Sozialpsychiatrischer Dienst des Saale-Orla-Kreises: Miteinander reden kann auch helfen

Schleiz  Kontakttreffen für psychisch kranke und seelisch beeinträchtigte Menschen gibt es im Landkreis seit zwölf Jahren

Ist jemand psychisch krank, gibt es die Einsamkeit fast immer noch oben drauf. Viele der Patienten leben allein in ihren Wohnungen, besuchen weder eine Werkstatt noch eine Tagesstätte, sind nicht sozial integriert. Es gehört Mut dazu, sich zu outen und es ist eher ein Zeichen von Stärke, gerade in so einer Lebenssituation Hilfe von außen anzunehmen. Kontakt mit anderen Menschen, ist fast schon ein Stückchen Therapie.

Ist jemand psychisch krank, gibt es die Einsamkeit fast immer noch oben drauf. Viele der Patienten leben allein in ihren Wohnungen, besuchen weder eine Werkstatt noch eine Tagesstätte, sind nicht sozial integriert. Es gehört Mut dazu, sich zu outen und es ist eher ein Zeichen von Stärke, gerade in so einer Lebenssituation Hilfe von außen anzunehmen. Kontakt mit anderen Menschen, ist fast schon ein Stückchen Therapie.

Foto: Uwe Lange

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Auf Seite fünf, unten rechts, war sie bereits im März-Amtsblatt des Saale-Orla-Kreises zu finden, die Einladung des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpDi) des Gesundheitsamtes zum jüngsten Kontakttreffen für psychisch kranke und seelisch beeinträchtigte Menschen ins Schleizer Landratsamt.

Solche Treffen gibt es nach Auskunft von Sozialarbeiterin Imka Otto seit zwölf Jahren – neu war diesmal, dass öffentlich dazu eingeladen wurde. „Am Anfang fanden diese Treffen immer so sechs bis acht Mal im Jahr statt. Das schaffen wir leider nicht mehr, weil unsere Arbeitsintensität seither stetig zugenommen hat.“

Wer beim Sozialpsychiatrischen Dienst vorstellig wird, hat einen gewissen Leidensdruck – aber auch den Mut, sich zu outen: „Ja, ich bin krank, habe psychische Probleme!“ Und die Zahl der Patienten wird immer größer. Parallel dazu gibt es eine hohe Dunkelziffer.

„Früher, wenn neue Patienten zu uns kamen, stand die Krankheit im Mittelpunkt“, erinnerte sich Imka Otto. Heute ist die Erkrankung nur ein Problem von vielen. Die Bandbreite reicht da von sozialen Sorgen, über fehlende Krankenversicherung bis hin zu Vermüllung und/oder Verwahrlosung. Der Sozial­psychiatrische Dienst unterstützt unter anderem bei Beantragungen jedweder Art, die der Betroffene krankheitsbedingt nicht allein bewältigen kann. In so einer Situation Hilfe von außen anzunehmen, zeugt eher von Stärke als von Schwäche.

Für diesen Nachmittag gibt es kein Programm

Im April kamen 17 Personen zum Kontakttreffen. „Die meisten sind aus Schleiz und Umgebung, da oftmals die fehlende Mobilität Betroffener aus dem gesamten Landkreis deren Teilnahme verhindert. Es waren unsere bekannten Patienten da. Gern können noch mehr dazu kommen.“

Die Treffen finden jetzt viermal im Jahr, immer donnerstags 15 Uhr, statt und sind offen für Bürger jeden Alters, unabhängig von der Art der psychischen Erkrankung. Wie dieser Nachmittag verläuft, ergibt sich aus der aktuellen Situation.

Die Mitarbeiterinnen vom Sozialpsychiatrischen Dienst fragen nach dem Befinden, nach möglichen Problemen – alles geprägt von einem sehr starken Vertrauensverhältnis. Sehen die Mitarbeiterinnen des SpDi, aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen, während eines solchen Treffens bei einem der Patienten speziellen Redebedarf, werden individuelle Termine vereinbart.

„Wir haben Patienten dabei, die von Anfang an, also die ganzen zwölf Jahre immer wieder kamen.“ Die Treffen dienen dem Austausch untereinander. Als Betroffener muss man seinem Gegenüber hier nichts erklären – weil er vielleicht ähnliche Sorgen hat. Es ist bestimmt schon vorgekommen, dass ein Patient dem anderen mit diesem oder jenem Tipp helfen konnte und sie vergessen gemeinsam mal für einige Stunden die Krankheit.

Auch dürfte solch eine Zusammenkunft bestimmt ein gutes Rezept gegen die Einsamkeit sein – da viele der Patienten allein in ihrer Wohnung leben, nicht in eine Werkstatt oder Tagesstätte gehen, nicht so sozial integriert sind. „Kontakte mit anderen Menschen zu haben, ist auch ein Stückchen Therapie – mehr wert als oftmals ein Rezept“, erklärte Imka Otto.

Kommen kann jeder, der sich angesprochen fühlt. Und sie kommen alle gern, warten schon immer auf das nächste Treffen. Das findet am 27. Juni statt. ­Auch in Pößneck finden regelmäßige Treffen statt, jeden zweiten Mittwoch im Monat zwischen 16 und 17.30 Uhr im Mehrgenerationenhaus.

Raum-Alternative

Eine räumliche Alternative zum Konferenzraum Nord im Landratsamt wäre für das Kontakttreffen wünschenswert. Da das „Amt“ für viele Klienten eine Hürde darstellt.

Wer also einen Raum kostenlos zur Verfügung stellen könnte, melde sich doch bitte beim Sozialpsychiatrischen Dienst unter Telefon 03663/48 86 11.

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