Ermittler vermuten nach Brand in Gerstungen fremdenfeindlichen Hintergrund

Gerstungen  Feuer in leer stehendem Haus in Gerstungen gelegt. Besitzerin hatte es zuvor auf Facebook für Flüchtlinge angeboten

Ein Spürhund mit einem Polizisten auf dem Weg in das Haus in Gerstungen. Rußspuren finden sich an den Fenstern und den Hauseingängen (links). Die Kripo sagt, das Gebäude wurde vorsätzlich angezündet. Foto: Sascha Willms

Ein Spürhund mit einem Polizisten auf dem Weg in das Haus in Gerstungen. Rußspuren finden sich an den Fenstern und den Hauseingängen (links). Die Kripo sagt, das Gebäude wurde vorsätzlich angezündet. Foto: Sascha Willms

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Das Eigenheim in der Weinbergstraße 20 steht noch nicht so lange leer. Ein paar Monate, so schätzt Bürgermeister Werner Hartung.

In der Nacht zum Freitag mussten gegen 2.45 Uhr die freiwilligen Feuerwehren dorthin ausrücken. Ein Anwohner hatte züngelnde Flammen hinter den Fenstern entdeckt und Feuerwehr und Polizei alarmiert.

Am Morgen folgte die Meldung der Polizei, dass nicht nur vorsätzliche Brandstiftung, sondern auch ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann.

Ein Verdacht, der in dem kleinen Werraort für Unruhe unter den Menschen sorgt. Ich war geschockt, als ich in der Nacht den Anruf bekam, sagt Bürgermeister Werner Hartung, der sich am Freitag ein Bild vor Ort verschaffte.

Erst tags zuvor hatte es wieder einen Fehlalarm in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge und Asylbewerber in Gerstungen gegeben. Doch diesmal dauerte der Einsatz der Feuerwehren aus Gerstungen und Untersuhl mehrere Stunden.

Eigentümerin bot Haus im Netzwerk an

Für mich ist es erschreckend, wie reagiert wird, wenn andere helfen wollen, sagt Werner Hartung, während die von der Kriminalpolizei Gotha eingesetzten Beamten den Tatort besichtigen und Mitglieder der örtlichen Feuerwehr befragen.

Spürhunde der Diensthundestaffel Nord werden am Vormittag eingesetzt, sollen in dem leer stehenden Objekt nach Hinweisen auf Brandbeschleuniger suchen oder nach einer Fährte, die den Kriminologen zeigt, wohin sich ein möglicher Täter entfernt haben könnte. Die Tatortgruppe des Landeskriminalamtes sichert Spuren, eingeschaltet ist überdies auch die Staatsanwaltschaft in Meiningen.

Matthias Kehr, der als Chef der Kriminalpolizeiinspektion die Ermittlungen leitet, betont am Nachmittag, dass die Polizei den Verdacht auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund in Gerstungen weiter verfolgt.

Zwar war das unbewohnte Wohnhaus beim Landratsamt in Bad Salzungen nicht von der Besitzerin gemeldet worden und bisher nicht zur Unterbringung von Flüchtlingen vorgesehen. Es gibt von der Eigentümerin aber einen Eintrag auf ihrer privaten Facebookseite, wo sie ankündigt, ihr Haus als Wohnraum für syrische Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Die Wortmeldung stammt vom 1. September. In den Kommentaren wird die Frau, die nach unseren Informationen zurzeit Urlaub im Ausland macht, gewarnt, wie groß die Gefahr sei, dass jemand ihr Haus anzünden könnte.

Dass dies Realität wird, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen. Die Ermittlungen liefen auch am Freitagnachmittag auf Hochtouren. Das Gerücht, dass es einen möglichen Streit um die Immobilie im Familienumfeld gegeben hat, konnte Matthias Kehr gegenüber unserer Zeitung am Freitag nicht bestätigen.

Die Kriminalpolizei habe aber Beweise sichergestellt, die zweifelsfrei auf eine vorsätzliche Brandstiftung schließen lassen. Die Tatortarbeit selbst war in der Weinbergstraße am Nachmittag abgeschlossen. Matthias Kehr hofft, den Brandstifter schnell ermitteln zu können.

Seit einigen Monaten rumort es in dem Ort, in dem es seit vielen Jahren eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge und Asylbewerber gibt.

Eine selbst ernannte Bürgerwehr hatte sich im Zuge mehrerer Einbrüche im Frühling über das soziale Netzwerk Facebook gegründet. Nachdem die Einbrüche geklärt wurden, ist die Bürgerwehr weiter aktiv, auf der Seite finden sich aber zahlreiche flüchtlingsfeindliche Kommentare. Zu Wort gemeldet hat sich deshalb Freitag auch das Bündnis gegen Rechts im Werratal, das Bürger, Gemeinderat und den Bürgermeister auffordert, stärker gegen solche Tendenzen im Ort Position zu beziehen.

Verurteilt haben auch die beiden Kreisvorsitzenden der Partei Die Linke, Anja Müller und Sascha Bilay, den Brand, sollte sich der Ansatz, dass es sich um einen fremdenfeindlichen Hintergrund handelt, bestätigen. Anja Müller betonte, sie habe immer vor dem Einsatz der Bürgerwehr gewarnt.

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