Marushas Geburt in Apolda und das Rätsel um die Treuhand

Apolda.  Theaterkollektiv PKRK nun in Apolda. Vorbereitung für begehbare Installation mit Projektergebnissen von „Treuhandtechno“.

Werner Türk (Raumgestalter/Schauspieler), Anna Stiede (Öffentlichkeitsarbeit/Tänzerin), Susann Neuenfeldt (Regie/Künstlerische Leitung) und Maike Möller-Engemann (Choreographie/Tänzerin) besprechen den Aufbau der begehbaren Installation und deren Elemente.

Werner Türk (Raumgestalter/Schauspieler), Anna Stiede (Öffentlichkeitsarbeit/Tänzerin), Susann Neuenfeldt (Regie/Künstlerische Leitung) und Maike Möller-Engemann (Choreographie/Tänzerin) besprechen den Aufbau der begehbaren Installation und deren Elemente.

Foto: Martin Kappel

Immer tiefer haben sich die Mitglieder des Theaterkollektivs PKRK in die Geschichte Apoldas kurz nach dem Fall der Mauer hineinbegeben. Besonders die sieben Monate von Betriebsabwicklungen bis zum 30. Juni 1990 spielen für das Projekt „Treuhandtechno“ eine besondere Rolle (diese Zeitung berichtete), wozu wiederholt Zeitzeugen sowohl aus der zusammenbrechenden Textilbranche als auch aus der aufkeimenden Technoszene eingeladen worden sind.

Doch aus den Heimatforschern werden nun wieder vordergründig die Künstler, die die Erkenntnisse in einer begehbaren Installation für Besucher vom 29. Oktober bis zum 31. Oktober im Eiermannbau präsentieren wollen. Irgendwann müsse bei der Recherche zwar ein Schnitt gemacht werden, doch werde das Kollektiv nach Apolda zurückkehren, so Regisseurin Susann Neuenfeldt auf die Anmerkung eines TA-Lesers, der bisherige Berichte zur Thematik in puncto Treuhand einseitig negativ fand.

Wirken der Treuhand noch immer undurchsichtig

Gerade in die Anfangsphase des Projekts in Apolda seien Vorbehalte mit eingewoben gewesen. „Doch wir sind offen für alle Positionen“, so Susann Neuenfeldt. Dass die Treuhand aus der heutigen Perspektive zu vielfältigen Interpretationen einlade, daran hat auch die Quellenlage eine Mitschuld. Während der ersten Phase des künstlerischen Forschungsprojektes konnte kein einziges schriftliches Dokument über die direkten Handlungen der damaligen Verantwortungsträger sicher gestellt werden.

Das führt automatisch zu vielen Fragezeichen, mache die Thematik facettenreich und schillernd – führe aber im Zweifelsfall auch zu Verschwörungen, zu Geschichten über Vorteilnahme, zur Annahme, dass unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit kriminelle Handlungen vollführt worden sind, ergänzt PKRK-Raumgestalter Werner Türk eine andere Perspektive. Und ja, es habe auch hilfreiche Akteure bei Unternehmensabwicklungen gegeben, auch Personen aus der Bundesrepublik.

Marusha zur Karriere als DJane in Apolda ermutigt?

In jedem Falle sei diese Undurchsichtigkeit aber für die Arbeit mit der Materie sehr gut, betont Susann Neuenfeldt. Wo Dinge noch nicht ausformuliert sind, könne sich künstlerisch damit auseinandergesetzt und eine neue Sprache gefunden werden – und sei es auch nur non-verbal und körperlich. So haben Alt-Textiler bereits im Eiermannbau gemeinsam mit Techno-Pionieren getanzt und dabei Bewegungen der Arbeiter in eine erstaunlich gut zum „Maschinensound“ passende Choreographie übersetzt.

Apropos Techno-Szene: Auch hier hatten die Zeitzeugen überraschende Erkenntnisse parat – und auch ein Poster aufgehoben, auf dem für eine „Techno Party moderiert von Marusha und Jugendradio DT64“ geworben wurde. An einem Freitag, dem 6. März 1992 stieg die Party im „Le Baron“ in Apolda-Heusdorf. Bisher bekannt ist, dass Marusha zu diesem Zeitpunkt schon länger Techno-Sendungen moderierte und auch erste Tracks produziert hatte. Doch für das richtige Auflegen von Platten soll die damals 25-jährige Künstlerin noch nicht bekannt gewesen sein. „Hier in Apolda wurde sie ermutigt, das vor Publikum zu tun“, so Anna Stiede. Das hätten ihre Quellen mehrfach so bestätigt.

So oder so dürften die Besucher der Installation „Treuhandtechno“ also gespannt sein. Mehr Eckdaten zum Programm am 29. bis 31. Oktober werden in Kürze hier veröffentlicht.