Die Erfurter Schauspielerin und Musikerin Yvonne Catterfeld wird 40: „Zeit habe ich genug verschwendet“

Yvonne Catterfeld spricht über eiskalte Killer, leckere Chips und runde Geburtstage.

Yvonne Catterfeld: Früher spielte sie bei GZSZ – heute ist sie dem Bösen auf der Spur.

Yvonne Catterfeld: Früher spielte sie bei GZSZ – heute ist sie dem Bösen auf der Spur.

Foto: Britta Pedersen

In der ARD-Reihe „Wolfsland“ jagt sie derzeit wieder Mörder in Görlitz. Sie ist Jurymitglied in der TV-Castingshow „The Voice Senior“ und selber Musikerin und Komponistin. Am 2. Dezember feiert Yvonne Catterfeld ihren 40. Geburtstag – Zeit für Rück- und Ausblicke.

Frau Catterfeld, sind Sie eigentlich ein Krimi-Fan?

Ich muss gestehen, dass ich kein bekennender Krimi-Fan bin. Aber es gibt natürlich Filme und Serien, die mich nicht kalt lassen. Ich mag es, wenn die einzelnen Figuren näher beleuchtet werden — und nicht nur der Mord im Mittelpunkt steht.

Als Krimi-Schauspielerin sind Sie aber derzeit in „Wolfsland“ ziemlich erfolgreich…

Ich finde, dass die Reihe einige außergewöhnliche Elemente hat — und das mögen offenbar auch die Zuschauer. „Wolfsland“ geht manchmal schon in Richtung Psychothriller — und das ist spannend und reizvoll. Sonst hätte ich die Rolle damals wohl auch nicht übernommen.

Auf jeden Fall werden die Filmszenen immer düsterer – ist das dem Zeitgeist und den beliebten nordischen Krimis geschuldet?

Ich glaube nicht, dass man einfach etwas kopieren will. Aber bei den ersten Filmen ist man sicher noch etwas vorsichtig gewesen, schließlich weiß man nie, wie Darsteller und Themen ankommen. Die Fälle, die aktuell im TV laufen, sind eine konsequente Fortentwicklung der Reihe. Das war von Anfang an so geplant.

Schauen Sie eigentlich nach jeder Ausstrahlung gebannt auf die Quoten?

Ich nicht, aber natürlich schauen andere darauf. Und es ist auch klar, dass wir als Team eine gewisse Abhängigkeit haben — von den Zuschauern.

Haben Sie Einfluss auf die Rolle, im sechsten Fall „Heimsuchung“ durften Sie beispielsweise sagen, dass Sie aus Erfurt sind…

… ach, das war auch eine Überraschung für mich, ich fand’s aber ganz cool und stimmig. Wir haben insgesamt das große Glück, dass uns die Autoren schon sehr früh in die Rollen einführen. Wir sind über die Jahre zu einem tollen Team geworden. Es wäre bestimmt möglich, mehr Einfluss zu nehmen, aber die Drehbuchschreiber machen einen so tollen Job, dass das gar nicht notwendig ist.

Klingt, als geht es weiter mit „Wolfsland“ — verraten Sie, ob wir uns Hoffnung auf eine kleine Liebelei der beiden Haupt-Darsteller machen können?

Nur so viel: Es bleibt spannend. In manchen Szenen bekommt man den Eindruck, sie gehören zusammen. Dann sind sie sich wieder fremd, um sich im nächsten Augenblick zu vermissen. Es ist ein ständiges Spiel — das macht unser Ermittlerpaar so interessant und unterhaltsam.

Unterhaltsam ist definitiv auch die Figur der Kommissarin Viola Delbrück. Sie wird immer kraftvoller, sie ist herrlich launisch, knurrig und unbeherrscht. Macht Ihnen diese Entwicklung Spaß?

Für einen Schauspieler ist das natürlich ein tolles Geschenk. Eine Figur, an der man sich reiben kann. So etwas kann man wunderbar spielen — und es kommt auch bei den Zuschauern gut an. Es schlummert noch einiges in Viola Delbrück, was an die Oberfläche will.

Das klingt, als wären Sie gerne häufiger der unberechenbare und eiskalte Killer…

Ich bin bereit.

Viola Delbrück ist auch ein absoluter Bauchmensch, ist das eine Ähnlichkeit zu Ihnen?

Auf jeden Fall. Von Natur aus bin ich ein Gefühlsmensch. Leider war der Wesenszug eine ganze Weile verschüttet. Es gab eine viel zu lange Zeit in meinem Leben, in der ich unnötigerweise auf andere und nicht auf meine innere Stimme gehört habe. Inzwischen bin ich zu meinem Naturell zurück gekehrt…

Bedeutet?

Einfach mal impulsiv sein — und das meine ich im positiven Sinne. Es geht nicht darum, jemand anderen zu verletzten. Aber wenn mich etwas stört, wenn ich mich ärgere, dann sage ich es gerade heraus. Ich will nichts verstecken oder verschweigen — das musste ich aber erst wieder lernen.

Am 2. Dezember feiern Sie einen runden Geburtstag. Lässt Sie die Zahl kalt?

Nein. Aber abgesehen von dem bloßen Datum, fühle ich mich jung, dynamisch und leidenschaftlich. Man muss es sich einfach immer wieder sagen: Jetzt sind die besten Jahre. Es gibt viele Gründe, sich selber zu feiern — für das, was man erreicht hat, und wer man ist…

Achten Sie auf Ihre Gesundheit?

Ich bin mehr der Oder-auch-nicht-Typ. Ich nehme mir immer vor, mehr zu machen. Einfach ein wenig Pilates zu Hause und 15 Minuten auf meinem Trampolin umherspringen, das hält fit und man bekommt gute Laune. Mit der Ernährung ist es ähnlich. Ich versuche natürlich, vernünftig und gesund zu leben — aber ab und an überkommt es mich: Ich liebe Chips, ich liebe es zu backen und ich mag als Thüringerin natürlich Klöße und alles was dazugehört.

Es heißt, dass Umwelt und Nachhaltigkeit große Themen für Sie sind?

Das sollten sie für jeden sein, aber alles ist nicht lebbar und dafür müssen neue Möglichkeiten geschaffen werden. Der ganze Verpackungsmüll ist ein riesiges Problem — und da müssen wir schleunigst umdenken. Beispielsweise achten die Caterer am Filmset bereits darauf, dass nicht zu viel Plaste und Pappe verwandt wird. Es wäre schändlich, wenn die nächsten Generationen das ausbaden müssten, was wir aus Dummheit in den Sand gesetzt haben.

Wenn man Ihre Karriere verfolgt, dann stellt man fest, dass Sie in den letzten Jahren regelmäßig Auszeiten genommen haben…

…und das ganz bewusst. Lange Zeit war ich eine Getriebene, dachte immer: ich muss, ich muss, ich muss. . .

Heute — und das ist das Gute am Älterwerden — wäge ich sorgfältig ab, was ich wirklich gerne machen möchte und vor allem, was familiär machbar ist. Zeit habe ich genug verschwendet.

Klingt, als würde die eigene Gesangskarriere wieder mehr in den Mittelpunkt rücken?

Auch! Ab Februar werde ich mein Album fertig schreiben. Musik ist eine wichtige Sache für mich, da liegen meine Wurzeln. Urbaner Pop/Soul — mit fetten Beats.

Der ARD-Krimi „Wolfsland – Heimsuchung“ läuft am Donnerstag, 5. Dezember, 20.15 Uhr.

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