Hören – ein unterschätztes Thema: OTZ sprach zum Welttag des Hörens mit HNO-Spezialisten aus Jena

Jena  Dem Gehör Gehör verschaffen, dass haben sich nicht nur die Weltgesundheitsorganisation und der Bundesverband der Hörgeräte-Industrie mit dem ersten Welttag des Hörens auf ihre Fahnen geschrieben.

OTZ-Praktikantin Laura Zander braucht bis jetzt noch kein Hörgerät. Doch zum heutigen Welttag des Hörens am 2. März testet sie für die OTZ einen sogenannten Kinnbügelhörer, mit dem ­man Fernsehsendungen auch hören kann. Foto: Theresa Schödensack

OTZ-Praktikantin Laura Zander braucht bis jetzt noch kein Hörgerät. Doch zum heutigen Welttag des Hörens am 2. März testet sie für die OTZ einen sogenannten Kinnbügelhörer, mit dem ­man Fernsehsendungen auch hören kann. Foto: Theresa Schödensack

Foto: zgt

Nichtsehen trennt den Menschen von den Dingen – Nichthören hingegen trennt den Menschen von den Menschen. Die Worte der taubblinden Schriftstellerin Helen Keller könnten nicht passender ­beschreiben, warum das Hören für unser Leben eine so große Bedeutung spielt.

Unser Gehör ist ein so grundlegender Bestandteil unseres ­Lebens, dass die meisten Menschen es als selbstverständlich betrachten. Wer hören kann, der kann mit anderen Menschen in Kontakt treten, auf Fragen antworten oder über Witze ­lachen. Nichthören bildet eine unsichtbare Barriere in der Kommunikation, welche nicht selten zum Ausschluss führt.

Der Hörverlust ist eine schwere Beeinträchtigung

Das weiß auch Sven Koscielny, leitender Oberarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Uniklinik Jena. „Der Hörverlust scheint nach und nach seine Bedeutung in unserer Gesellschaft als schwere Behinderung zu verlieren.“ Es sei für viele Menschen ein weitaus größerer Schritt sich ein Hörgerät anzuschaffen, als sich eine Brille zu besorgen.

Mit dem ersten Welttag des Hörens am heutigen 3. März wollen die Weltgesundheitsorganisation und der Bundesverband der Hörgeräte-Industrie diesem wichtigen, aber stiefmütterlich behandelten Thema wieder mehr Bedeutung ver­leihen. Durch Informationskampagnen rund um den Welttag des Hörens sollen möglichst viele Menschen für den eigenen Hörsinn sensibilisiert werden.

„Hören bedeutet Kommunikation und ist ein unersetzlicher Bestandteil unseres sozialen ­Lebens“, erklärt Sven Koscielny. Umso wichtiger sei es, gerade auch jüngeren Menschen klar zu machen, dass der Verlust des Hörens kein Alter kennt. „Man kann keinesfalls am Alter einer Person fest machen, wann eine Person ein Hörgerät benötigt. Es kommt darauf an, wie sorgsam man mit seinem Gehör um­gegangen ist“, erklärt der Oberarzt.

Die Bedeutung guten Hörens und die Folgen eines Hörverlusts werden noch immer unterschätzt. „Mit der zunehmenden Alterung unserer Gesellschaft und der wachsenden Lärmbelastung in unserer Umwelt sind immer mehr Menschen von Hörverlust betroffen“, sagt Sven ­Koscielny. Am Arbeitsplatz gibt es Richtlinien zur Hörbelastung. Die gibt es außerhalb des ­Berufes nicht. Deshalb muss ­jeder auf sich und seine Ohren selbst achten.

Immer mehr junge Menschen sind betroffen

„Es existieren keine sauberen Zahlen, die belegen, dass mehr junge Menschen schlechter hören, als es noch früher der Fall war“, erklärt der Hals-, Nasen- und Ohrenspezialist. Allerdings wird davon ausgegangen, dass durch die Verwendung von Mp3 Playern und Walkman, sowie Musik hören über Smartphones, die Zahl der 20 bis 30-Jährigen, die Probleme mit ihrem Gehör haben, in Zukunft drastisch ­steigen wird.

Doch wie bei Vielem, kann man auch der frühzeitigen Verwendung eines Hörgerätes vorbeugen. „Man sollte seinen ­Ohren öfter mal Ruhephasen gönnen und wenn es geht, Lärmbelastungen vermeiden“, rät Sven Koscielny.

Wenn es zu spät für Vorkehrungen ist, dann ist es wichtig sich frühzeitig bei einem Hörtest untersuchen zu lassen. „Das Gehirn muss sich erst an ein Hör­gerät gewöhnen. Wenn man ­öfter das Gefühl hat, in ­Gesprächsrunden etwas akustisch nicht zu verstehen, oder das Hörerlebnis bei Musik ein anderes ist, man zum Beispiel die höheren Frequenzen eines Liedes nicht mehr wahrnehmen kann, dann sollte man einen Termin bei seinem Hals-Nasen-Ohren-Arzt machen.

Wo Hörtests und Aktionen zum Welttag des Hörens stattfinden erfahren Sie unter www.welttag-des- hoerens.de

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