Vivaldi und der Plantanz in Wittersroda

Blankenhain. Wie in der Barockkirche von Wittersroda ein renommiertes Kammerorchester das Publikum begeisterte. Konzert beflügelte auch das traditionelle Sommerfest unter der über hundert Jahre alten Kastanie.

Unter dem dichten Blattwerk der alten Kastanie spielten The Rhythmics in Wittersroda zum Plantanz auf. Foto: Michael Baar

Unter dem dichten Blattwerk der alten Kastanie spielten The Rhythmics in Wittersroda zum Plantanz auf. Foto: Michael Baar

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Nur zum Weihnachtsfest hat Wittersrodas barocke Kirche aus dem 18. Jahrhundert so etwas schon erlebt. Bis hinauf auf die zweite Empore war das Gotteshaus gefüllt, als dort am Samstag die "musica juventa" Halle ein sommerliches Konzert vor dem traditionellen Plantanz gab.

Zu verdanken hatte das kleine Dorf im Reinstädter Grund das Gastspiel dieses 1981 gegründeten Ensembles dem Gewandhaus-Musiker Edwin Ilg (2. Violine). Er wohnt seit Jahren im benachbarten Drößnitz, das mit Wittersroda einen Ortsteil von Blankenhain bildet. Konzertreisen führten das Kammerorchester nach Tschechien, Österreich, in die Niederlanden, Kanada, die USA, Japan und Estland - und nun, einen Tag vor dem Auftritt im Neuen Theater Halle, nach Wittersroda.

Vivaldis "Vier Jahreszeiten" hatte die "musica juventa" mit nach Wittersroda gebracht. So als wollte man dem hochwassergeplagten Dorf musikalisch ins Gedächtnis rufen, dass es nicht nur jene mit dem vielen Wasser gibt. Mit Händels "Die Ankunft der Königin von Saba" als Zugabe legten die Barockmusiker zugleich den Teppich vor das Haus, wo bereits der Bratwurstrost dampfte.

Beseelt ist wohl der richtige Ausdruck für den Gemütszustand des Publikums nach dem Konzert. Allein die hohe Luftfeuchtigkeit trieb es ins Freie, wo ein Vergnügen ganz anderer Art wartete. Seit Jahrzehnten ist der Plantanz des 40-Seelen-Dorfes ein Begriff und nicht zu verwechseln mit dem Johannisfest der Studentengemeinde im Juni.

Roland Axt, dessen Familie zu Himmelfahrt und bei Bedarf noch das Gasthaus Wittersroda öffnet, kann sich erinnern, wie noch in den Siebzigern mit der Jagdgesellschaft für zwei Tage ein überdachter Plan auf dem Gasthaus-Hof gebaut wurde.

Viele Hundert Gäste aus der ganzen Gegend hatte das Fest. Hammelkegeln gab es nebenan auf der Bahn im "Rasendorf". Schausteller kamen. "Manchmal haben wir gleich auf dem Plan geschlafen, so lange wurde gefeiert", sagt Roland Axt.

Seit der Wende ist der Plantanz ins Rasendorf umgezogen. So heißt die nördliche Dorfhälfte, die nur mit der Kirche und einem Fachwerkhäuschen bebaut ist. Der Plan braucht hier kein Dach. Denn er wird von der Krone der riesigen Kastanie geschützt. Daneben steht ein überdachter Hänger für die Kapelle.

The Rhythmics, eine Band aus Kahla, haben über die Jahre ungezählte Male hier gespielt. Gründungsmitglied Helmut Anske ist der Vater von Biba-Frontmann Mario und hat bereits sein 50-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert. Angesichts dessen und der wackligen Leiter verzichtete die Band auf den Hänger. Das Blattwerk und Folie für die Technik mussten reichen.

Tatsächlich hielt der mehr als hundert Jahre alte Baum die Tanzfläche lange trocken. Die Bänke wurden enger an den Stamm gerückt, über den Rost ein Schirm gespannt. Wie einst kamen die Gäste aus Reinstädt, Lengefeld, Drößnitz, Keßlar, Pfarrkeßlar, Kottenhain, Meckfeld, Lotschen und sogar aus Weimar, wenn auch keine 500. Mitten drin: die "musica juventa", der dieses Sommerfest ganz offenkundig auch gefiel.

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