Unterrichtsstunde in Demokratie: Jugendliche in Schmölln proben Wahl

Kommunalwahl 2014: Stimme in die Urne, nicht in die Tonne - Erstmals stimmen die Jugendlichen im Altenburger Land flächendeckend ab. Die Jugendwahl ist eine praktische Unterrichtsstunde in Sachen Demokratie und ein Testlauf für die Parteien, bevor es am Sonntag ernst wird.

Sehr gut ist die Beteiligung an der U18-Wahl am Schmöllner Herzog-Gymnasium. Foto: Katja Schmidtke

Sehr gut ist die Beteiligung an der U18-Wahl am Schmöllner Herzog-Gymnasium. Foto: Katja Schmidtke

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Schmölln. Dominique lässt sich Zeit. Bei einer so wichtigen Entscheidung wie einer Wahl, muss niemand hetzen. Und so sitzt er in der Wahlkabine und studiert die beiden großen Stimmzettel. "Dass es so viele Namen sind, hat mich doch überrascht", sagt der junge Mann. Insgesamt 81 Namen stehen unter sechs Listen von Parteien und Wählervereinigungen. Und das ist nur der Stimmzettel für den Schmöllner Stadtrat, gedruckt auf ein blass-orangenes Papier. Auf Grau gedruckt stehen jene Männer und Frauen, die im Kreistag die Geschicke des Altenburger Landes lenken wollen.

Doch das, was die jungen Leute wie Dominique Franke aus der Klasse 10/1 des Schmöllner Roman-Herzog-Gymnasiums gestern ankreuzten, waren nicht jene Stimmzettel, die am Sonntag ausgezählt werden. Immerhin muss man dafür mindestens 18 Jahre alt sein. Dass auch junge Leute das Wählen lernen und damit das wichtigste Grundrecht der Demokratie, dafür gibt es die U18-Wahl.

Schüler wünschen sich von Politikern Ehrlichkeit

Die Stimmen der Jugendwahl fließen in das Wahlergebnis nicht mit ein, aber für die Parteien können sie eine Probe aufs Exempel sein, wie man bei der jungen Generation ankommt. "Die Schüler wünschen sich von Politikern, auch von ehrenamtlichen Kommunalpolitikern vor allem eins: Ehrlichkeit", sagt Heike Kirsten. Sie ist Mitarbeiterin des Kreisjugendrings, der die U18-Wahl gemeinsam mit der Kontaktstelle für mobile Jugendarbeit der Stadt Altenburg, mit dem kommunalpolitischen Ring Altenburger Land, zahlreichen Jugendinstitutionen und Schulen organisiert hat. Erstmals wird die Stimme der Jugend im Altenburger Land so flächendeckend gehört. Bei der Jugendwahl im April 2012 konnten die Schüler aus Altenburg ihren Oberbürgermeister-Favoriten wählen und jene aus dem Landkreis den künftigen Chef der Kreisverwaltung. Aber dieses Mal sind 18 Schulen und Bildungseinrichtungen dabei. "Wir denken, das Altenburger Land damit ganz gut abzudecken", sagt Heike Kirsten.

In Altenburg, Lucka, Rositz und Meuselwitz, in den Regelschulen von Gößnitz, Nöbdenitz und Schmölln sowie im Schmöllner Gymnasium und im Schülerfreizeitzentrum waren Wahllokale eingerichtet. Und auch diese wichtige Aufgabe übernehmen die jungen Leute. Wiebke Orlick, Schülersprecherin am Schmöllner Gymnasium, bildet gemeinsam mit Klassensprecherin Julia Hauck und Beratungslehrerin Susan Vogeler den Wahlvorstand. Sie streichen aus den zum Wählerverzeichnis umgewandelten Klassenlisten die Namen jener, die bereits ihre Stimme abgegeben haben. "Damit keiner doppelt wählt", erläutert Wiebke. Und sie erklären die Stimmzettel. Auch drei Kreuze wollen richtig gesetzt sein. Was ist für die jungen Leute wahlentscheidend? "Politiker sollen sich realistische Ziele setzen und keine aus der Luft gegriffenen Wahlversprechen machen", sagt die junge Frau und bestätigt damit die Beobachtungen des Kreisjugendrings. Freizeitangebote zu schaffen, Jugendclubs mit genügend Personal auszustatten, bei der Ausbildungs- und Jobsuche zu helfen oder auch drahtloses Internet in den Städten des Landkreises anzubieten - das fordern die jungen Leute von den künftigen Kommunalvertretern. Bolzplätze in der Sprotte­stadt zu verschönern und sich ein bisschen mehr um den Skate­park zu kümmern - das sind auch für Dominique Franke realistische Ziele. Aber er räumt auch ein: Sich vor der Wahl ein Bild zu machen von den Bewerbern, ist viel Arbeit. Manchmal lasse man sich dann einfach von den Gesichtern auf den Wahlplakaten überzeugen. Sind sie jung? Gucken sie freundlich?

Das Roman-Herzog-Gymnasium hat für seine Schüler eine Gesprächsrunde mit den Spitzenkandidaten organisiert, vier von sechs nahmen die Einladung an und diskutierten über Schmöllns Zukunft. "Sie sollen bewusst an der Wahl teilnehmen, nicht irgendwas ankreuzen", sagt Lehrerin Susan Vogeler. Sie unterrichtet Deutsch und Geschichte - und erklärt daher auch immer wieder im Unterricht, dass freie, geheime und gleiche Wahlen keine Selbstverständlichkeit sind. "Dafür haben ganze Generationen gekämpft. Das darf man nicht so einfach wegschmeißen", sagt sie. In Schmölln werfen die meisten Schüler ihren Stimmzettel in die Urne, und nicht in die Tonne. Die meisten nutzen ihre Wahl-Premiere. Bei den Sieben- bis Neuntklässlern liegt die Wahlbeteiligung bei mehr als 90 Prozent. Das Interesse an Kommunalpolitik ist groß. "Gruppendruck und die Tatsache, dass die Wahl während der Unterrichtszeit stattfindet, spielen aber auch eine Rolle", fügt Lehrerin Vogeler noch mit einem Augenzwinkern hinzu.

Die Wahlergebnisse und eine Analyse lesen Sie in der Mittwoch-Ausgabe.

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