Günstig wohnen in Jena: Studentenheim nach Sanierung übergeben

Jena  Studentenwohnheim in der Schlegelstraße 2 in Neulobeda nach Sanierung eingeweiht. Die Nachbarhäuser sind nun an der Reihe.

Schick mit Grün: das Wohnheim in der Schlegelstraße in Neulobeda.

Schick mit Grün: das Wohnheim in der Schlegelstraße in Neulobeda.

Foto: Norman Börner

Ivo Weckbecker ist noch ganz frisch in Jena. Zum Studieren zog es den 18-Jährigen Anfang Oktober aus Bamberg im Frankenland in die Saalestadt. Die erste eigene Bude musste her. Dass die Wohnraumsuche in Jena kein leichtes Unterfangen ist, merkte er schnell. „Ich habe mir einige Zimmer in Wohngemeinschaften angeschaut. Doch die meisten empfand ich als ganz schön teuer“, erzählt Ivo. Also bewarb er sich beim Studierendenwerk um einen Platz im Wohnheim – und hatte Glück.

Pünktlich zum Wintersemesterstart konnten nämlich die ersten Mieter wieder in das Studentenwohnheim in der Schlegelstraße 2 einziehen. Gut vierzehn Monate dauerte die Sanierung des sechsgeschossigen Plattenbaus mit seinen insgesamt 89 Wohnungen.

Im November hatten nun die letzten Handwerker ihre Koffer gepackt. Also lud das Studierendenwerk am Donnerstag zur offiziellen Einweihungsfeier – zu der auch der Thüringer Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft, Wolfgang Tiefensee (SPD), kam.

„Es ist wichtig, dass wir uns um günstigen Wohnraum für Studenten kümmern. Gute und günstige Wohnungen machen eine Hochschulstadt attraktiv“, sagt der Minister. Der Freistaat steuert eine Millionen Euro zu dem 3,2 Millionen Euro teuren Bauprojekt bei. Um solche Zugpferde für die Ausstrahlungskraft der Stadt auch in Zukunft realisieren zu können, sei es dringend nötig, schnell einen neuen Hochschulpakt auf den Weg zu bringen. Die bisherige Vereinbarung zwischen Bund und Ländern zur Finanzierung von Hochschulprojekten läuft im Jahr 2020 aus. Wolfgang Tiefensee: „Wir brauchen Planungssicherheit.“

Die hat Student Ivo in den kommenden Jahren. Für ein Einzelappartement mit 32 Quadratmetern bezahlt er 248 Euro – Nebenkosten, Möbel und nagelneue Einbauküche inklusive. Oben drauf kommen lediglich 10 Euro für pfeilschnelles Internet aus dem Netz der Universität. Genug Platz für eine gemütliche Sitzecke, einen großen Schreibtisch und für einen kleinen Küchentisch hat er allemal. Sein Zimmer ist hell durchleuchtet und die Taten der Handwerker sprechen aus jeder strahlend weißen Tapetenbahn.

Doch nicht nur Einrichtung und Wandfarbe ließ das Studierendenwerk auf den neuesten Stand bringen. Der Plattenbau aus den 1980er Jahre hatte eine komplette Grundsanierung nötig. Die technischen Anlagen wie Heizungs-, Lüftungs- und Sanitäranlagen sowie das Dach wurden ebenfalls erneuert. Hinter der Fassade sorgt eine zeitgemäße Dämmung für warme Füße. Und von außen erstrahlt der einst graubraune Betonklotz nun in Grün und Weiß.

Dem Exil-Franken Ivo gefällt sein neues Zuhause in Lobeda. „Plattenbau klingt ja erstmal nach Grau in Grau. Aber die Umgebung ist sehr schön. In fünf Minuten bin ich in der Natur und in zwanzig Minuten mit der Straßenbahn in der Stadt“, sagt er. Musik in den Ohren von Ortsteilbürgermeister Volker Blumentritt (SPD), der den vielfältigen sozialen Mix in dem Neubaugebiet hervor hob. „Direkt gegenüber des Wohnheims liegt ein Altenheim. So soll es sein: eine bunte Mischung von Generationen“, sagt er.

Und die Schlegelstraße soll nach den Vorstellungen des Studierendenwerkes in den kommenden Jahren noch ein wenig bunter werden. Denn die Gebäude mit der Nummer 4, 6 und 8 kommen unter die Sanierraupe. „Die meisten Mieter aus der Schlegelstraße 4 konnten wir bereits in einem anderen Objekt einquartieren. Der Rest sollte bis Weihnachten untergebracht sein“, sagt Ralf-Schmidt-Röh, der Geschäftsführer des Studierendenwerks Thüringen. Dann sollen auch die Arbeiten an dem Nachbarhaus beginnen. Noch im November soll außerdem im Spitzweidenweg der Grundstein für 150 neue Wohnheimplätze gelegt werden. Mit dem jetzt sanierten Objekt bewirtschaftet das Studierendenwerk nun 29 Wohnanlagen in Jena mit insgesamt 3100 Plätzen.

Ivo freut es, in einer Ecke mit gleich fünf Wohnheimen zu wohnen. Denn neben der günstigen Miete gibt es noch ein ganz anderes Argument für das Leben im Studentenhochhaus: „Ich habe schon einige nette Leute hier und nebenan kennen gelernt. Bald soll es auch einen Tischtennisraum und einen Grillplatz für alle geben“, berichtet er.

Gut, dass sich der Freistaat und das Studierendenwerk für bezahlbaren Wohnraum für Studenten einsetzen, findet Ivo. Unbezahlbar hingegen sei es, die nächste gute Party gleich eine Haustür weiter zu finden.