GEW forderte die Landesregierung auf, alle Möglichkeiten, Kontakte zu vermeiden, zu nutzen und die Gesundheit von Lehrern und Erziehern nicht länger aufs Spiel zu setzen.

Foto: Bernd Wüstneck/dpa (Symbolfoto)

Schüler von Abschlussklassen sollen sich in Thüringen bald auf eine Corona-Infektion testen lassen können. "Wir sind zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung dabei, das Testsystem auszuweiten", sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums am Montag. Bisher gebe es die Testmöglichkeiten für Schüler noch nicht. Derzeit sei auch noch offen, wann hier mit genügend Kapazitäten zu rechnen sei. Nach Ministeriumsangaben sind etwa zehn Prozent der rund 247.000 Schülerinnen und Schüler in Thüringen Abschlusskandidaten - also etwa 25.000. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Die ungeklärten Schnelltests von Schülern und Lehrern stoßen jedoch auf Unverständnis. Sie sollten eigentlich vor der Rückkehr in die Schulen stattfinden, aber bislang gibt es dazu noch keine Vereinbarungen. Eine Frage, die auch vom Lehrerverband (tlv) dringend angemahnt wird. In einem offenen Brief an das Bildungsministerium kritisiert tlv-Chef Rolf Busch mit scharfen Worten die mangelhafte Kommunikation neuer Regelungen, was Schulen verunsichere und keine Vorbereitungszeit lasse.

In Thüringen bleiben die Schulen wegen der sich verschärfenden Corona-Pandemie weiter geschlossen. Laut Verordnung des Bildungsministeriums sollen allerdings ab dieser Woche Abschlussklassen in den Schulen auf die Prüfungen vorbereiten werden. Am Freitag herrschte allerdings in vielen Schulen noch Unklarheit über Details dieser Regelung, zum Beispiel in Gymnasien, wo Schüler über die Prüfungsfächer erst endgültig nach Erhalt der Halbjahreszeugnisse entscheiden. Das würde einen Präsenzunterricht erst ab 20. Januar bedeuten, interpretierte der Philologenverband. Es wäre zu begrüßen, wenn Schulen dabei einen Handlungsspielraum erhielten, heißt es bei der Bildunsgewerkschaft GEW. Jedoch hätten die Schulämter den Schulleitungen angewiesen, Präsenzpflicht ab Montag vorzuschreiben.

Eine Ausnahme im Lockdown

"Es geht nicht darum, den Unterricht voll durchzuziehen, sondern um eine Konzentration auf Prüfungsfächer", erläuterte der Sprecher. Es handele sich um eine Ausnahme im Lockdown. "Wir müssen diese Gratwanderung gehen, wenn wir den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben wollen, ihre Abschlüsse zu machen." Der Unterricht solle in kleinen Gruppen stattfinden, damit auch im Klassenraum der Mindestabstand von 1,5 Metern gewährleistet werden könne.

GEW: Kontaktvermeidung wird konterkariert

Im höchsten Grad unvernünftig und gesundheitsgefährdend für die Betroffenen, kommentiert die GEW die Präsenzpflicht. Eine Regelung, die Kontaktvermeidung konterkariert, kritisiert Thüringens GEW-Chefin Kathrin Vitzthum. "Es wäre sinnvoller gewesen, sich in den Abschlussklassen beim häuslichen Lernen auf die Prüfungsfächer zu konzentrieren." Mit der Verschiebung der Winterferien befürchtet die GEW eine Erhöhung des Drucks, ausstehende Klassenarbeiten zu schreiben. Da außerdem in den Klassenstufen 5 und 6 keine restriktiven Regelungen für die Notbetreuung vorgesehen sind, könne von geschlossenen Schulen faktisch keine Rede sein.

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