Electrotechnical Solutions GmbH aus Pößneck-Ost trifft den Nerv technisch kreativer Jugendlicher

Pößneck  Schüler bringen Roboter auf Trab

Colin Jung, Lenny Lehmann und Ethan Ziermann (von links) testen gemeinsam mit Marcel Franke (rechts), Junior-Chef in der Electrotech­nical Solutions GmbH, die selbst entwickelte Roboter-Strecke.

Colin Jung, Lenny Lehmann und Ethan Ziermann (von links) testen gemeinsam mit Marcel Franke (rechts), Junior-Chef in der Electrotech­nical Solutions GmbH, die selbst entwickelte Roboter-Strecke.

Foto: Marius Koity

Minutenlang geht Ethan Ziermann laut durch, was in welcher Reihenfolge passieren muss, damit die vier Mini-Roboter in seinem Blickfeld abgestimmt funktionieren. In IT-Sprache für Fortgeschrittene redet er wie ein Wasserfall und als Außenstehender versteht man nur Bahnhof – bis der 15-Jährige „Yeah!“ ruft. Dem folgt ein Freudensprung, ein „Ha!“, ein „Booom!“, ein „Booombooombooom!“. Doch Sekunden später Ernüchterung – die Roboterarme kommen aus dem erwarteten Rhythmus, greifen daneben. Sofort suchen Ethan Ziermann und drei andere Jungen in einem Zimmerchen der Electrotechnical Solutions GmbH in Pößneck-Ost mit Hilfe zweier Mitarbeiter der Firma die Fehlerquelle – die Köpfe rauchen. „Aber ihr wisst schon, dass um Drei eure Eltern vor der Tür stehen“, wirft Geschäftsführer Mario Franke ein. „Welche Zeitzone?“, fragt Ethan Ziermann, während er noch einmal die Buchstaben- und Zahlenreihen auf seinem Rechner durchgeht. Es ist Samstag, 14.30 Uhr, und Mario Franke lacht mit.

Ethan Ziermann, Gymnasiast aus Rudolstadt, und sein 14-jähriger Schulkamerad Colin Jung sowie Lenny Lehmann, ebenfalls 14, von der Freien Fröbelschule in Keilhau bei Rudolstadt, und Moritz Voigt, 16, Regelschüler aus Bad Klosterlausnitz, verbringen seit Anfang Februar an Wochenenden viel Zeit in der Pößnecker Firma – sie sind die Robotik-AG. Das ist ein Schüler­college-Angebot der Industrie- und Handelskammer für Ostthüringen zu Gera und sei sofort nach der Bekanntgabe ausgebucht gewesen, sagt Mario Franke, der dieses Format ent­wickelt hat. Die vier Jungen haben in den vergangenen Wochen weitgehend selbstständig die Teile für die Mini-Roboter entworfen, am 3D-Drucker hergestellt, zusammengeschraubt und verkabelt, um sie letztlich so zu programmieren, dass sie eine kleine Smart Factory bilden, zum Muster einer intelligenten Fertigungsstrecke werden. Der vergangene Samstag war dem Endspurt und der Generalprobe gewidmet, am kommenden Freitag ist Abschlussveranstaltung.

Für Mario Franke steht allerdings jetzt schon fest, dass er in diesem Jahr eine zweite Robotik-AG anbieten wird. Die Premiere habe seine Erwartungen übertroffen. „Die Jungs sind großartig!“, schwärmt er. „Die gehen heute mit einem Problem nach Hause und bringen beim nächsten Mal die Lösung mit. Mit ihren Fragestellungen haben sie langjährige Programmierer herausgefordert. Wir reden hier von einer professionellen Geschichte.“

Das Projekt habe seinen Betrieb zwar viel Arbeit und einiges an Geld gekostet. Bei dem Eifer der vier Jugendlichen habe sich der ganze Aufwand aber gelohnt, sagt Mario Franke. Das Sahnehäubchen wäre es natürlich, wenn wenigstens einer davon früher oder später seine aktuell 45-köpfige Belegschaft verstärken würde. Vielleicht Moritz Voigt, der sich schon mit dem Berufsbild des Mechatronikers auseinandergesetzt hat, wie er zu verstehen gibt, vielleicht Ethan Ziermann, der seine Zukunft in der Informatik sieht und gern auch der nächsten Robotik-AG angehören würde.

Lenny Lehmann will zwar Rettungssanitäter werden, es erfüllt ihn aber mit Stolz, bei dieser Initiative dabei gewesen zu sein, zumal man bei Null angefangen habe und so weit gekommen sei. „Das war die nützlichste Art und Weise, das Wochenende zu verbringen, und Spaß hatten wir auch dabei“, gibt Colin Jung dem Hochgefühl Ausdruck, im Team ein kleines Wunderwerk der Technik hergestellt zu haben.

Mario Franke freut sich einerseits, dass sich Schüler und Eltern aus Rudolstadt und aus Bad Klosterlausnitz für seinen Betrieb interessieren, um andererseits das Desinteresse in Pößneck und Umgebung „erschreckend“ zu finden. Er hatte auch gehofft, dass Lehrer mal nach der Robotik-AG fragen, aber Fehlanzeige. Seinem Eindruck nach werde in den Schulen zwar viel von der Digitalisierung geredet, den Worten würden aber keine Taten folgen. Außerdem habe er festgestellt, dass das Bildungssystem zwar musisch oder künstlerisch kreative Schüler fördere, technisch kreativen Jugendlichen aber kaum den notwendigen Nährboden biete. Genau das habe ihn angetrieben, die Robotik-AG zu ent­wickeln. Deren Ergebnisse sollen, wenn’s klappt, demnächst auf der Pößnecker Messe „Berufe aktuell“ einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Meine Meinung„Berufe aktuell“ heißt es am 6. April in der Pößnecker Ro-sentalhalle. Schüler ab der 8. Klasse sind mit ihren Eltern an dem Samstag zwischen 9 bis 14 Uhr willkommen.

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