Wieder Wasser für das Wasserschloss in Gera

Der Umbau des Tinzer Schlosses ist in vollem Gang. Im kommenden Jahr wird hier die Berufsakademie einziehen.

Hier soll einmal die Bibliothek entstehen. Auf der Empore werden Computer-Arbeitsplätze eingerichtet.

Hier soll einmal die Bibliothek entstehen. Auf der Empore werden Computer-Arbeitsplätze eingerichtet.

Foto: zgt

Gera. Von der einstigen Pracht ist nicht allzu viel übrig geblieben. Genauso wenig wie vom Wassergraben, der dem Tinzer Schloss seinen Beinamen verlieh. Der wurde 1975 zugeschüttet.

Nun ist im Wasserschloss Tinz wieder Baustelle mit allem was dazugehört; Lärm und Staub. Die Berufsakademie (BA) wird das denkmalgeschützte Gebäude nutzen. Die Fertigstellung ist für das kommende Jahr geplant. In den Umbau des Tinzer Wasserschlosses und die Fertigstellung der Außenanlagen im Campus werden 6,4 Millionen Euro investiert. Drei Viertel des Geldes sind Fördermittel der Europäischen Union. Ein Neubau wäre freilich billiger - nur das Denkmal wäre dann vermutlich für immer verloren.

Die Erweiterung braucht die Berufsakademie dringend, sagt Direktor Burkhard Utecht. Denn seit ihrer Gründung ist die BA immer weiter gewachsen - weitere Seminarräume sind daher notwendig. An den Standorten Gera und Eisenach habe sich die Zahl der Studierenden auf 1300 gesteigert. Und so sollen im Wasserschloss Seminarräume, eine Bibliothek und Verwaltungsräume entstehen.

Die nach Plänen des Baumeisters Gerardo Hofmann errichtete Sommerresidenz folgt als Schlossanlage italienischen und französischen Vorbildern und entstand vermutlich anstelle eines alten Herrenhauses.

Im Jahr 1748 ließ Graf Heinrich XXX. die weiträumige Parkanlage vollenden. Der Zahn der Zeit und zahlreiche Umbauten sorgten dafür, dass ein Teil der einstigen Pracht verblasste. Im Foyer im Erdgeschoss zieren noch zwei Wappen die Decke - sie werden erhalten.

Repräsentativ soll der Eingangsbereich werden. Das gesamte erste Obergeschoss wird als Bibliothek dienen, wobei der historische zweigeschossige Festsaal als Lesesaal das Herzstück der rekonstruierten Raumfolgen darstellt. Im zweiten Obergeschoss sind die Leitung der Berufsakademie mit den zugehörigen Verwaltungsfunktionen untergebracht.

"Wichtig ist, dass man erhält, was es noch gibt", sagt Utecht, der die Fertigstellung kaum erwarten kann. Nicht nur, weil es den Campus bereichert, sondern weil der Bau bislang alles andere als ein Aushängeschild ist. Das werde sich ändern. Und dabei soll das Wasserschloss wieder seinem Namen gerecht werden. Die einstigen Gräben werden nach historischem Vorbild modern interpretiert und als flache Wasserbecken an den Charakter des Wasserschlosses erinnern. Die Reste der Brücken, die damals über den Graben führten, existieren vermutlich noch unterhalb der Geländeoberfläche.

Im Inneren lassen die Bauarbeiter den Stuck an den Decken des Schlosses, Säulen, Lüster und Wandfarben in Pastellgrün wieder entstehen. Schon mehrfach wurden in dem Gebäude Umbauten vorgenommen, wurde es doch unter anderem bereits als Lazarett, Gerichtsgebäude und Heimvolkshochschule genutzt.

Um die Sanierung des Wasserschlosses, dessen Beginn im Vorjahr offiziell zelebriert wurde, haben die Geraer lange gekämpft. Als wichtigen "Baustein für Gera und für die Bildungslandschaft" bezeichnete Kultusminister Christoph Matschie (SPD) damals den Baustart. Vorfreude herrscht indes auch beim Studentenförderverein. Der sieht die BA samt neuer Villa als Aushängeschild der Stadt, das man beim Besuch Geras sofort entdeckt - ein Schmuckstück in der Bildungslandschaft.

Wieder Lernen im Schloss

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