Intendantenmacht am Herd: "Küchenklatsch" mit Daniel Klajner und Guy Montavon gerät zur Theaterdebatte

Nordhausen.  Für Freitag hatte das Theater Nordhausen seine Gäste zum ersten Mal im neuen Jahr per Livestream zur beliebten Theaterkochshow "Küchenklatsch bei Klajner" eingeladen. Diesmal am Herd: Guy Montavon.

Unser Bildschirmfoto zeigt die Intendanten Guy Montavon (l.) und Daniel Klajner am 8. Januar 2020 in der Theater-
kochshow "Küchenklatsch bei Klajner" im Theater Nordhausen.

Unser Bildschirmfoto zeigt die Intendanten Guy Montavon (l.) und Daniel Klajner am 8. Januar 2020 in der Theater- kochshow "Küchenklatsch bei Klajner" im Theater Nordhausen.

Foto: Michael Helbing (Screenshot)

Er würde nie so entspannt über seine GMD- Geschichte reden, sagt Erfurts Intendant Guy Montavon, während er Spargel aus dem Topf schöpft, "wenn ich nicht gerade dabei am Kochen wäre." Im Moment aber scheinen seinen Nordhäuser Amtskollegen und Schweizer Landsmann Daniel Klajner jene Erfurter Vorgänge mehr umzutreiben als Montavon selbst. Er ist Gastgeber dieser regelmäßigen Theaterkochshow "Küchenklatsch bei Klajner", die man derzeit, aus bekannten Gründen, nur digital verfolgen kann.

"Du wurdest schon unglaublich angegangen", eröffnet Klajner jenen Teil des Gespräches, in dem es um die Stelle des Generalmusikdirektors geht, deren Besetzung vor dem Arbeitsgericht landete. Da mit dem Dirigenten Adrian Müller ausgerechnet ein Deutsch-Schweizer klagte (mehrfach erfolgreich), habe er sich "ein bisschen fremdgeschämt", meint Klajner, selbst Dirigent.

Erfurts Theater brach das Besetzungsverfahren ab, setzte ein neues in Gang. Mit einer einstweiligen Verfügung auch dagegen scheiterte Müller in erster Instanz. Dass man seitdem nichts mehr hört, findet Montavon "rätselhaft". Noch aber läuft die Berufungsfrist.

Derweil kommt der Küchenklatsch, für den Montavon ein Spargel-Risotto mit Kalbsmedaillons zubereitet, zum Garpunkt: "Als Dirigent, als freier Künstler", so Klajner, "ist man natürlich angewiesen auf einen sauberen Ruf; man hat keine Feinde, man ist gut vernetzt. Und jede schlechte Botschaft, die man kriegt - ob man gekündigt wird, ob man nicht engagiert wird - die muss man einfach sang- und klanglos einstecken. Sonst gilt man als Rebell oder so. Also von dem her kann ich die Position, dass er sich da zurückzieht, gut verstehen. Weil, er riskiert natürlich auch nachhaltig seine Karriere."

Montavon pfeffert die Spargelspitzen und gibt auch eine gepfefferte Antwort: "Wenn du mich fragst, ist es zu spät." Will heißen: Dieser Dirigent ist erledigt.

Das wirft grelles Licht auf Machtstrukturen im Theater, auf die Klajner noch zu sprechen kommt: Wer was werden will, sollte zumindest öffentlich gefälligst das Maul halten, sonst wird es ihm gestopft.

Klajner immerhin erkennt "ein Wahnsinnsdilemma" und, was Künstlerverträge betrifft, eine "unglaublich spitze Pyramide in der Hierarchie der Theater", in der man "extrem schnell einen Teil der Beschäftigten quasi jährlich kündigen kann. Und das ist schon etwas Furchtbares, oder, im Prinzip?"

"Ein bisschen entspannter" sieht das Montavon. "Theater braucht eine Hierarchie, definitiv!" Zwar sei Zuhören "das Geheimnis des Regierens." Aber letztlich müsse einer entscheiden. "Sonst sind Sie eine Flasche!" Klajner schätzt, von 1000 Entscheidungen in seinem Haus (welchen Leim die Requisite nimmt, welche Leuchtkörper die Beleuchtung, welche Tempi das Orchester) treffe er selbst vielleicht drei. Nun könnte man sagen, dass selbst Diktatoren derart delegierten. Klajner aber hat das Gefühl, "auch wenn man es nicht so hierarchisch denken würde, könnte es klappen".

Der Guy rührt im Risotto-Topf, der Daniel in Theater-Wunden, auch jenen abgewickelter Sparten. Montavon ist dafür, Erfurts Schauspiel wieder einzuführen (wenn er 2027 geht). Auf der anderen Seite habe in der Reduzierung ein Potenzial gesteckt, das Musiktheater zu profilieren.

Klajner findet diese Rede "ein bisschen fahrlässig". Das sei so, wie zu sagen: "Jemand nimmt mir meine Beine ab, damit ich mich besser darauf konzentrieren kann, mich mit der Hand hinter dem Ohr zu kratzen."

Einmal veranstaltet Klajner mit Montavon ein Persönlichkeitsquiz: Selbsteinschätzung auf einer Skala von eins bis zehn. Montavon ("Ich verstecke mich nicht. Ich bin so, wie ich bin.") gibt sich zehn Punkte für künstlerische Begabung, elf für soziale und zwölf für Führungskompetenz, hundert für Selbstvertrauen. "Ich glaube", sagt Klajner, "wir haben jetzt ein relativ komplettes Bild von dir."