Preis für Bad Klosterlausnitzer Rehabilitationsklinik

Bad Klosterlausnitz  Chefarzt Hans Ziegenthaler stellte Studienergebnisse beim Wundkongress in Nürnberg vor.

Hans Ziegenthaler, Chefarzt des Rehazentrums in der Moritz-Rehabilitationsklinik, kontrolliert bei Fredi Kühne den Sitz der Schutzmaske.

Hans Ziegenthaler, Chefarzt des Rehazentrums in der Moritz-Rehabilitationsklinik, kontrolliert bei Fredi Kühne den Sitz der Schutzmaske.

Foto: Andreas Schott

Mit einem „Poster-Preis“ ist die Moritz-Rehabilitationsklinik Bad Klosterlausnitz für die Vorstellung einer wissenschaftlichen Studie beim ersten Nürnberger Wundkongress ausgezeichnet worden.

Dr. Hans Ziegenthaler (53), Chefarzt des Rehazentrums für Brandverletzte, hatte die Studie beim Kongress vorgestellt. Darin geht es um einen Mehraufwand, der bei der Behandlung von Patienten mit multiresistenten Keimen unter Isolationsbedingungen betrieben werden muss, um dennoch zufriedenstellende Rehabilitationsergebnisse erreichen zu können.

„Dieser zu leistende Mehraufwand ist mit Kostensteigerungen verbunden, die bisher von den verschiedenen Kostenträgern nicht erstattet werden. Diese Problematik trifft im Prinzip alle Kliniken, insbesondere solche, die Transplantationen durchführen beziehungsweise Menschen mit schweren Herzproblemen behandeln“, sagt Hans Ziegenthaler.

In seiner Studie hatte der Chefarzt 2135 Reha-Fälle aus den Jahren 2004 bis 2017 ein halbes Jahr lang wissenschaftlich analysiert. Gemeinsam mit den Ressortleitern Dagmar Lacheim, Evelin Clauss und Jens Müller wurden die zeitlichen Prozesse ausgewertet und als nachweisbare Fakten dokumentiert. Daraus ablesbar seien die Mehraufwände bis hin zu den auflaufenden Mehrkosten für die Klinik, teilt die Moritz-Klinik mit.

Gestiegene Kosten schrittweise anpassen

Mehrere Gründe seien dabei für den Mehraufwand verantwortlich. Zum einen durchlaufen Patienten nach einem Unfall wesentlich eher eine Reha. „Im Durchschnitt sind es heute 60 Tage nach einem Unfallereignis. Noch Ende der 90er Jahre waren es 99 Tage, bevor die erste Rehamaßnahme anlief“, sagt Dr. Ziegenthaler.

Gestiegen seien zudem die medizinischen Anforderungen. Patienten werden zudem aus demografischen Gründen immer älter. Einhergehend sind die Erkrankungen auch schwerer. „Und wissen muss man auch, dass die Überlebenschance für Brandopfer gegenüber vor zwanzig Jahren um zehn Prozent gestiegen ist. Überlebten Ende der 90er Jahre 80 Prozent, sind es heute 90 Prozent der Verunglückten“, beschreibt er.

Ziel der mit der Studie erneut angefachten Diskussion sei es, dass die Kostenträger den gestiegenen Mehrkosten Rechnung tragen und Stufenweise die Finanzierung der zusätzlichen Leistung anpassen.

Schon seit etwa zehn Jahren diskutiere man die bestehende Unterfinanzierung, die in der Moritz-Klinik bisher durch Querfinanzierungen abgefedert wurde. Doch jetzt sei eine Grenze erreicht, weil auf Dauer dringend benötigte Gelder für andere Maßnahmen nicht mehr ausreichend vorhanden sein würden, meint der Chefarzt.

Patienten mit multiresistenten Keimen

„Keime können sich bei Patienten entwickeln, die schwerste Verletzungen haben oder schwer erkrankt sind, in meinem Verantwortungsbereich handelt es sich um Patienten mit schwersten Brandverletzungen, weil das Immunsystem stark gefordert ist, um das Überleben zu sichern. Damit ist das Immunsystem aber auch geschwächt und anfällig für Bakterien, gegen die auch keine Antibiotika wirken. 20 Prozent der schwer verletzten Patienten erleiden dann eine Resistenz, die wiederum zu Isolationsbedingungen führt“, sagt Dr. Hans Ziegenthaler.

In Bad Klosterlausnitz durchlaufen 250 Patienten im Jahr die Klinik. Um dem Bedarf an Rehaplätzen für Brandverletzte gerecht zu werden – in der Moritz-Klinik hat man sich in den letzten 20 Jahren nicht nur deutschlandweit einen guten Ruf erarbeitet – sei im letzten Herbst die Kapazität von 15 auf 40 Betten erhöht worden, teilt die Klinik mit.

Hans Ziegenthaler, seit 2000 Oberarzt und seit Juni letzten Jahres Chefarzt, geht seiner medizinischen Arbeit mit Leidenschaft nach. „Schwer verletzten Brandpatienten zu helfen, in der Regel dauert die Behandlung bis zu zwei Jahren, ist nicht nur eine ärztliche Aufgabe, sondern eine Berufung für mich“, sagt er.

Dabei setzt der Chefarzt auf ein funktionierendes Team, in dem er zwar der Koordinator sei, aber ohne die Mitarbeiter keine erfolgreiche Arbeit leisten könne. Krankengymnasten, Therapeuten, Psychologen, Orthopäden, der soziale Dienst, Neurologen, Internisten, der Reha-Arzt und die Kostenträger nennt er beispielgebend.

Brandpatient Fredi Kühne ist zum wiederholten Mal in der Moritz-Klinik. Er fühle sich hier in sehr guten Händen, meint der 74-Jährige aus dem Altenburger Land. „Ich wollte unbedingt die Reha in der Moritz-Klinik machen und habe sogar eine Wartezeit in Kauf genommen“, sagt er.

Physiotherapeutin Annika Ladewig (23), sie ist seit November in der Rehaklinik tätig, war einst nach einer Brandverletzung selbst Patientin in Bad Klosterlausnitz. Es sei am Rost passiert. „Als ich Gebrutzeltes wenden wollte, hat ein herumstehender Spiritus hineingespritzt, und es gab eine Stichflamme“, erzählt sie. Die letzte Rehabehandlung in der Moritz-Klinik hatte sie 2017. „Und danach habe ich mich entschieden, Physiotherapeutin zu werden. Und die Arbeit macht mir großen Spaß und ich bin sehr zufrieden.“