Schüler in Jena wollen unbedingt das iPad

Jena  Lobdeburgschule in Jena entschied sich nach langer Debatte für das iPad. Die Schulverwaltung gibt einen Ausblick auf den Bildungspakt.

So sieht das Ausfüllen eines Arbeitsblattes auf dem Tablet aus. Der Schüler hat alle Blätter und Hefter automatisch immer mit dabei.

So sieht das Ausfüllen eines Arbeitsblattes auf dem Tablet aus. Der Schüler hat alle Blätter und Hefter automatisch immer mit dabei.

Foto: Thomas Beier

Die Lobdeburgschule möchte im nächsten Schuljahr das iPad als Unterrichtsmittel in der Oberstufe verbindlich einführen. So hat es die Schulkonferenz beschlossen. Weil die Auswahl des amerikanischen Herstellers Apple zuletzt in der Zeitung kritisiert wurde, baten Schüler der Lobdeburgschule um einen Gesprächstermin. In einer Schulklasse ist der Rechner seit dem Schuljahresbeginn Unterrichtsmittel.

„Für mich ist die iPad-Nutzung trotzt aller Fragen und Schwierigkeiten ein voller Erfolg“, sagte Elenea Kästner. Im Unterricht brauche es kein Papier mehr und keine Stifte. Alles, bis auf Leistungskontrollen, lasse sich mit dem Rechner und dem Eingabestift lösen. Auch Arbeitsblätter müssten nicht mehr kopiert werden, denn sie lassen sich einscannen und dann auf dem Bildschirm ausfüllen und versenden.

Klara Hanf, Carina Buchwald und Esther Ullrich fanden die Online-Überschrift „Jenaer Lobdeburgschüler müssen mit Marken-Tablet arbeiten“ zu negativ. Denn die Schüler wollen dies auch. Das Gerät lasse sich fächerübergreifend einsetzen. Die Gefahr, dass die Schüler im Unterricht am Rechner andere Dinge tun als Schule, sehen sie nicht. Alle Schüler hätten einen Vertrag unterschrieben, dass sie das iPad während der Unterrichtzeiten angemessen als schulisches Arbeitsmittel nutzen. Der Lehrer könne dies über das Programm „Classroom“ auch überprüfen und, wenn nötig, einzelne Geräte zeitweise sperren.

Der Haken: Gerät kostet um die 300 Euro

Unbestritten ist, dass das neue Unterrichtsmittel eine preisintensive Angelegenheit ist. Die Computer kosten um die 300 Euro. Für den Unterricht nicht zwingend erforderliche – aber sinnvolle Zusatzgeräte – wie eine Tastatur, ein Apple-Eingabestift oder ein Schutzcover kosten zusammen weitere 150 Euro. Notwendig scheint überdies eine Tablet-Versicherung, die Diebstähle oder Glasbruch absichert. Versicherungen kosten pro Jahr etwa 50 Euro.

Die Schule rechnet gegen, dass auch der CAS-Rechner die Eltern 150 Euro koste. Die Anschaffung könne künftig entfallen. Zudem könnte Materialgeld gespart werden.

Elena Kästner sagt, dass über die kritischen Themen sehr lang diskutiert wurde, bis dann das Projekt mit den ersten iPads sehr gut angelaufen sei.

Im Elternforum wird gerade auch diese Frage diskutiert: Müssten im Rahmen milliardenschwerer Förderprogramme zur Digitalisierung der Schulen nicht auch Gelder bereit stehen, um iPad-Klassensätze zu kaufen? 134 Millionen erhält Thüringen aus dem „Digitalpakt Schule“ vom Bund.

René Ehrenberg vom Schulverwaltungsamt kehrte gerade mit aktuellen Eindrücken einer Beratung in Erfurt zurück. Hauptthema sei dabei gewesen, wie sich Schulen aufstellen müssten, um den Ansprüchen an einen modernen Unterricht gerecht zu werden. Hierzu werde eine Förderrichtlinie erarbeitet, die den Ausstattungsrahmen festlege.

Schwerpunkt wird die digitale Infrastruktur sein

Sicher scheine bereits, dass der Freistaat einen Schwerpunkt auf die Schaffung einer digitalen Infrastruktur an den Schulen setzen will, um bei den Schülern vorhandene Endgeräte in den Unterricht einzubeziehen. So trivial seien diese Systeme eben nicht, und deshalb werde in diesem Bereich ein Großteil der Gelder benötigt. Auch Fragen der Sicherheit sind wichtig, wie zuletzt der ­Hacker-Angriff auf den Schul-Surfer mit den Internetseiten gezeigt habe. Zur Apple-Debatte mühte sich Ehrenberg um Neutralität. Unbestritten sei die Technologie des amerikanischen Herstellers aber sehr gut auf die Bedürfnisse der Schule angepasst.

Aus dem Digitalpaktgeldern werde auch die Stadt ein Budget erhalten, für das auf Grundlage der Medienkonzepte Geld fließen solle. Sicher sei, dass ein Teilbereich der Fördergelder dafür dienen solle, soziale Härten beim Endgerätekauf auszugleichen. Bereits bei der Anschaffung der CAS-Rechner sei dies Thema gewesen.

Zurück zur Lobdeburgschule: Die Entscheidung, die iPads als Grundlage für die Oberstufe dort einzusetzen, sei auf Grundlage der positiven Erfahrungen gefallen, so die iPad-Klasse. Versuche mit anderen Tablets und Computern seien nicht sehr langlebig gewesen. „Inzwischen möchten die Schüler das Unterrichtsmittel nicht mehr missen“, sagt Elenea Kästner.

Die Schulleitung macht auf einen Umstand aufmerksam, der bislang vernachlässigt wurde. Den Schulen läuft bei der Digitalisierung einfach die Zeit davon, so Schulleiterin Sylke Dziomber.

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