Pößnecker Kinder entdecken mit allen Sinnen den Wald

Pößneck  Für zwei Vormittage hat das Lernhaus 1 der Grundschule Pößneck-Ost seinen Unterrichtsort in die Natur verlegt.

Jägerin Anja Koch (links) lässt Kinder des Lernhauses 1 der Grundschule Pößneck-Ost verschiedene Düfte des Waldes erschnuppern. Foto: Sandra Hoffmann

Foto: zgt

„Ihr müsst euch die Umgebung vorher anschauen. Wo sind gute Verstecke“, rät Marcus Orlamünder vom Naturschutzjugend Jena e.V. den Grundschülern, ehe das Spiel beginnt. Hinter Bäumen, dichten Fichtenzweigen und Wurzeln des Waldes suchen die Kinder anschließend einen guten Schlupfwinkel und kurz darauf späht Julien von einem festen Platz aus nach ihnen und ruft die Versteckten, die er entdeckt hat, zu sich.

Mit diesem Spiel und einigen weiteren Angeboten lernen derzeit knapp 90 Mädchen und Jungen der Grundschule Pößneck-Ost den Wald und die Natur auf besonders intensive Weise kennen. Konkret sind es die Schüler des Lernhauses 1 der Grundschule – das sind die Klassen 1/2a, 1/2b, 3a und 4a – die ihren Lernort für zwei Vormittage auf den Ratsberg im Stadtwald von Pößneck verlegt haben. Die Idee dazu hatte der Schulsozialarbeiter der Grundschule Pößneck-Ost, Paul Lange vom Bildungswerk Blitz.

„Es gibt vier Stationen, an denen die Kinder in vier altersgemischten Gruppen arbeiten“, erklärt Grundschullehrer Ronald Matthes. Betreut werden die Stationen von Paul Lange, von Robert Bullerjahn, ebenfalls vom Bildungswerk Blitz e.V. und Schulsozialarbeiter in Neustadt, von Marcus Orlamünder von der Naturschutzjugend aus Jena sowie von Anja und Mario Koch, Jäger des Eigenjagdbezirkes der Stadt Pößneck.

„Seit einigen Jahren unterstützen wir die Grundschulen und Kindergärten in Pößneck finanziell und beteiligen uns an Aktionen wie dem Grünen Klassenzimmer“, erläutert Mario Koch. So seien allein im vergangenen Jahr die Einnahmen aus der Drückjagd in Höhe von 350 Euro an die Schulen ausgereicht worden, um sie zu unterstützen und den Unterricht in der Natur zu fördern. Zwei- bis dreimal im Jahr gebe es solche Aktionstage, wie sie das Lernhaus 1 der Grundschule Pößneck-Ost gestern und heute erlebt hat. Angelegt sind diese Tage in der Regel für Grundschüler und bis zur 5. Klasse.

Im Wald begrüßt wurden die Kinder des Lernhauses 1 gestern Morgen mit eigens für sie von Anja und Mario Koch gespielten Jagdsignalen. Anschließend absolvierten die vier Gruppen jeweils zwei der insgesamt vier Stationen. Heute werden sie die verbliebenen Stationen bearbeiten. Themen sind die Tiere und der Wald, die Nutzung des Kompasses und die Orientierung im Wald, der Müll im Wald und welcher davon gar nicht in den Wald gehört sowie Spiele zur Förderung der Sinne und der Wahrnehmung im Wald.

Kinder der ländlichen Region kennen sich aus

„Die Kinder hier wissen relativ viel, im städtischen Bereich sieht das ganz anders aus“, beobachtet Mario Koch. Er und seine Frau zeichnen für die Station „Tiere und Wald“ verantwortlich und um den Kindern die Natur, die Wildtiere und deren Lebensräume anschaulich nahe zu bringen, haben sie sich das Infomobil „Lernort Natur“ des Landesjagdverbandes Thüringen ausgeliehen. Zudem geben sie Informationsmaterial, etwa zu Spuren und Fährten im Wald, aus, sodass sich die Grundschüler nun auch selbst noch einmal auf Entdeckungstour begeben können.

Mit Müllsäcken und Müllgreifern rückten die Mädchen und Jungen außerdem der Verunreinigung des Waldes zu Leibe, wenn sich diese auch gebessert habe. „Es gab Jahre nach der Wende, da haben wir drei bis fünf Autoanhänger voll Müll gesammelt und auf die Deponie geschafft. Da waren Möbel, Computerteile und Autoreifen dabei. Heute finden wir eher Kleinmüll und Gartenabfälle, die in den Säcken gelassen werden“, berichtet Mario Koch. Gerade in diesem Bereich seien die Aktionstage mit den Kindern hilfreich, weil diese dann ihre Eltern mahnten, den eigenen Müll nicht im Wald liegen zu lassen.

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