Wintersport im Thüringer Wald: „Eine verzwickte Situation“

Oberhof/Erfurt.  Warum sich der Regionalverbund Thüringer Wald nicht über den Schnee freuen kann.

Zwar herrschen im derzeit ideale Bedingungen für den Wintersport, Menschenansammlungen sind in Pandemie-Zeiten aber unerwünscht.

Zwar herrschen im derzeit ideale Bedingungen für den Wintersport, Menschenansammlungen sind in Pandemie-Zeiten aber unerwünscht.

Foto: Kai Mudra

Muskelkater hat Stefan Ebert nicht, obwohl er diese Saison schon fast 100 Kilometer Ski gelaufen ist. "Anders als in den Vorjahren um diese Zeit sind die Bedingungen ja auch deutlich besser", so der Suhler, der im Regionalverbund Thüringer Wald für den Wintertourismus verantwortlich ist. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Der Thüringer Wald ist komplett weiß, teilweise liegen bis zu 40 Zentimeter Schnee, über 600 Kilometer sind gespurt. Ein Wintermärchen, das gute Geister weckt, aber in Pandemie-Zeiten auch für manch bösen Zauber sorgt.

Am letzten Wochenende gab es einen teilweise nicht mehr steuerbaren Touristen-Ansturm. Deshalb bittet Stefan Ebert den empfohlenen 15-km-Radius im Blick zu haben, die Corona-Maßnahmen zu beachten sowie die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. "Klar, haben wir Verständnis, dass es die Menschen gerade jetzt nach draußen in die Natur zieht. Unsere Aufgabe als Dachverband ist es ja normalerweise auch, die Region touristisch zu vermarkten. Doch das können wir angesichts der Pandemie nicht" so Ebert, der stattdessen die jetzige Arbeit als "sensible Besucherlenkung" beschreibt.

Bekannte Orte und Knotenpunkte am Rennsteig sollen gemieden werden

Oberste Priorität müsse für alle sein, die Infektion endlich in den Griff zu kriegen. Das bedeute auch, rücksichtsvoll zu agieren, bekannte Orte und Knotenpunkte am Rennsteig zu meiden. Die wurden am vergangenen Wochenende wie Oberhof, Schmiedefeld oder Masserberg regelrecht überlaufen, es gab viel Gedränge, überfüllte Parkplätze, versperrte Rettungswege.

Als Folge hat unter anderem Oberhof ankündigt, für die Zeit des Biathlon-Weltcups, den Ort bis 17. Januar mehr oder weniger abzusperren. Tagestouristen sollten ihn meiden, Falschparkern drohen Bußgelder und ein Abschleppen, die Polizei will Zufahrten kontrollieren.

Mehr Angebote für den Individualsport zur Verfügung stellen

Schon jetzt ist das Gebiet um das Skistadion abgeriegelt, zu den Wettkämpfen sind wegen Corona keine Zuschauer erlaubt. "Letztlich entscheiden die Landkreise und Kommunen wie sie mit der Situation umgehen", so Ebert. Wenn es personell, finanziell und organisatorisch möglich wäre, dann würde es der Regionalverbund begrüßen, wenn für den Individualsport in den nächsten Wochen mehr Angebote zur Verfügung stehen.

Er verweist als Beispiel auf den Kirchberg in Oberweißbach, wo mit hohem Aufwand ein zusätzlicher Rodelhang geschaffen und die Abläufe dort auch von freiwilligen Helfern begleitet werden. "Das entzerrt, es kommt nicht zu großen Menschenansammlungen." Ebert zeigt aber auch Verständnis für Vorgehensweisen anderer Gemeinden, die keine Loipen spuren wollen.

Skilifte vorerst bis 31. Januar geschlossen

"Es ist insgesamt eine verzwickte Situation", sagt Ebert, der mit seinem Team täglich Daten über den Thüringer Wintersport auf der Internetseite des Regionalverbunds und über die Schnee-App anbietet. Derzeit bangt er vor allem auch mit den Betreibern von Skiliften. Sie sind vorerst bis 31. Januar geschlossen.

Für die alpinen Skifahrer gibt es im Freistaat 18 Gebiete mit 22 Liften. Die größten Anlagen existieren in Heubach, Schmiedefeld, Steinach und Oberhof. Niemand könne mit Blick auf das Infektionsgeschehen eine genaue Aussage treffen, ob und wann die Lifte aufmachen können. Thüringen verhandelt mit dem Bund über Corona-Hilfen für Skiliftbetreiber. Die Unterstützung sei wichtig, sagt Ebert, "denn die Lage ist existenzbedrohend", und eine Rettung der Saison eher unwahrscheinlich.

Skilanglauf kann dagegen als Individualsport in Thüringen betrieben werden. "bei Einhaltung der Regeln", so Stefan Ebert.

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