Ein Fest der Begegnung in Heiligenstadt

Heiligenstadt  Unerwarteter Erfolg und Zuspruch beim ersten Tag der offenen Gesellschaft auf dem Heiligenstädter Wilhelm.

Miteinander sprechen: Das war das Wichtigste am Donnerstagabend auf der Wilhelmstraße. Das nutzten mehr Menschen als gehofft.

Miteinander sprechen: Das war das Wichtigste am Donnerstagabend auf der Wilhelmstraße. Das nutzten mehr Menschen als gehofft.

Foto: Eckhard Jüngel

Es ging nicht in erster Linie darum, mit Asylbewerbern zu sprechen. Es ging vielmehr darum, überhaupt miteinander ins Gespräch zu kommen. Jung und alt, Fremde und Freunde, Kulturschaffender und Stadtrat, Nachbarn und flüchtig Bekannte – alle Konstellationen waren erwünscht.

„Vor allem aber ging es darum, Ängste abzubauen und einfach einander zuzuhören“, sagt Karola Klingebiel von der Ko-ra-le, die diesen Tag maßgeblich mit organisiert hat. So unterschiedlich wie die Menschen seien auch Meinungen. Und genau sich über die auszutauschen, ohne sich gegenseitig anzugreifen oder zu verurteilen, bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen sachlich zu diskutieren, das war das Anliegen dieses ersten Tages der offenen Gesellschaft mitten auf dem Heiligenstädter Wilhelm. „Wir haben viele gute Gespräche geführt. Wir wollten das Positive in der Gesellschaft in den Blick rücken. Ich glaube, das ist ganz gut gelungen“, resümiert Karola Klingebiel.

Vor allem hat es sie gefreut, dass sich die Stadträte vor und nach ihrer konstituierenden Sitzung unter die Menschen gemischt haben, Senioren, Kinder, alle waren mittendrin. Auch der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr stand plötzlich mitten unter den Menschen, genau wie Propst Hartmut Gremler. „Die evangelische Kirche hatte sich entschuldigt, sie ist nächstes Jahr mit dabei“, weiß Karola Klingebiel. Der Stormverein, der am vorigen Samstag von der Aktion in der Zeitung las, meldete sich noch spontan an. Die Feuerwehr hatte die Tische und Stühle gebracht, die in der Fußgängerzone aufgestellt wurden, die Kuchen hatten der Jugendmigrationsdienst und die Caritas gebacken. „Natürlich streng samt Zutatenliste vom Gesundheitsamt abgenommen.“ Die Trommlergruppe der Ko-ra-le rund um Lehrer Adjei Adjetey aus Ghana absolvierte ihren ersten öffentlichen Auftritt. Die Tanzgruppe der Gemeinschaftsunterkunft Bornhagen tanzte für die Gäste, aus Leinefelde kamen Jonez‘ Kids. Es gab Spiele und Spaß für die Kleinen und eine große Wand, auf die die Gäste schreiben durften, was sie sich von der Gesellschaft wünschen. Diese Wand wird an die Stadt übergeben. „Wenn viele zusammenarbeiten und jeder kann etwas, dann klappt das auch“, ist Klingebiel überzeugt. Viele Partner haben dieses Experiment in der Kreisstadt unterstützt. Am Montag gibt es ein Auswertungstreffen. „Aber ich kann jetzt schon sagen, dass wir diesen Tag nächstes Jahr wiederholen werden.“ Einen Wermutstropfen gab es aber: In der Nacht zum Donnerstag haben Unbekannte ein großes Hinweisplakat beschmiert. „Aber damit haben wir gerechnet.“

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