Bauhaus-Museum Weimar zeigt Möbel aus Villa Tugendhat

Weimar.  Das Bauhaus-Museum in Weimar zeigt auch Möbel von Ludwig Mies van der Rohe aus der Villa Tugendhat. Wir sprachen mit Nachfahren von deren Besitzern.

Die Kunsthistorikerin Daniela Hammer-Tugendhat und ihr Ehemann, der Architektur-Restaurator Ivo Hammer, im Hotel am Frauenplan beim Gespräch über die von Mies van der Rohe erbaute Villa Tugendhat und ihre Geschichte in Brünn (Brno). Das Haus steht auf der Welterbeliste der Unesco und ist eines der bedeutendsten Wohngebäude der Moderne.

Die Kunsthistorikerin Daniela Hammer-Tugendhat und ihr Ehemann, der Architektur-Restaurator Ivo Hammer, im Hotel am Frauenplan beim Gespräch über die von Mies van der Rohe erbaute Villa Tugendhat und ihre Geschichte in Brünn (Brno). Das Haus steht auf der Welterbeliste der Unesco und ist eines der bedeutendsten Wohngebäude der Moderne.

Foto: Hanno Müller

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Zu den schönsten Ausstellungsstücken im neuen Bauhausmuseum zu Weimar gehören Wohnmöbel, die der einstige Bauhaus-Direktor und Architekt Mies van der Rohe Ende der 1920er-Jahre entwarf. Auftraggeber der Stücke, darunter ein Bridge-Tisch aus kostbarem, gemaserten Ebenholz und ein Schreibtisch, war das Ehepaar Grete und Fritz Tugendhat, das sich 1929 im damaligen Brünn (heute Brno) von Van der Rohe eine Villa samt Inneneinrichtung bauen ließ. Der harmonisch in einen Hang über der Stadt eingefügte Bau mit Flachdach und weißer Fassade gilt heute als eines der bedeutendsten Wohngebäude der Moderne und Ikone des neuen Bauens. Eine neuartige dreigeschossige Stahlkonstruktion ermöglicht eine bis dahin nicht dagewesene Offenheit, durch die große Räume frei ineinander fließen. Breite, wandhohe Glaselemente, die zur Terrasse hin komplett versenkt werden können, lassen Innen- und Außenwelt miteinander verschmelzen.

Über Hintergründe und Details zur bewegten Geschichte des Hauses und seiner Bewohner berichten derzeit in Weimar die jüngste Tochter der Unternehmerfamilie, Daniela Hammer-Tugendhat, und ihr Mann Ivo Hammer.

Nach einem Vortrag am Mittwoch im Bauhaus-Museum präsentierten beide am Donnerstag im Weimarer Lichthaus einen zweistündigen Dokumentarfilm, der nicht nur den beeindruckenden Bau ausführlich würdigt, sondern auch von der Flucht der Tugendhats vor den Nationalsozialisten nach Venezuela (wo die zwei jüngsten der fünf Kinder, darunter auch Tochter Daniela in den 1940ern zur Welt kommen) sowie der späteren Rückkehr in die Schweiz berichtet.

Wir treffen die Kunsthistorikerin und den Architekten und Restaurator im Weimarer Hotel am Frauenplan. Ihre Eltern hätten sich damals bedingungslos mit dem Haus und seiner Einrichtung identifiziert, erzählt die Tochter. Unbeeindruckt von öffentlichen Diskussionen, ob man in Van der Rohes „Haus Tugendhat“ überhaupt wohnen könne, habe der Vater und Textilfabrikant Fritz Tugendhat das neue Domizil mit den Worten „Das ist Schönheit, das ist Wahrheit“ beschrieben.

„Wir liebten das Haus vom ersten Augenblick an.“

Mutter Grete schwärmte: „Wir liebten das Haus vom ersten Augenblick an.“ Anders als häufig dargestellt, datierten die Entwürfe für Haus Tugendhat vor denen des nicht minder berühmten Barcelona-Pavillons Van der Rohes und hätten diesen dadurch durchaus mit beeinflusst, betont die Tochter.

Viel Zeit, das ebenso elegante wie exklusive – und entsprechend teure – Heim zu genießen, sei dem jüdischen Paar damals nicht geblieben. 1938 flohen sie vor dem Antisemitismus der Nationalsozialisten nach Venezuela. Da sie rechtzeitig genug emigrierten, konnten sie etwas vom Liebgewonnenen mitnehmen. Das waren etwa die Einrichtung des Schlafzimmers der Mutter, der sogenannte „Brno-Stuhl“ aus verchromtem Flachstahl mit roter Lederpolsterung und der Barcelona-Hocker, aus dem väterlichen Schlafzimmer der erwähnte Schreibtisch und der Bridge-Tisch aus der Bibliothek. Neben dem Bauhaus-Museum in Weimar zeigt heute auch das Moma in New York Teile davon.

Kämpfe um Erhaltung der Villa

Das Haus selbst erlebt nach der Flucht eine teils leidvolle Geschichte, die sich bis weit in die Nachwendezeit hineinzieht. Zunächst von der Gestapo beschlagnahmt, ging es nach dem Krieg in den Besitz des tschechoslowakischen Staates über. Genutzt wurde es unter anderem als Tanzschule, dann ab 1950 als Teil eines Kinderspitals. Letzteres bezeichnet Ivo Hammer rückblickend als glücklichen Umstand, da es immerhin äußerst substanzschonend gewesen sei.

Restitutionsansprüche stellte die Familie weder zu Zeiten der kommunistischen CSSR – da als aussichtslos angesehen – noch nach der Wende. Erst als das inzwischen an die Stadt Brno übergegangene Haus in den 1990er-Jahren zunehmend verfiel, begannen die Kämpfe um seine Erhaltung. Die Auseinandersetzungen hätten sie viel Energie und Kraft gekostet – immerhin mit einem letztlich versöhnlichen Ende. 2001 wurde Haus Tugendhat zum Welterbe der Unesco erklärt, seit 2012 ist es – auch infolge der eingehenden restauratorischen Begutachtung durch ein internationales Expertenteam unter Leitung von Ivo Hammer – endlich und umfänglich restauriert.

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