Andere Wege des Lehrens gehen: Zwei Geraer Lehrerinnen mit dem Salzmann-Preis geehrt

Gera  Die Lehrerinnen Nicole Scheffel-Türpisch und Elke Kolodzy erhielten die Auszeichnung für ihre innovativen Lehrkonzepte

Elke Kolodzy, Russischlehrerin am Osterlandgymnasium Gera, wurde mit dem Salzmann-Preis ausgezeichnet. Foto: Ilona Berger

Elke Kolodzy, Russischlehrerin am Osterlandgymnasium Gera, wurde mit dem Salzmann-Preis ausgezeichnet. Foto: Ilona Berger

Foto: zgt

Kein Klingeln läutet das Ende der Stunde ein. Nicole Scheffel-Türpisch überzieht den Unterricht ein paar Minuten. Sie erklärt, wie Regen und Nebel entstehen. Die Mädchen und Jungen lauschen gespannt. In der Pause sagt die neunjährige Antonia: „Es ist eine spannende Sache mit dem Wetter und dem Kreislauf des Wassers.“ Emil, acht Jahre, ergänzt: „Wetter ­mache ich gern. Mir gefällt, wie Regen entsteht“.

Kinder bestimmen ihr Lerntempo

Beide Kinder besuchen die Christliche Gemeinschaftsschule Gera und lernen mit weiteren 39. In zwei Gruppen, erste bis dritte Klasse gemeinsam, werden sie unterrichtet. Ein Konzept, das aufgeht, weiß Nicole Scheffel-Türpisch. Sie ist die Schulleiterin, der im August 2014 gegründeten Einrichtung, dessen Träger der Förderverein Christliche Schule Gera e.V. ist.

Die pädagogische Ausrichtung ist besonders. Sie basiert auf der Reformpädagogik in Anlehnung an das Jenaplan-Konzept. Es gibt jahrgangsübergreifende Lerngruppen mit Lern­leitern. „Unsere Kinder werden individuell gefördert. Wir schauen, auf welche Voraussetzungen können wir aufbauen. Die Mädchen und Jungen können selbst ihr Lerntempo bestimmen. Leistungsstarke Schüler kommen zügiger voran und bekommen anspruchsvollere Aufgaben“, erklärt die Schulleiterin. „Das ist auch Ausdruck MultiGradeMultiLevel-Methodology. Die aus Indien stammende Lern­methode als Basis für unseren Schulbetrieb ist einmalig in Deutschland. Die Universität aus Regensburg begleitet uns bei der Umsetzung.“

Kinder sollen die Schule als ein Erfolgserlebnis sehen, wo respektvoll, tolerant und solidarisch miteinander umgegangen wird. Das sich selbst Organisieren gehört ebenso dazu.

Die Mädchen und Jungen gehen gern hierher. Das Interesse der Eltern ist groß. 2016 gab es mehr Anmeldungen, als es die Kapazität der Einrichtung zulässt. Natürlich spielt der christliche Glaube eine große Rolle, ist aber keine Bedingung für die Aufnahme von Schülern . „Es ist ein schönes Gefühl, was bewegen zu können und wunderbar zu sehen, wie die Kinder wuseln und sich die Welt erschließen“, sagt Nicole Scheffel-Türpisch, die Mutter von zwei Kindern ist und im Gospelchor von Rüdersdorf singt. „Ich habe mich sehr über die Auszeichnung gefreut, weil sie zeigt, dass wir alle auf dem richtigen Weg sind.“

In der Schule arbeiten drei Grundschullehrer, ein Förderlehrer sowie drei Erzieher. Außerdem gibt es noch Honorarkräfte. Die Mädchen und Jungen werden von sechs bis 18 Uhr betreut, auch in den Ferien.

Monatliche Videokonferenzen

Mit Leidenschaft und ungewöhnlichen Ideen vermittelt ­Elke Kolodzy ihren etwa 70 Schülern am Osterland­gymnasium Gera die russische Sprache. Der Salzmann-Preis ist nicht die erste Ehrung für die Fachlehrerin. 2012 erhielt sie „Das europäische Sprachsiegel“ für das Zabelgymnasium und 2014 den „fraMediale-Preis für Best-Practice-Teachers“. Dennoch war die neue Anerkennung „für mich eine große Überraschung“, sagte Elke Kolodzy.

Um Schüler für eine Sprache zu begeistern, „muss man für seinen Unterricht und die Sprache brennen“. Außerdem halten Innovationen jung, ist sich Elke Kolodzy sicher. Die begeisterte Sprachlehrerin nutzt den Einsatz moderner Technik, wie interaktive Tafeln und Smartphones oder Tablets. Die Schüler erfahren, ihre Geräte bewusst für das eigene Lernen anzuwenden. Und noch ein Effekt hat dieses individuelle Arbeiten. „Die Mädchen und Jungen blamieren sich nicht vor der Klasse, wenn sie etwas falsch machen, sondern können die Fehler gleich korrigieren und auch ihr Lerntempo selbst bestimmen.“

Sprache lernen, heißt für die Lehrerin, sie auch anzuwenden. Monatliche Videokonferenzen mit der 53. Schule in Rostow am Don mit erweitertem Deutschunterricht gehörten zum Unterrichtsalltag und werden wieder stattfinden, wenn der Raum ­dafür zur Verfügung steht.

Elke Kolodzy will nicht nur Lehrbücher herbeten. Deshalb investiert sie viel Freizeit in die Projekte. Die Lehrerin nimmt seit 2012 jede Woche an zwei Veranstaltungen im Online-Bereich teil. Sie bietet selbst im Internet Fortbildungen für Russisch an – als einzige in Thüringen. Die Teilnehmer sind international. „Ich bin kein Informatiker, aber Anwender und das was ich kann, möchte ich an meine Kollegen und Schüler weitergeben“, sagt sie lachend. Und dafür braucht sie viele ­Informationen.

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