Bratwurstmuseum künftig ohne Kreisel und Wachsenburg-Blick

Ilm-Kreis  Touristischer Magnet in der Region zieht 2020 nach Mühlhausen um. Kapazitäten waren in Holzhausen begrenzt

Nachdem der Bratwurstvertrag in der Bratwurstscheune unterschrieben war, ging es zum Gruppenfoto mit Bratwurst auf die Riesenbratwurst. Jan Kratochwil (vorn von links), Thomas Mäuer, 7. Thüringer Bratwurstkönig Norbert Abt, Mühlhausens OB Johannes Bruns und Uwe Keith.

Nachdem der Bratwurstvertrag in der Bratwurstscheune unterschrieben war, ging es zum Gruppenfoto mit Bratwurst auf die Riesenbratwurst. Jan Kratochwil (vorn von links), Thomas Mäuer, 7. Thüringer Bratwurstkönig Norbert Abt, Mühlhausens OB Johannes Bruns und Uwe Keith.

Foto: Daniel Volkmann

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Von Holzhausen nach Mühlhausen, das ist aber wörtlich genommen schon die einzige Vergleichbarkeit für den alten und neuen Standort des 1. Deutschen Bratwurstmuseums.

Natürlich ist der Verein der „Freunde der Thüringer Bratwurst“ als Träger des Museums so findig, wie bei all seinen von Ideen sprießenden Veranstaltungen, auch einen historischen Bezug zu Mühlhausen zu finden. Rund vier Jahre verbrachte Johann Sebastian Bach in Arnstadt , bevor er 1707 weiterzog und Organist an der Divi-Blasii-Kirche in Mülhausen wurde. Man ziehe ihm jetzt nach und außerdem von der Mitte Thüringens in die Mitte Deutschlands. Wie gesagt, der Verein war nie um Rekorde verlegen, seien sie auch noch so abwegig gewesen.

Nach zwei Jahren Standortsuche habe man nun eine ideale Lösung gefunden, hieß es am Dienstag zur offiziellen Verkündung der Umzugsabsichten.

Marke und Idee wird an Investor verkauft

Neuer Eigentümer wird Jan Kratochwil (36), Geschäftsführer der Firmengruppe JKAG.DE, der die Marke und die Idee kauft. Der Mühlhäuser möchte das Museum auf dem Gelände eines einstigen Zwangsarbeiterlagers am Mühlhäuser Stadtwald wieder aufbauen – und erweitern.

Zum Unterschreiben eines „Bratwurstvertrages“ war auch Mühlhausens Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) nach Holzhausen in die Bratwurstscheune gekommen. Bruns erwartet einen Schub für den Tourismus und für die Mühlhäuser Innenstadt. Schon heute soll der Stadtrat einen Aufstellungsbeschluss für das Projekt fassen.

50.000 Gäste brachte das Bratwurstmuseum jedes Jahr in den Vorort von Arnstadt. Eine Zahl, die wachsen dürfte, angesichts des Vorhabens, das Museum dann in Mühlhausen das ganze Jahr über zu öffnen, statt wie bisher nur sechs Monate.

Das Gelände sei 16 Hektar groß, damit 16 Mal größer als das in Holzhausen, sagte der Investor. Er habe das Gelände vor zehn Jahren erworben, und seither nach dem passenden Magneten gesucht, der nicht da war. Er hatte sogar schon an Riesenräder gedacht. Um den neuen Standort haben Uwe Keith, der Vorsitzende des 350 Mann starken Vereins der „Freunde der Thüringer Bratwurst“, sein Vize, Thomas Mäuer, und Jan Kratochwil lange ein Geheimnis gemacht. Ein Grundstück in Arnstadt stand zur Auswahl, es habe aber das schlüssige Konzept gefehlt, so Keith. Im Gespräch war man auch mit Interessenten in Erfurt und Oberhof. Der Investor will eine siebenstellige Summe aufbringen. In Holzhausen ist man an die Grenzen gestoßen. 50.000 Besucher pro Jahr und 400 Reisebusse verkraftete das Dorf nicht. Zudem fehlte es an der Barrierefreiheit. Der Verein bleibt in Holzhausen, behält die Trägerschaft für das Museum und will dort weiter Veranstaltungen stattfinden lassen. Der Dreiklang Museum, Verein und Herkunftsverband Thüringer und Eichsfelder Wurst bleibe erhalten, ebenso alle Aktivitäten um Thüringens Kulturgut.

Früher Unterkunft für Zwangsarbeiter

Das Gelände am Stadtwald in Mühlhausen liege in landschaftlich reizvoller Umgebung. In der ersten Ausbaustufe ist es geplant, Museum, Gastronomie und alle Erlebnisstandorte 2020 zu verlegen.

Die Arnstädter Stadträtin Judith Rüber (Linke), teilte zum neuen Standort auf Facebook mit: „Im Lager Martha II/ B-Lager Mühlhausen wurden bis zu 696 weibliche, jüdische Häftlinge zwischen 15 und 33 Jahren aus Ungarn und Polen interniert und zur Fabrikarbeit in den im Wald versteckten Produktionshallen der Gerätebau GmbH, einem Zweigwerk der Ruhlaer Uhrenfabrik Thiel und Rüstungslieferanten der Wehrmacht, gezwungen. Die Arbeit erfolgte im Dreischichtbetrieb. Das Außenkommando des Konzentrationslager (KZ) Buchenwald wurde im März 1945 aufgelöst und die Frauen ins KZ Bergen-Belsen verlegt, wo die meisten verhungerten oder an Krankheiten starben.“

Ob der Investor keine moralischen Bedenken habe, auf diesem Gelände den Rost brennen zu lassen, fragte ihn unsere Zeitung. Er gab die Frage weiter an die Wirtschaftsförderung Mühlhausen. Christian Fröhlich verwies auf die gelebte Gedenkkultur in Mühlhausen an drei Orten. Der Platz für das Bratwurstmuseum gehöre nicht dazu, es würde dort aber eine Stele für die Opfer vorhanden sein. Es sei kein Außenlager gewesen.

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