Weihnachtsstück

Frau Holles Bühnenzauber

Rudolstadt.  Premiere für Rudolstädter Weihnachtsmärchen. Die Inszenierung wird insgesamt über 50 Mal gezeigt, so auch in Nordhausen, Sondershausen und Saalfeld

Goldmarie (Hannah Ostermeier, Mitte) mit Frau Holle (Heike Meyer) und deren Hahn (Martin Vogel).

Goldmarie (Hannah Ostermeier, Mitte) mit Frau Holle (Heike Meyer) und deren Hahn (Martin Vogel).

Foto: ANKE NEUGEBAUER

Am Ende schließen sich Goldmarie, Pechmarie und die Mutter in die Arme und liefern sich eine Kissenschlacht in Slow Motion. Das Theater Rudolstadt hat sich in diesem Jahr den Grimmschen Klassiker „Frau Holle“ als Weihnachtsmärchen ausgewählt. Doch die Geschichte von der fleißigen und der faulen Marie wird hier etwas modifiziert erzählt, wie die Premiere am Samstag zeigte.

Die Mädchen sind ganz normale Schwestern, die sich lieben und ärgern, wie es Geschwister tun. Die eine ist ziemlich zickig (Lisa Störr). Dafür versteht es die andere (Hannah Ostermeier), ihre Schwester gehörig zu foppen. Als aber der Sack mit den Federn im Brunnen landet und die Mutter (Heike Meyer) Goldmarie zu Unrecht beschuldigt, lässt sich das Kind in den Brunnen gleiten und landet im Reich von Frau Holle.

Farbenfrohe Parallelwelt jenseits des Brunnens

Dort sieht alles ähnlich aus wie zu Hause – nur farbenfroher. Die Wiese ist saftiger, das Haus frisch gestrichen, und der Baum trägt jetzt Äpfel. Sogar der Hofhahn (Martin Vogel) ist hier vornehmer. Marie geht, nachdem sie das sprechende Baguette aus dem Backofen gerettet und den Apfelbaum geleert hat, bei Frau Holle in die Wetterlehre. Doch eines Tages erkennt sie, dass sie ihre Familie vermisst. Als Dank für ihre Arbeit erhält sie ein güldenes Kleid samt Schuhe.

Vom Neid gepackt, springt auch Pechmarie in den Brunnen. Allerdings ist sie bei der Verrichtung der anfallenden Arbeit weitaus ungeduldiger, denkt nur an den Goldlohn. Das Brot wird zu früh aus dem Ofen geholt, vom Baum die grünen Äpfel geschüttelt... Und so kommt es, wie es kommen muss: Es ergießt sich Pech über das Mädchen.

Martin Baltscheit hat eine lebensnahe Theaterfassung des Grimm-Märchens geschrieben und sie mit viel Wortwitz gespickt. Regisseurin Kristine Stahl lässt ihre vier tollen Schauspieler expressiv-komödiantisch agieren, und schon entsteht ein feiner Bühnenzauber, der nicht nur Gäste ab fünf Jahren einnimmt. Großen Anteil an der märchenhaften Stimmung hat Gretl Kautzsch, die das bilderbuchschöne Bühnenbild, die Kostüme und Puppen kreierte. Besonders bezaubernd: das sprechende Baguette, mit dem Martin Vogel eine kleine Figurentheaterszene hinlegt. Und auch die Parallelmontage, in der Goldmarie von Frau Holle das Wettermachen lernt und es gleich an der Schwester auf Erden via Schattenprojektion austestet, ist entzückend.

Bis 26. Dezember wird das Stück in Nordhausen, Sondershausen, Saalfeld und Rudolstadt über 50 Mal aufgeführt.

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