Waldorflehrer schlägt in Gera 13-Jährigen und wird suspendiert

Schüler muss mit Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Zum Vorgang selbst äußert sich die Schule in Gera-Lusan nicht, der Lehrer wurde aber umgehend vom Dienst suspendiert.

Die Waldorfschule in Gera

Foto: zgt

Gera. In der Geraer Waldorfschule hat ein Lehrer einen 13-Jährigen so geschlagen, dass der mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Der Junge soll bei der Auseinandersetzung mit dem Kopf gegen eine Wand gestoßen sein. Der Vorfall ereignete sich vergangene Woche Donnerstag, das Kind ist seit Mittwoch wieder zu Hause.

Zu dem Vorgang selbst äußert sich die Schule auf Nachfrage nicht. Sie hat den Lehrer aber sofort vom Dienst suspendiert. "Was jetzt weiter geschehen wird, prüfen wir gerade", sagte gestern der pädagogische Leiter Nikolai Schmidt. In der Klasse sei eine Vertretung organisiert, so dass der Unterricht normal weiter laufe. Das Schulamt und den Bund der Waldorfschulen habe man informiert. Es sei das erste Mal, dass so etwas an der Schule passiert sei, versichert Schmidt und teilte sein Bedauern mit, "wir wünschen dem Schüler das Beste".

Der 13-Jährige soll nach dem Schlag noch vom Lehrer aufgefordert worden sein, eine Arbeit mitzuschreiben. Als ihm schlecht wurde, ging der Junge von sich aus zum Arzt, der ihn sofort in die Klinik überwies. In der Schule blieben die Folgen offensichtlich unbemerkt. "Er hat ohne Auffälligkeiten das Haus verlassen", erklärt die Schulführung.

Der Lehrer soll sich am Telefon bei der Familie entschuldigt haben. Die hat inzwischen Anzeige erstattet. Für den Jungen gibt es kein Zurück mehr, er ist bereits an einer staatlichen Regelschule angemeldet. Dort werde er mindestens ein Jahr heruntergestuft, heißt es, weil die Schulkonzepte nicht nahtlos aneinander passen.

Angeblich, so berichten es Eltern, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, wechselten in letzter Zeit mehrere Schüler von der privaten auf eine staatliche Schule. Das Schulamt Gera bestätigt Übergänge. Der Schulträger, der Verein Waldorfpädagogik Ostthüringen, spricht von normaler Fluktuation.

Tatsächlich aber herrscht seit Monaten Unruhe in der Waldorf-Familie. Bereits im Vorjahr hatte der Schulträger einigen Familien den Schulvertrag gekündigt, die Kündigungen dann aber wieder zurückgezogen. Elternbriefe erreichten inzwischen auch das Kultusministerium. Kritik entzündet sich auch an einem Lehrer, dem intern schon mal "emotionale Übersteigerung" bescheinigt wird. Im Januar gab es eine Aussprache im Ministerium mit Schulträger und Schulleitung. Ein Lehrer, der ohne Genehmigung unterrichtete, musste daraufhin seine Tätigkeit einstellen. Er soll erst seine Ausbildung beenden. "Wir haben die Schule aufgefordert, die Probleme abzustellen", sagt Sprecher Gregor Hermann.

Olaf Möller, Geschäftsführer des Schulträgers, kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. "Es ist bedauerlich, was passiert ist. Aber das kann anderswo auch passieren. Davor sind Sie nie gefeit." Auch dass Waldorfschüler bei einem Wechsel ein bis zwei Klassen heruntergestuft würden, kann er nicht bestätigen. "Wir haben zwar einen anderen Ansatz der Wissensvermittlung. Aber die meisten kommen auch an einer anderen Schule super klar."

Ist der Vorfall mit einer Unterbesetzung der Lehrerschaft erklärbar, wie Eltern auch vermuten? Nikolai Schmidt glaubt das nicht, an der Waldorfschule in Gera lernen derzeit 120 Schüler von der ersten bis zur achten Klasse. Dafür ständen 15 Lehrer zur Verfügung.

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