Neunhofener Autorin widmet sich Analphabetismus

Die Neunhofener Kinder- und Jugendbuch-Autorin Verena Zeltner widmet sich im neuesten Buch "Ein Indianer weint doch nicht!" dem Thema Analphabetismus unter Erwachsenen. Vor Jahren las sie in der OTZ, dass es in Deutschland 4,2 Millionen Menschen gibt, die nicht lesen und nicht schreiben können.

Die Neunhofner Schriftstellerin Verena Zeltner hat ihr neues Kinderbuch "Ein Indianer weint doch nicht!" veröffentlicht.
Foto: Peter Cissek

Die Neunhofner Schriftstellerin Verena Zeltner hat ihr neues Kinderbuch "Ein Indianer weint doch nicht!" veröffentlicht. Foto: Peter Cissek

Foto: zgt

Neunhofen. "Ich wollte das kaum glauben." Das Thema ließ die Schriftstellerin nicht mehr los, sie begann zuerst im Internet zu recherchieren.

"Es ist mein allerliebstes Buch. An dieser Geschichte, in die ich viel Arbeit investiert habe, hängt mein ganzes Herz", erklärt die Autorin. Die Geschichte erzählt von einer alleinerziehenden Mutter, die mit ihrem Sohn Moritz zur Oma an die Ostsee zieht und dort als Zimmermädchen in einem Hotel arbeitet. Von seinem Großvater erhält der Junge alle Karl-May-Bücher geschenkt. Folglich träumt er mit seinem besten Freund und Blutsbruder Kalle davon, eines Tages nach Amerika zu reisen, dorthin, wo die richtigen Indianer leben. Bis es soweit ist, üben sie sich schon mal im Indianersein mit Bogenschießen und Friedenspfeife rauchen. Als Moritz für seinen Schulaufsatz zum Thema "Mein schönstes Ferienerlebnis" die Schulnote 1 erhält und die arrogante Tochter des Hotelchefs wieder nur eine 4, da platzt es aus ihr heraus: "Sie ist eine Analphabetin", erklärt das Mädchen, warum der Vater Moritz’ Mutter entlassen habe. Für den Jungen bricht eine Welt zusammen, er begibt sich auf die Flucht zu den Indianern in den USA.

Über sieben Millionen funktionelle Analphabeten

Nun müssen Eltern, die ihren Kindern das neueste Zeltner-Buch schenken, keineswegs befürchten, dass diese nach der Lektüre ebenfalls weglaufen. Denn die Neunhofner Autorin lässt Moritz auf seiner Flucht draußen im Wald übernachten, frieren und unter Hunger leiden. Trotz weiterer Vertrauensbrüche: Die Geschichte nimmt ein glückliches Ende.

Das Cover ihres Buches, das der Turmhut-Verlag aus dem oberfränkischen Stockheim herausgibt, gestaltete die in Kopenhagen lebende und aus Thüringen stammende Grafikerin Marlene Hofmann. "Es ist nicht so einfach, einen Verlag zu finden", erklärte die seit 2006 als freie Autorin tätige Neunhofnerin, weshalb ihre vor drei Jahren verfasste Geschichte erst jetzt als Buch erscheint. Geschrieben hat Verena Zeltner das Manuskript zu "Ein Indianer weint doch nicht!" während eines dreimonatigen Arbeitsstipendiums im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf. Den Aufenthalt förderte die Kulturstiftung Thüringen. Im ehemaligen Wohnsitz von Ludwig Achim und Bettina von Arnim, 80 Kilometer südlich von Berlin, traf Verena Zeltner nicht nur auf andere Kunstschaffende, sondern auch auf Alexandra Schewski vom Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung. Die Fachfrau in Sachen Alphabetisierung hat das Manuskript gelesen und stand der Autorin mit Ratschlägen zur Seite.

"Inzwischen spricht man von über sieben Millionen funktionellen Analphabeten in Deutschland, obwohl es seit Ende 2011 eine nationale Strategie zur Verringerung der Zahl der Analphabeten gibt. Obwohl Organisationen und Einrichtungen Hilfe anbieten, sind die Teilnehmerzahlen an Lese- und Schreibkursen niedrig", erfuhr Verena Zeltner. Bei ihren Recherchen lernte sie Menschen kennen, die erst als Erwachsene Lesen und Schreiben gelernt haben. Sie stellte fest, dass Analphabeten klug und clever sein müssen, um ihre Schwäche im Alltag zu vertuschen. "Ich möchte Kinder mit diesem Problem vertraut machen und ihnen gleichzeitig zeigen, wie wichtig es ist, Lesen und Schreiben zu lernen", erklärte die 61-jährige Autorin, die als Kind gerne Indianer geworden wäre.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.