Bleicherode hat einen „Walk of Fame“: Rauschendes Filmfest bei Weltpremiere

Bleicherode.  Marion Mitterhammers und Hans-Günther Bückings beinahe nur mit Laien gedrehter Film wurde am Dienstag uraufgeführt und gebührend gefeiert.

Hans-Günther Bücking und Schauspielerin Marion Mitterhammer haben beinahe nur mit Laiendarstellern aus dem Südharz einen abendfüllenden Kinofilm gedreht. Am Dienstagabend feierte „Lotti oder Bleicherode, der etwas andere Heimatfilm“ in der Kalistadt nun lang ersehnte Weltpremiere.

Hans-Günther Bücking und Schauspielerin Marion Mitterhammer haben beinahe nur mit Laiendarstellern aus dem Südharz einen abendfüllenden Kinofilm gedreht. Am Dienstagabend feierte „Lotti oder Bleicherode, der etwas andere Heimatfilm“ in der Kalistadt nun lang ersehnte Weltpremiere.

Foto: Peter Cott

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Als vor genau einem Jahr die Klappe für ein außergewöhnliches Kinoprojekt auf dem jüdischen Friedhof in Bleicherode fiel, ahnte niemand, was entstehen würde. Am Dienstag durften dann rund 200 Besucher im Filmpalast das Ergebnis hautnah erleben. Die Welturaufführung des einmaligen Werkes „Lotti oder Bleicherode, der etwas andere Heimatfilm“, vereinte noch einmal das gesamte Team vor der Leinwand. Dem Moment hatte wohl die ganze Kalistadt entgegengefiebert.

Und sie wurde nicht enttäuscht. Schon eine Stunde vor der Vorführung füllte sich das Kino, dessen Fläche durch Zelte verdreifacht wurde. Glanz und Glamour lagen in der Luft. Bürgermeister Frank Rostek (CDU) konnte unter anderem Birgit Keller (Linke) begrüßen. „Bleicherode ist eine tolle Gemeinde. Die Menschen stehen zusammen für ihre Region“, so die Landtagspräsidentin. Nach der Begrüßung hatte die Politikerin die Ehre, den Startschuss zu geben. Die Leuchtreklame an der Fassade wurde angeschaltet und goldener Konfettiregen stimmte auf das Geschehen ein.

Begrüßung der Hauptdarstellermit stehenden Ovationen

Kurz vor der Vorführung trafen mit Hauptdarstellerin Marion Mitterhammer, Kabarettist Bruno Jonas und Thomas Rohmer, Theaterchef und Schauspieler aus dem fränkischen Fürth, auch die einzigen Profis vor der Kamera ein. Begrüßt wurden sie mit stehenden Ovationen. Star-Regisseur und Kameramann Hans-Günther Bücking, der gebürtige Bleicheröder, war nicht zu sehen. Er wollte erst den Film sprechen lassen, ehe er sich selbst äußerte. Auch Mitterhammer hielt sich kurz. „Wenn man so ein Projekt mit Laien macht, muss man verrückt sein. Und Hans ist so verrückt“, sagte die international bekannte Mimin zu Film und Ehemann.

„Ich hätte es nie für möglich gehalten, was wir hier erleben. Seit 114 Jahren haben wir ein Kino, zum richtigen Filmpalast wird es erst heute“, betonte ein allen dankbarer Rostek. Besonders die Leistung von Alf Schneider würdigte er. Der „Adoptivsohn von Hans-Günther“, wie Rostek den Kinochef nannte, war nicht nur als Kameramann am Dreh beteiligt, sondern arbeitete bis kurz vor der Premiere an der Nachbearbeitung. Auch Keller ergriff noch einmal das Wort. „Die Welt schaut nach Thüringen und das bezieht sich ausnahmsweise mal nicht auf die Wahl.“

Und dann erlosch das Licht und schlagartig herrschte Stille: „Lotti oder Bleicherode, der etwas andere Heimatfilm“ erlebte seine Welturaufführung, die von Lachern und Szenenapplaus begleitet wurde. An dieser Stelle soll noch nicht viel über den Film verraten werden. Aber niemand sollte sich die Chance entgehen lassen, ihn anzusehen. Bis zum 11. März besteht im Kino dazu zweimal am Tag Möglichkeit. Die Zuschauer erwartet ein gleichermaßen herzlicher und berührender aber auch derber Neunzigminüter voller Humor und Musik der hiesigen Band Emma. Nur prüde sollte man nicht sein.

Tosender Applaus begleitete den Abspann und rief noch einmal das gesamte Team auf die Bühne. Bei diesem Moment war dann auch Bücking dabei. „Dieses Projekt zu vollenden war mühsam, aber es hat Spaß gemacht. Erst am Montag um 14 Uhr sind wir mit allem fertig geworden. Ohne Matthias Müller von den Sunrock-Studios in Brehme hätten wir es nicht geschafft“, würdigte er die Arbeit des Emma-Musikers und Studio-Chefs.

Neben einem riesigen Blumenstrauß, den Mitterhammer stellvertretend für alle Mitwirkenden vom Bürgermeister überreicht bekam, durfte sich auch Bücking über ein Geschenk freuen: einen Hocker, der ihn bei den Dreharbeiten begleitete. Die größte Überraschung erwartete das Künstlerpaar aber vor dem Kino. Zwei Sterne mit ihren Namen sowie eine Filmklappe bilden, in den Boden eingelassen, nun den Bleicheröder Walk of Fame.

Während der Premierenfeier hörte man nur Lobendes: „Im Film erlebt man die ganze Emotionspalette, von lustig über berührend hin zu traurig und nachdenklich. Es ist fantastisch, was in den Menschen steckt“, erzählte Christiane Burghardt. Und auch ihr Mann Hans-Peter, im Film in einer Rolle als Optiker zu sehen und beim Dreh mit für den Ton zuständig, zeigte sich erstaunt. „Ich war jeden Tag dabei, aber manches von der Handlung habe ich heute Abend erst erfahren. Bücking hat keine Bilder, sondern ein Gemälde erschaffen.“

Ähnlich äußerte sich Klaus Klaschewski. „Ich bin so was von begeistert. Ich hätte nicht erwartet, was für ein tolles Ergebnis herausgekommen ist“, berichtete das Karneval-Urgestein.

Theaterschauspieler Thomas Rohmer, der es sich sein Kommen trotz bevorstehender Premiere in Fürth nicht nehmen ließ, war beinahe sprachlos. „Ich bin stolz, in so einer Reihe von Menschen zu stehen, die sich so angestrengt haben. Der Film zeigt, was aus Liebe zum Beruf und Hobby Wunderbares entstehen kann“.

Und vielen Besuchern wird es wie Marion Mitterhammer gehen. „Ich werde erst später richtig begreifen, was hier geschehen ist.“

Weitere Bilder: ta-nordhausen.de

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