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Die Corona-Pandemie in Bildern: Ein Fotojournal aus Thüringen

| Lesedauer: 3 Minuten
1. Oktober 2020: Balletttänzer Luca Scaduto probt im Theater von Nordhausen für eine Ballettgala am folgenden Tag.

1. Oktober 2020: Balletttänzer Luca Scaduto probt im Theater von Nordhausen für eine Ballettgala am folgenden Tag.

Foto: Marco Kneise

Ein neues Journal zeigt Momentaufnahmen von Fotografen dieser Zeitung.

Ein Virus hat die Welt verändert. Alles ist neu. Alles ist anders. So viele Dinge sind einfach unglaublich. Es gibt eine sogenannte „Neue Normalität“. Masken und Abstandsregeln gehören heute zum Alltag. Wir sehen leere Regale in den Supermärkten, geschlossene Schulen, Spielplätze, Kinos, Restaurants, Sporthallen und Stadien. Selfies von Gläubigen hängen in Kirchen, weil Gottesdienste nicht stattfinden können. Es gibt Szenen, die wir bisher nur in Filmen gesehen haben, als zum Beispiel plötzlich eine Hundertschaft von Polizisten in speziellen Pandemie-Schutzanzügen im Einsatz ist.

Im März vergangenen Jahres wurde das öffentliche Leben in Deutschland erstmalig heruntergefahren. Ein sogenannter Lockdown zwang viele Menschen dazu, zu Hause bleiben.

Das Fotojournal, das am Dienstag, 13. April, erscheint, zeigt Bilder, die Fotoreporter der Funke Medien Thüringen in den zurückliegenden Monaten aus unserem Corona-Alltag gemacht haben. Es ist eine Reise durch ein Land im Ausnahmezustand, ein Zeitdokument.

Das Titelfoto von Marco Kneise zeigt auf besondere Weise diesen neuen Alltag. Auf der Suche nach Motiven, die in Nordhausen die gerade verkündete Maskenpflicht illustrieren, lief er an der geöffneten Tür des Standesamtes vorbei. Das Brautpaar, das sich dort gerade trauen ließ, kam mit Mundschutz. Hochzeit in Zeiten von Corona. So entstand das Titelfoto des Journals.

Eines der bewegendsten Bilder ist für mich das Foto, das Tino Zippel im Eingangsbereich eines Pflegeheims gemacht hat. Es zeigt eine alte Frau im Rollstuhl, die durch eine Glasscheibe mit einem Besucher telefoniert. Ein stilles Bild, und trotzdem voller Emotionen.

Alexander Volkmann erinnert sich an den Tag, bevor in Thüringen zum ersten Mal die Schulen geschlossen wurden. Er fotografierte Abiturienten, die alle Schwarz trugen. Es war auch ein Symbol für Abschied, sie ahnten, dass es ihre letzte gemeinsame Aktion sein würde. Die Party am letzten Schultag und der Abiball wurden tatsächlich später abgesagt. Das war so ein Moment, der klarmachte, dass die Corona-Krise Menschen auch Dinge nimmt, die unwiederbringlich sind.

Mich haben zwei Besuche auf der Intensivstation im Geraer Wald-Klinikum tief beeindruckt und nachdenklich gemacht. Ärzte und Pfleger arbeiten hier täglich bis an die Belastungsgrenze, um Leben zu retten. Das Sterben wird dabei leider zum täglichen Begleiter, etwa die Hälfte aller Covid-19-Patienten auf dieser Station hat es nicht geschafft, sagt uns ein Pfleger Anfang Dezember.

Fotografen sind meist stille Beobachter, um Ereignisse und Situationen festzuhalten und sichtbar zu machen. Die Pandemie hat auch uns vor eine sehr besondere Herausforderung gestellt, vielleicht die größte in unserem bisherigen Berufsleben. Noch nie hat ein Ereignis so viele unterschiedliche Gesichter gehabt, noch nie wurden alle Bereiche unseres Lebens so gravierend zur gleichen Zeit aus allem Gewohnten geworfen.

Einzelne Bilder können nur Facetten abbilden, bleiben aber für immer. Wir hoffen, dass sie nicht für immer zum Alltag werden.

Das Fotojournal führt auf 146 Seiten durch einen Alltag im Ausnahmezustand. Es kostet 5,90 Euro, für Abonnenten dieser Zeitung 4,90 Euro. Das Heft ist ab 13. April über den Lesershop dieser Zeitung erhältlich. Bestellungen sind ab 7. April möglich über die Hotline des Lesershops, Tel. 0361/227 5859,
und online unter www.lesershop-thueringen.de