Ausnahmezustand in Jena: Besetztes Haus von der Polizei geräumt

Chaos herrschte gestern in der Jenaer Carl-Zeiss-Straße. Die Polizei löste mit Gewalt eine Versammlung, vor dem am Tag zuvor besetzen Haus, auf. Die Uniklinik bot den Besetzern an, über Nutzungen zu reden. Diese wurden von den Besetzern abgelehnt.

Eine Hausbesetzerin wird von schwer ausgerüsteten Polizisten abgeführt. Foto: Jan-Henrik Wiebe

Eine Hausbesetzerin wird von schwer ausgerüsteten Polizisten abgeführt. Foto: Jan-Henrik Wiebe

Foto: zgt

Jena/Erfurt. Trotz viermaliger Aufforderung hatten etwa 50 jungen Menschen den Ort nicht verlassen. Später wurden auch die Besetzer aus dem Gebäude abgeführt.

Am Vormittag hatte sich der Hausbesitzer, das Universitätsklinikum Jena, um eine friedliche Lösung bemüht. Nachdem ein Telefongespräch nicht möglich war, begaben sich zwei Vorstandsmitglieder und der Chef des Klinik-Geschäftsbereiches für Betreibung und Beschaffung persönlich in die Straße um mit den Besetzern zu reden. Die Unterredung fand unter freiem Himmel statt: Die vermummten Besetzer standen auf dem Balkon ­ des Gebäudes, die Vertreter des Klinikums auf der Straße.

Thüringer Polizei auf Hausbesetzungen vorbereitet

Brunhilde Seidel-Kwem, Kaufmännischer Vorstand und Sprecherin des Klinikumsvorstandes, sagte den Besetzern, dass das Gebäude in der Carl-Zeiss-Straße zum Wohnen nicht geeignet sei. Es gebe dort ein Schimmelproblem und das Haus sei nicht an die öffentliche Versorgung angeschlossen. Sie bot den Besetzern an, über Nutzungen zu reden. Dies sei aber nur über vertragliche Regelungen möglich. Diese wurden von den Besetzern abgelehnt. Sie stellten die Eigentumsverhältnisse grundsätzlich in Frage.

Vertretern der Stadt beobachteten die Entwicklung in der Carl-Zeiss-Straße. Verkehrsbehördenleiter Wolfgang Apelt zeigte sich wenig glücklich, über die seit Montagnachmittag für den Verkehr blockierte Straße. Reinhard Wöckel (Linkspartei) erinnerten die Geschehnisse an die Erstürmung einer Stadtratssitzung im vergangenen Jahr. Er leitete aus der Besetzung ab, dass über freie Räume in der Stadt mehr nachzudenken sei.

Thüringens Polizei ist auf Vorfälle wie in Jena generell vorbereitet. Es gibt dafür sogar eine eigene Strategie, deren Inhalt allerdings vertraulich und "Nur für den Dienstgebrauch" ist. Der Sprecher der Landespolizeidirektion, Dirk Sauter, erläutert jedoch im TLZ-Gespräch, dass dazu neben der Beurteilung der Lage und der Kontaktaufnahme mit dem Eigentümer des besetzen Objekts nicht zuletzt deeskalierende Maßnahmen gehören. "Wir suchen das Gespräch mit den Hausbesetzern", erklärt Sauter. Damit solle erreicht, das Ganze zu einem friedlichen Ende zu bringen. "Wir zeigen den Besetzern aber auch die Konsequenzen ihres Handelns auf", sagt der erfahrene Beamte. Wenn Straftaten vorlägen, sei die Polizei verpflichtet, tätig zu werden.

Jugendliche besetzen seit fünf Jahren leerstehendes Haus in Jena

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.