Schüler mit Staatstrojaner geködert: Warnung vor Preisgabe zu vieler Daten im Internet

Lutz Hasse will den Datenschutz verstärkt in die Welt der Schule tragen. Helfen wird dem Landesbeauftragten dabei das Lehrerfortbildungsinstitut Thillm. Das Problem fängt schon beim Klassenbuch an.

Facebook steht nicht so auf Datenschutz. Wenigstens die elektronische Gesichtserkennung ihrer Millionen Nutzer haben die Betreiber vorerst für Europa gestoppt. Weil Datenschützer protestierten.

Facebook steht nicht so auf Datenschutz. Wenigstens die elektronische Gesichtserkennung ihrer Millionen Nutzer haben die Betreiber vorerst für Europa gestoppt. Weil Datenschützer protestierten.

Foto: zgt

Erfurt. Facebook steht nicht so auf Datenschutz. Wenigstens die elektronische Gesichtserkennung ihrer Millionen Nutzer haben die Betreiber vorerst für Europa gestoppt. Weil Datenschützer protestierten.

Lutz Hasse ist immer wieder erstaunt, wie unbefangen vor allem junge Leute ihre persönlichen Daten im Netz preisgeben. Die meisten, sagt der Thüringer Landesbeauftragte für den Datenschutz, seien sich möglicher Folgen gar nicht bewusst. Und sie würden auch ihre Rechte nicht kennen.

Hasse, seit März im Amt, will daran etwas ändern. Als er ein Gymnasium besuchte, fragte der promovierte Jurist die Schüler nach ihren Grundrechten. Die Resonanz war dünn. Erst als Hasse mit dem Beispiel des Staatstrojaners kam, wurden die Jugendlichen munter. Was? Staatliche Behörden brechen heimlich in meinen PC ein und lesen alles mit? Kann nicht sein! "Genau so hat es das Bundesverfassungsgericht auch gesehen", antwortete der Datenschützer und freute sich. Man müsse das Thema nur schmackhaft vermitteln, dann werde es auch für Schüler attraktiv.

Deshalb gibt es jetzt einen Kooperationsvertrag mit dem Thillm, dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien. Ziel der Zusammenarbeit ist, über datenschutzrechtliche Problemstellungen aus der Schulwelt zu informieren. Was sollte im Internet-Auftritt einer Schule zu finden sein, was nicht? Ist eine Videoüberwachung des Fahrradständers erlaubt, wenn dort wiederholt geklaut wurde? Wer darf ins Klassenbuch gucken und welche Daten sollten darin nicht gesammelt werden?

Lehrer beim Thema Datenschutz unsicher

Beim Datenschutz zeigen sich auch Lehrer verunsichert, hat Lutz Hasse festgestellt. Großes Staunen, wenn er erklärt, dass nach Thüringer Recht die Verarbeitung persönlicher Daten erst mal grundsätzlich verboten ist. Und nur die gesetzlich fixierten Ausnahmen eine Datenverarbeitung erlauben. So sei schon strittig, erklärt der Datenschützer, ob Lehrer, welche Noten einer Leistungskontrolle vor der gesamten Klasse verkünden, eventuell gegen Persönlichkeitsrechte verstoßen. Wohl kaum gegen die der Einser, schränkt Hasse ein. Aber müsse man die mit den schlechten Zensuren auch noch öffentlich bloßstellen? Dafür gebe es keine Rechtsgrundlage.

Das Kultusministerium hat zwei Lehrer-Abordnungen zum Datenschutzbeauftragten ausgeschrieben. Für neun bis zwölf Monate sollen die Pädagogen mit ihrer Praxiserfahrung Hasses Juristen helfen, anwendbares Unterrichtsmaterial zu erarbeiten. Vor allem für Lehrer, die Medienkunde unterrichten. "Der Teilbereich Datenschutz ist da noch arg unterbelichtet", findet Hasse, der zusammen mit dem Thillm auch in die Lehrer-Referendarausbildung vorstoßen will.

"Klicksafe", die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Internet, habe schon brauchbares Unterrichtsmaterial, etwa zu Cyber-Kriminalität und Privatsphärenschutz, im Netz veröffentlicht. "Aber es ist natürlich nicht auf Thüringen zugeschnitten", erklärt der Datenschutzbeauftragte, warum seine 15-Mann-Behörde selbst aktiv werden will. Das Thüringer Datenschutzgesetz und das Thüringer Schulgesetz hätten durchaus ihre Eigenheiten.

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