Betreiber des Jenaer "Stilbruch" spricht über sein Leben im Lockdown: Optimismus ohne falsche Hoffnung

Jena.  Gastronom Heiko Krabbes berichtet über die persönliche Seite der Situation, die geschäftliche, und die des Personals.

Heiko Krabbes in seinem Restaurant Stilbruch in der Jenaer Wagnergasse.

Heiko Krabbes in seinem Restaurant Stilbruch in der Jenaer Wagnergasse.

Foto: Ulrike Kern

Ich bin ein lebensbejahender Mensch und habe durch Corona die Freude am Leben nicht verloren. Aber es gibt neben der persönlichen Situation noch zwei weitere Bereiche: den geschäftlichen und den wichtigsten, nämlich das Personal. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Am 2. November mussten wir coronabedingt das Restaurant "Stilbruch" schließen und ich meine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Bereits nach dem ersten Lockdown kam die Aufforderung der Berliner Politiker: "Bereitet euch auf die kalte Jahreszeit vor!" Das haben wir getan und zur Freiflächenbewirtschaftung 16 Trennelemente anfertigen lassen. Eine Investition von rund 9000 Euro, die nun nicht zu verwenden ist.

Ebenso habe ich alle sechs Außen-Heizstrahler wieder aufklemmen, eine Gasdruckprüfung sowie eine Prüfung vom Werkstechniker durchführen lassen. All das nützte nichts.

In den Innenräumen sämtliche Hygiene-Konzepte umgesetzt

Natürlich haben wir auch in unseren Innenräumen sämtliche Hygiene-Konzepte umgesetzt, zum Beispiel durch Raumteiler, und ohnehin eine Umluft-Anlage im Haus, die im Schnitt jede Stunde einen zehnfachen Luftwechsel schafft. Große Investitionen und Bemühungen also, die ich wie viele andere Gastronomen unternommen habe, um mein Geschäft am Laufen zu halten und unsere Gäste sowie das Personal zu schützen.

Entsprechend groß ist meine Enttäuschung über die Bundespolitiker. Deren Schwammigkeit und Unklarheit im Umgang mit der Pandemie ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich erwarte, wenn jemand einen verantwortungsvollen Posten hat, dass er sich auch so verhält und den Menschen lieber offen sagt, "ich weiß etwas nicht", als die Bürger hinzuhalten.

Glaube an die Redlichkeit der Führungskaste schwindet

Mein Glaube an die Redlichkeit der Führungskaste ist nur noch eingeschränkt vorhanden. Sogenannte "Soforthilfen" im Frühjahr oder die "Novemberhilfe" werden erst Monate später geleistet und noch dazu mit der Gießkanne verteilt. Das ist unüberlegt und auch eine große Mehrbelastung für Steuerberater und Finanzbeamte.

Der "Stilbruch" bietet seinen Gästen derzeit am Wochenende Frühstück, ein Mittagsgericht und generell einige Abendgerichte und Platten zum Abholen an. Aber ich muss klar sagen, dass ich kein To-Go-Gastronom sein möchte. Es widerspricht meiner Philosophie von Entschleunigung und Gastfreundschaft und somit unserem Markenzeichen. Ohnehin steht der aktuelle Verpackungswahnsinn im absoluten Gegensatz zur sonst großspurig propagierten Umweltpolitik unserer Regierung.

Aber meine Aufmerksamkeit gilt derzeit dem Personal. Gastronomie ist wie ein Theaterstück, ich bin nur der Bühnentechniker, aber die Service- und Küchenkräfte tragen das ganze Stück. Also ist es jetzt meine Aufgabe, mich um diese Menschen zu kümmern, ihnen kleine Freuden zu machen, mir Zeit für Gespräche zu nehmen und ihnen Optimismus zu vermitteln. Natürlich ohne falsche Hoffnungen zu wecken, denn ich glaube nicht, dass sich vor Frühjahr etwas für uns verbessert.

Notiert von Ulrike Kern

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