Windhose beschädigte mehr als vier Kilometer Stromtrasse

Feuerwehren von Bad Sulza und Schmiedehausen waren im Einsatz. Die Straße bleibt möglicherweise noch weiter gesperrt.

Nur Minuten brauchte der Wirbelsturm am Donnerstag, um auf vier bis fünf Kilometern Länge eine Hochspannungsleistung schwer zu beschädigen. Nahe Bergsulza knickte er die großen Gittermasten buchstäblich wie Streichhölzer um. Die Schäden zu beheben, wird Wochen in Anspruch nehmen. Foto: Henry Sowinski

Nur Minuten brauchte der Wirbelsturm am Donnerstag, um auf vier bis fünf Kilometern Länge eine Hochspannungsleistung schwer zu beschädigen. Nahe Bergsulza knickte er die großen Gittermasten buchstäblich wie Streichhölzer um. Die Schäden zu beheben, wird Wochen in Anspruch nehmen. Foto: Henry Sowinski

Foto: zgt

Bad Sulza. Zwei Bürger waren es, die am Donnerstagnachmittag die Rettungsleitstelle in Apolda alarmierten: Eine Windhose wütet zwischen Bergsulza und Schmiedehausen und reißt sogar Strommasten um. Gut, dass parallel mindestens ein weiterer Bürger den Bürgermeister von Schmiedehausen anrief - die Wehr wäre sonst ahnungslos geblieben, weil die Sirene schwieg. Die hatte nämlich schon keinen Strom mehr. Bernd Otterstein: "Unser Feuerwehrchef war nur zwei Häuser weiter, da bin ich schnell rübergerannt." Sozusagen per Mund-zu-Mund-Alarmierung erfuhren die Feuerwehrmänner vom Einsatz.

Das klappte bei der Stützpunktfeuerwehr Bad Sulza dank Funkmeldeempfänger wesentlich einfacher. Wehrführer Falko Herrmann, der auch den Einsatz leitete: "Vor Ort sahen wir, dass es nicht einfach nur Strommasten, sondern die großen Gittermasten der 380-kV-Leitung aufs Feld gestürzt waren. Die Leitungen hingen in den Bäumen oder lagen auf der Straße." Der Sturm freilich war da längst durchgezogen. Für die Einsatzkräfte, die nicht wussten, ob die Leitungen schon stromlos waren, hieß es, den Verkehr in respektvoller Entfernung zu stoppen, was bei der Unvernunft mancher Kraftfahrer nicht einfach war. Auch die alarmierten Techniker der Eon konnten nicht viel ausrichten - Betreiber der Stromtrasse ist das Unternehmen "50 Hertz".

"Unser Feuerwehrhäuptling musste seinen Geburtstag auf dem Berg feiern." Johannes Hertwig, Bürgermeister Bad Sulza

Herrmann schickte den Rüstwagen der Feuerwehr quer übers Feld in Richtung Lachstedt. Denn nach ersten Informationen sollte dort möglicherweise ein Schulbus liegengeblieben sein - was sich nicht bewahrheitete, er hatte inzwischen seine Fahrt fortsetzen können. Die Drehleiter machte auch wieder kehrt und nahm den weiten Umweg über die Sauenanlage Niedertrebra und Escherode in Kauf, um von der anderen Seite aus die Schmiedehäuser Feuerwehr zu unterstützen.

Neben den Absperrungen galt es zudem, sechs umgestürzte Bäume von der Fahrbahn zu beräumen. Menschen kamen durch die Windhose glücklicherweise nicht zu Schaden. Großes Lob hatte der Feuerwehrchef für die Einsatzbereitschaft der Wehr aus Schmiedehausen. Deren Wehr nämlich "wackelte" schon und wollte ihre Aufgaben an die Bad Sulzaer abschieben. Seither gibt es eine Kooperation und gemeinsame Ausbildung. Mit Erfolg, wie die "Feuertaufe" bewies.

Für den Straßenverkehr kann die Windhose durchaus noch längere Beeinträchtigungen mit sich bringen. Laut 50-Hertz-Pressesprecher Volker Kamm werden derzeit die Leitungen entlastet, um sie ohne Gefahr für die noch stehenden Masten kappen zu können. Vier Masten waren am Donnerstag umgestürzt, ein fünfter kippte Freitag. Vor Ort hieß es, die Straße können "im besten Fall Freitagabend" freigegeben werden. Autofahrern empfahl Kamm dennoch, weiter mit einer Sperrung zu rechnen. Das Unternehmen, das über Eingriffe an den Kraftwerken die Versorgungssicherheit gewährleistet, wird eine Ersatzleitung bauen. Das jedoch, so der Sprecher, "wird Wochen dauern" - die Beschädigungen erstrecken sich über 4 bis 5 Kilometer.

Im Einsatz waren am Donnerstag 21 Mitglieder mit fünf Fahrzeugen der freiwilligen Feuerwehren von Bad Sulza und Schmiedehausen.