Volleyball: Schwarz-Weiß Erfurt sucht neuen Cheftrainer

Erfurt.  Dirk Sauermann verlässt die Erfurter nach einem halben Jahr wieder. Er kehrt nach Finnland zurück. Co-Trainer Hayden Nichol übernimmt in der Sonntagspartie gegen Straubing.

Trainer Dirk Sauermann verlässt Schwarz-Weiss Erfurt Archivfoto).

Trainer Dirk Sauermann verlässt Schwarz-Weiss Erfurt Archivfoto).

Foto: Sascha Fromm

Volleyball-Bundesligist Schwarz-Weiß Erfurt geht ohne Cheftrainer ins neue Jahr. Nach einer halben Saison macht Dirk Sauermann Schluss. Auf eigenen Wunsch verlässt der 46-Jährige den Erfurter Verein wieder und kehrt in seine finnische Wahlheimat Porvoo zurück.

Im letzten Spiel des Jahres wird Co. Hayden Nichol das Schwarz-Weiß-Team an diesem Sonntag gegen Straubing (18 Uhr) coachen, an die Seite stellt ihm der Verein Thomas Bauch von den L.E. Volleys Leipzig. Seine Frau Riikka Tiilikainen wird in der so wichtigen Partie für den Erstliga-Letzten gegen fünf Punkte besseren Neunten noch als Scout die Ballberührungen erfassen.

Sauermann zieht es vor, das Spiel am Livestream zu verfolgen. Der gebürtige Kieler verabschiedet sich mit dem 3:2-Sieg gegen Münster im Rücken, dem zweiten in den Saison zum Abschluss der Hinrunde, und mit gemischten Gefühlen. „Schade, dass ich Erfurt nicht so kennenlernen konnte, wie wir es wollten“, sagt Sauermann mit Blick auf eine vor allem coronageprägte Zeit. Eine sehr bewegte Schaffensperiode und eine extrem herausfordernde, die ihn trotz zahlreicher Niederlagen mit einem persönlich und sportlich guten Gefühl sowie einigen positiven Eindrücken gehen lässt. „Ich denke, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, für die Entwicklung der Mannschaft. Und für mich“, sagte er und sieht sich vor allem in dem Erfolg gegen Münster bestätigt.

Gerade mit den jungen Spielerinnen aus dem eigenen Land wie Passgeberin Meghan Barthel, Trumpf-Ass Rica Maase wie Abräu-merin Michelle Petter oder auch eine viel verteidigende Sabrina Krause war es gelungen, den als Vorletzter unter Wert stehenden USC Münster zu schlagen. Der Moment des erneuten Nachweises, nicht nur Nadelstiche durch Satzgewinne setzen zu können, hat Sauermann in sich gekehrt am Samstag genossen.

Umstimmen konnte der Sieg ihn nicht. Der Prozess zog sich über mehrere Wochen hin, erklärte er. „Für mich ist es wichtig, zu den Menschen durchzudringen, mit denen ich arbeite“, begründet er seinen Entschluss. „Das war in Teilen nicht gegeben. Ich hatte das Gefühl, dass nicht bei allen Spielerinnen meine Philosophie so angekommen ist, dass sie diese umsetzen können.“

Dirk Sauermann ist keiner, der öffentlich Kritik übte oder mit dem Finger auf andere zeigte. Zwischen den Zeilen klingt durch, dass er sich nicht in der Lage sah, eine verschworene Einheit zu bilden, wie er sie hätte aufbieten wollen. Die Isolation, die Einschränkungen, das für einige fehlende soziale Umfeld: Corona hat offenbar mehr voneinander getrennt als verbunden. In der Konsequenz schuf der Volleyball-Lehrer Fakten, in der Verantwortung, dass die zweite Saisonhälfte besser werden könne.

Die Klubführung hätte gern mit Sauermann weitergemacht. Schwarz-Weiß-Präsident Michael Panse räumte ein, dass er aus der Zufriedenheit heraus über die Arbeit gern Anfang Januar mit dem 46-Jährigen schon verlängert hätte. „Schade“, findet der Klubchef. Der Trainer sei an ihn bereits vor ein paar Wochen mit der Bitte herangetreten, den Vertrag zum Jahresende aufzulösen. Deswegen war der Schritt keine Überraschung mehr. „Er hatte aber das Gefühl, dass er die Mannschaft nicht mehr so erreicht, wie er es wollte. Jetzt müssen wir sehen, wie wir das Team wieder geführt bekommen“, sagt Panse.

Erste Gespräche hat es bereits gegeben. Mit zwei Kandidaten sei der Verein im Gespräch, erklärt der Präsident. „Wir sind zuversichtlich, Anfang des neuen Jahrs einen Trainer zu haben“, schickt er voraus. Zunächst aber übernimmt Hayden Nichol. Der aus Guelph stammende Kanadier ist im Sommer als Co-Trainer nach Erfurt gekommen. Mit dem Leipziger Nachwuchstrainer Thomas Bach konnte der Verein noch Unterstützung für den jungen Mann aus dem Südosten des Bundesstaates Ontario finden. Straubing wird zur Premiere für den 24-Jährigen, der zuvor an der Universität in seiner Heimatstadt Guelph das Frauen-Team als zweiter Mann unterstützt hat. Bis Sonntag gilt es, die Erfurter Mannschft vorzubereiten, um mit Straubing gegen einen Kontrahenten in Reichweite nach Möglichkeiten die nächsten Punkte zu erkämpfen.