Wenn der Rollstuhl zum Regiestuhl wird – Filmprojekt „Genjitsu“ sucht Unterstützer

Gera  Ein junger Geraer startet mit zwei Freunden ein eigenes Kurzfilmprojekt. Dafür braucht es aber noch finanzielle Unterstützung.

Simon Hüttner (rechts) realisiert mit Schauspieler Lennart König sein eigenes Filmprojekt. Gedreht wird in Gera und Erfurt.

Simon Hüttner (rechts) realisiert mit Schauspieler Lennart König sein eigenes Filmprojekt. Gedreht wird in Gera und Erfurt.

Foto: Henryk Balkow/ Moritz Geßner

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Simon Hüttner (20) aus Gera ist krank. Seit seiner Geburt leidet er fortschreitend an Muskeldystrophie Duchenne, seit seinem zwölften Lebensjahr sitzt er im Rollstuhl. „Wenn andere Jungs draußen Fußball gespielt haben, konnte ich nicht mitmachen und habe deshalb recht früh begonnen, Videospiele zu spielen. Dort konnte ich alles machen, was mir im richtigen Leben verwehrt bleibt, wie klettern, Auto fahren“, erzählt der sympathische junge Mann offen. Mittlerweile ist das weniger geworden. Es fehlt die Zeit, denn Simon Hüttner absolviert über eine Online-Plattform – ähnlich wie in einer Skype-Konferenz – eine Büroausbildung mit festem Stundenplan und Arbeitsaufträgen. Ein Jahr hat er noch vor sich.

Sein Leben und das seiner Eltern ist von Simons Krankheit dominiert. Doch hin und wieder fährt die Familie ins Kinder- und Jugendhospiz nach Tambach-Dietharz, wo sie Gleichgesinnte treffen, Betreuung finden. In jenem Kinderhospiz war es auch, als Simon vor drei Jahren auf das medienpädagogische Projekt „Die Zeit ist eine Brücke“ vom Verein Junge Medien Thüringen aufmerksam wurde.

In dieser Reihe haben gesunde Jugendliche mit jeweils einem unheilbar Erkrankten aus dem Hospiz Medienprojekte gestartet. Dabei entstanden und entstehen Songs, Musikvideos, Kurzfilme, Trickfilme, ein Hörbuch – vor allem aber auch wundervolle Freundschaften.

Simon Hüttner, der Videospiel-Fan, war sofort begeistert. Und so trafen die drei aufeinander: Simon, damals 16 Jahre alt, todkrank und im Rollstuhl sitzend, der selbstbewusste 18-jährige Lennart König, seit seinem Schauspieldebüt 2010 bei der Kika-Serie „Schloss Einstein“ bekannt, und Moritz Geßner hinter der Kamera, der schon zahlreiche Filmprojekte erfolgreich umgesetzt hatte.

Heute sind die drei Freunde geworden. Drei Jahre haben sie am Drehbuch geschrieben, all ihre Erfahrungen eingebracht. Insofern ist der Film mit dem Titel „Genjitsu“ (japanisch für Wirklichkeit) nicht nur einer über die Hauptfigur Tobias (gespielt von Lennart König), sondern auch einer über die drei Akteure. Moritz Geßner hat den Entstehungsprozess des Films und ihre gemeinsame Zeit auch dokumentarisch begleitet – zu sehen auf dokupark.de.

In „Genjitsu“ wird die Geschichte des 17-jährigen Tobias erzählt, der sich durch den Streit seiner Eltern in eine eigene Welt zurückzieht – die Welt der Videospiele. Der Kontakt zur Außenwelt bricht immer mehr ab, die Noten werden schlechter, Freunde wenden sich ab, die Einsamkeit nimmt zu. Doch in Tobias’ virtuellen Welt scheint kein Platz für reale Probleme. Bis ein Unfall ihn über das Leben und seine Chancen nachdenken lässt.

Am Sonnabend beginnt der Dreh in Erfurt, Sonntag in Gera, kommende Woche geht es weiter, ein straffes Programm. Zusätzlich zu den Drehs sollen Videospiele als Teil von Tobias’ Leben visualisiert werden, so dass der Zuschauer das Gefühl dafür bekommt, wie beide Welten verschmelzen. Auch Anime-Szenen werden einfließen. Ende des Jahres soll „Genjitsu“ fertig sein, so der Plan der drei, die von Medienpädagoge Henryk Balkow und dessen Produktionsfirma Feuerköpfe unterstützt werden. Dann soll der Film seine Premiere in Thüringen feiern und später auf Filmfestvals und in Schulen gezeigt werden.

Unterstützung

Finanziert wird das nichtkommerzielle Filmprojekt über Crowdfunding. Alle Beteiligten freuen sich über jegliche Unterstützung. Infos dazu unter www.startnext.com/kurzfilm-genjitsu

Spenden für den Verein Junge Medien Thüringen für weitere Medienprojekte sind über moritz@junge-medien-th.de möglich.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren