Älteste erhaltene Schule Geras wird 150 Jahre alt

1864 wurde die einstige Bürgerschule am Nicolaiberg nach dreijähriger Bauzeit und Baukosten von 72 000 Talern eröffnet

Die am 12. April 1864 feierlich eröffnete Schule am Geraer Nicolaiberg auf einer alten Ansichtskarte (Ausschnitt). Foto: Stadtarchiv/Original Hartmut Großmann

Foto: zgt

Gera. Nicht nur das Zabelgymnasium kann an diesem Wochenende in Gera auf ein rundes Schuljubiläum verweisen. Noch einmal ein Vierteljahrhundert älter ist die denkmalgeschützte Schule am Nicolaiberg. Am 12."April 1864, also vor exakt 150 Jahren, wurde das Schulgebäude, in dem heute ein Teil der ­Goethegymnasiasten lernt, feierlich eingeweiht. Es sei damit das älteste, erhaltene Schulgebäude Geras, berichtet Gabriele"Hartmann. Sie hatte für den Freundeskreis Stadtgeschichte Historisches zu der Schule aus allerlei Quellen zusammengetragen - "aber nicht selbst geforscht", wie sie betont - und vor einer Weile in einem "sehr ansprechend besuchten" Vortrag im Steinweg präsentiert.

Der Jahrestag ist auch insofern interessant, da die vor 125"Jahren eröffnete "Zabelsche höhere Töchterschule" in dem Schulgebäude am Nicolaiberg ihren Ursprung hatte, wie aus Hartmanns Materialsammlung deutlich wird. So sei "Bürgerschule" am Nicolaiberg im Zuge der Schulneuorganisation ihres ersten Direktors Adolf Lorey in drei Abteilungen gegliedert gewesen: eine höhere, eine mittlere und eine untere Bürgerschule. Aus der ersten Abteilung, der höheren Bürgerschule, sei später jene höhere Töchterschule hervorgegangen, die dank der Stiftung von Auguste Henriette Zabel 1889 ihr eigenes Schulhaus, die Zabelschule, bezog. 1900 bekam das Haus am Nicolaiberg den Namen "Mittelschule", der heute noch einen Giebel ziert.

Der Grundstein für das für 2000 Schüler konzipierte Schulhaus wurde am 10. Juli 1861 in Anwesenheit von Oberbürgermeister Robert Fürbringer gelegt. Knapp drei Jahre dauerte der Bau des Gebäudes auf dem einstigen Schreiberschen Gartengrundstück, die Kosten sollen 72 246 Taler betragen haben. An einem Montag im April 1864 konnte Fürbringer das Haus übergeben, das mit 1831 Schülern den Betrieb aufnahm. 1873 seien hier bereits 2091 Schüler unterrichtet worden, im Jahr 1910 sogar 2292.

Später habe das Schulhaus zum einen die "Kommunale Berufsschule Max Greil", zum anderen die "Pestalozzischule", eine Sonderschule, beheimatet. Seit 1991 ist die Schule ein Standort des Goethegymnasiums/Rutheneum seit 1608. "Das Rutheneum ist zwar als Institution älter als die Mittelschule, das Schulgebäude am Johannisplatz ist aber später errichtet worden", sagt Hartmann.

Restarbeiten in den Osterferien

450 von etwa 600 Schülern des Goethegymnasiums lernen heute noch am Nicolaiberg. Noch, denn mit einem möglichen "Campus Rutheneum" sollen alle Schüler am Standort Johannisplatz zusammengezogen werden. Was dann aus dem Denkmal wird, ist offen. Pläne für dieses Haus lägen für diesen Fall noch nicht vor, hieß es auf Nachfrage vom Baudezernat. Weil aber auch der Zeitpunkt für den Auszug der Gymnasiasten noch offen ist, mussten Ende 2013 Notreparaturen durchgeführt werden, um die Betriebserlaubnis für das Haus bis auf Weiteres verlängert zu bekommen. Für die Notsicherung des Dachtragwerkes und Ausführung notwendiger Brandschutzmaßnahmen sei vom Fachdienst Bauvorhaben eine Baugenehmigung mit Auflagen erteilt worden. Sobald die erfüllt sind, stehe der Verlängerung der Betriebserlaubnis wohl nichts entgegen, heißt es. In den Oster-ferien müssten noch Restleis-tungen erbracht werden, danach erfolge die Abnahme. Die Kosten für die Notreparaturen belaufen sich auf 358 000 Euro.