Polizei findet rechtes Propagandamaterial bei Neonazi-Konzert in Ballstädt

Die kleine 700-Seelen-Gemeinde Ballstädt kommt nicht zur Ruhe. Nach dem brutalen Überfall auf die Kirmesgesellschaft im Februar dieses Jahres löste die Gothaer Polizei am vergangenen Wochenende ein Rockkonzert der rechten Szene auf.

In Ballstädt griffen am vergangenen Wochenende Polizeikräfte bei einem Rechts-Rock-Konzert zu. Bei der Hausdurchsuchung fiel der Polizei umfangreiches Propagandamaterial auf. Foto: Kathleen Sturm

In Ballstädt griffen am vergangenen Wochenende Polizeikräfte bei einem Rechts-Rock-Konzert zu. Bei der Hausdurchsuchung fiel der Polizei umfangreiches Propagandamaterial auf. Foto: Kathleen Sturm

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Ballstädt/Gotha. Am Montag, den 8.12.14, gaben Polizeidirektor Detlev Schum sowie Kriminaldirektor Matthias Kehr weitere Einzelheiten der Öffentlichkeit bekannt.

Nach wie vor leiden die Ballstädter unter den Rechtsradikalen, daran habe sich auch nichts durch die ständige Präsenz der Polizeibeamten geändert. Zum einen sitzt der Schock nach dem Überfall bei den Ballstädtern noch immer tief und zum anderen geht bei vielen Bewohnern die Angst um, war gestern von den Verantwortlichen der Landespolizeiinspektion Gotha zu hören. Doch die Ballstädter sind wachsam, informierten am letzten Samstagabend gegen 19.20 Uhr die Polizei über eine ungewöhnliche Bewegung vor dem "gelben Haus" in der Hauptstraße. Mehr als 20 Fahrzeuge aus Thüringen und weiteren Bundesländern, sogar aus dem Ausland, stauten sich in der Hauptstraße. Polizeidirektor Schum, der den Einsatz leitete, rückte mit Polizeikräften in einem "hohen zweistelligen Bereich" an.

Verbotene Zeichen

92 Personen wurden vor Ort angetroffen, die an einer verschleierten Weihnachts- beziehungsweise Geburtstagsfeier teilnehmen wollten. Schum: In Wirklichkeit fand dort ein Rechts-Rock-Konzert statt. Bereits vor dem Zugriff in das "gelbe Haus" haben Polizeibeamte rechtsradikales Liedgut erkannt, das offensichtlich von einer dort spielenden Band gesungen wurde. "Wir haben bereits Ermittlungen gegen die Bandmitglieder aufgenommen", bestätigte Matthias Kehr von der Kripo Gotha. Die Personalien wurde von allen Personen festgestellt und auch Platzverweise ausgesprochen. Gegen 22.30 Uhr sei die Veranstaltung aufgelöst worden, so Detlev Schum.

Bei der anschließenden Hausdurchsuchung wurde umfangreiches Propagandamaterial aus der rechten Szene entdeckt, wie Musik-CDs, Schlagstöcke, so genannte Quarzhandschuhe, T-Shirts und Fahnen mit Hakenkreuzen und SS-Runen. In einem nur 25 Quadratmeter großen Raum haben die Polizeikräfte Musikinstrumente wie ein Schlagzeug gefunden. In diesem Raum, so Detlev Schum, habe wohl auch das Konzert stattgefunden. Und Matthias Kehr ergänzte: Beim Zugriff im Haus sei es zum Widerstand gegen Beamte gekommen.

Verdacht der Volksverhetzung

"Unser Frühwarnsystem funktioniert", sagt Matthias Kehr. So hätten die Ballstädter viel Zivilcourage und Engagement gezeigt, dass in ihrem Ort eine rechtsradikale Veranstaltung verhindert werden konnte. Nach seiner Aussage gab es an jenem Wochenende noch weitere Veranstaltungen, so in Kirchheim und Eisenach. "Die Polizei beobachtet sehr aufmerksam die Szene", betont Kehr. Die Gothaer Polizei wird ihre Präsenz in Ballstädt fortsetzen, denn Ruhe ist in dem Ort noch lange nicht eingekehrt. Bereits vor zwei Wochen habe es Hinweise gegeben, dass vor dem Objekt in der Hauptstraße viele Personen gesehen worden sind.

"Wir haben unsere Ermittlungen soweit abgeschlossen, jetzt muss die Staatsanwaltschaft Erfurt Anklage gegen den Eigentümer und Veranstalter W. erheben", so der Kripochef. Des Weiteren richten sich die Ermittlungen gegen einzelne Personen. Nach Auskunft von Kriminaldirektor Kehr richtet sich der Verdacht der Volksverhetzung gegen Mitglieder der Musikband. Zudem laufen Ermittlungen wegen der Verbreitung und des Zeigens von Propagandamaterial sowie der nicht angemeldeten Veranstaltung.

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