Zeulenrodaer Siebenkämpferin Serina Riedel darf mit Bundeskaderbonus trainieren

Zeulenroda.  Mehrkämpferin Serina Riedel vom TSV Zeulenroda darf im Lockdown trainieren.

Siebenkämpferin Serina Riedel vom TSV Zeulenroda ist U18-Meisterin. Als Bundeskader darf sie auch in Corona-Zeiten trainieren.

Siebenkämpferin Serina Riedel vom TSV Zeulenroda ist U18-Meisterin. Als Bundeskader darf sie auch in Corona-Zeiten trainieren.

Foto: Ulrike Kern

Trainer Tom Mäusebach (27) baut an diesem Nachmittag in der von außen unscheinbaren Zeulenrodaer Sporthalle Hürden und Startblöcke auf. Zwei Stunden wird er heute mit Serina Riedel intensiv trainieren: Immer wieder Sprints, Sprünge, Schnelligkeit, Allgemeinkraft. Fünf- bis siebenmal in der Woche sind die Nachmittage nach dem Home Schooling damit ausgefüllt.

Dass die beiden sich überhaupt treffen und die große Halle nutzen können, ist der Tatsache geschuldet, dass die 17-jährige Serina die derzeit beste deutsche U18-Athletin im Siebenkampf ist und damit als eine von fünf in ihrer Altersklasse zum Bundeskader (NK1) gehört. Die Krone hat sich die unglaublich sympathische und unkomplizierte junge Frau im vergangenen August selbst aufgesetzt, als sie bei den Mehrkampf-Meisterschaften in Vaterstetten nicht nur ihren Siebenkampf-Titel vom Vorjahr verteidigte, sondern mit ihren 5818 Punkten auch die 21 Jahre alte deutsche Rekordmarke um 23 Punkte klar überbot.

Doch auf dem Erfolg ausruhen, das gilt auch in Corona-Zeit nicht. Zumal sie jetzt in die U20 aufgestiegen ist, Speer und die Kugel nun schwerer, die Hürden höher und die Distanzen länger sind. "Ich glaube, das liegt mir."

Und auch die nächsten Termine stehen schon an, wenn auch in Pandemiezeiten keiner weiß, ob und wie alles stattfinden wird. Auf ihre Motivation hat das allerdings keinen Einfluss, schließlich trainiert Serina, seit sie sechs Jahre alt ist, beim TSV Zeulenroda. Eisern, mit großem Erfolg und Elan. Sie kennt und will es nicht anders. Sechs Jahre lang hatte sie Trainer Peter Fleißner an ihrer Seite. Mit dessen Ruhestand übernahm im September vergangenen Jahres Tom Mäusebach die gesamte Trainingsgruppe in Zeulenroda und damit auch Serina.

Training, als fände alles statt

Der neue Trainier ist hauptberuflich Lehrer am Berufsbildungszentrum Zeulenroda-Greiz, wo die junge Sportlerin in anderthalb Jahren ihr Abitur ablegen wird. Was nach der Schule kommt, weiß sie noch nicht, deshalb konzentriert sie sich erstmal auf das Naheliegende: Zwar wurde gerade die im Januar geplante Mitteldeutsche Hallenmeisterschaft im Mehrkampf abgesagt. "Dennoch trainieren wir erst einmal so weiter, als fände alles Weitere statt", erklärt Trainer Tom Mäusebach. Im März ist ein Trainingslager mit den Kaderathleten geplant, im Juni steht in Bernhausen die EM-Qualifikation für Tallinn statt. Ihre erste in der U20. Eine große Chance, die ihr hoffentlich nicht durch die Pandemie genommen wird. Mitte August folgt in Nairobi die Weltmeisterschaft.

Jeden Sonntag schickt Tom Mäusebach seinem derzeit einzigen Schützling den individuellen Trainingsplan für die kommende Woche. Mal trifft man sich in der Halle, bei schönerem Wetter auch wieder im Waldstadion. Den Speer hat sie auch schon im heimischen Garten in Naitschau fliegen lassen oder ist - vor Corona - zum Stützpunkttraining nach Jena gefahren, um bei Harro Schwuchow, dem Trainer von Speer-Olympiasieger Thomas Röhler, die Technik zu verbessern.

Was möglich und erlaubt ist, wird gemacht. So ist es halt derzeit Einzelbetreuung durch den Trainer. Das schließt auch mentales Training ein, die Ruhe zu bewahren, ohne Druck in einen Wettkampf zu gehen. "Aber Serina ist eine coole Socke mit großem Kampfgeist und zum Glück gesundheitlich sehr stabil", lobt der Trainer die Rekordhalterin aus Ostthüringen und hofft mit ihr, dass sie in dieser Saison ihr Potenzial vielleicht sogar schon international zeigen kann.